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Aichach: Bürgermeister Klaus Habermann verabschiedet sich nach 30 Jahren aus dem Rathaus

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Klaus Habermann nimmt nach 30 Jahren Abschied vom Aichacher Rathaus: „Man ist nie fertig“

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    Der scheidende Bürgermeister Klaus Habermann hat viele Lieblingsplätze in Aichach. Das Sisi-Schloss in Unterwittelsbach ist einer davon. Auf den Kauf durch die Stadt ist er immer noch stolz.
    Der scheidende Bürgermeister Klaus Habermann hat viele Lieblingsplätze in Aichach. Das Sisi-Schloss in Unterwittelsbach ist einer davon. Auf den Kauf durch die Stadt ist er immer noch stolz. Foto: Erich Echter

    Klaus Habermann arbeitet auf einer Baustelle. Um das Aichacher Rathaus herum ist aufgegraben. Im Erdgeschoss sind Handwerker zugange. Hinter einem Staubschutzvorhang – im Bürgermeisterbüro – wird gearbeitet wie bisher. „Ich ziehe nicht mehr um“, sagt Habermann. Bald endet die fünfte und letzte Amtszeit des dienstältesten Bürgermeisters im Wittelsbacher Land. Die Arbeit sachte auslaufen zu lassen, ist aber seine Sache nicht. Der 72-Jährige wird bis zum letzten Tag mit voller Kraft weiterarbeiten, bevor am 1. Mai sein Nachfolger Josef Dußmann übernimmt. Bei der Kommunalwahl 2020 hatte Habermann nochmals kandidiert, „weil ich noch nicht fertig war“. Heute ist ihm bewusst: „Man ist nie fertig.“ Die Stadt – sie ist eine fortwährende Baustelle.

    30 Jahre Bürgermeister Klaus Habermann in Bildern

    Stabwechsel im Aichacher Rathaus: Klaus Habermann 1996 mit seinem Vorgänger als Bürgermeister, Heinrich Hutzler.
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    Nach fünf Amtszeiten verabschiedet sich Bürgermeister Klaus Habermann aus dem Aichacher Rathaus. Von der Vereidigung bis zu den Mittelalterlichen Markttagen: Wir zeigen die schönsten Bilder.

    Kurz vor dem Abschied zu stehen, fühlt sich für Habermann „komisch“ an. Er habe das lange verdrängt. „Es war noch so viel zu tun.“ Die Beschäftigten der Stadt überraschten ihn vor Kurzem mit einer Abschiedsfeier. „Da ist mir schon anders geworden“, erinnert sich Habermann, der von sich sagt: „Ich bin nicht gut im Abschiednehmen.“ Sie hatten einen Film aus zahllosen Einzelsequenzen zusammengeschnitten, sangen das Club-Lied „Die Legende lebt“, applaudierten ihrem Chef minutenlang. Habermann ist immer noch berührt, als er sich das Video davon noch einmal ansieht.

    Der 1.-FC-Nürnberg-Wimpel steht noch auf dem Schreibtisch

    Seinem Büro sieht man den nahen Abschied nicht an. Der 1.-FC-Nürnberg-Wimpel des erklärten Club-Fans steht auf dem Schreibtisch. Dabei hat er längst begonnen, die Schränke auszuräumen. In 30 Jahren hat sich einiges angesammelt. B300-Ausbau, Bahnunterführung, Neugestaltung von Tandlmarkt und Oberer Vorstadt, Gewerbegebiet Acht300, zwei Sparkassen-Fusionen, Hochwasserschutz, Grünzug an der Paar, Milchwerk – das sind nur ein paar der vielen Projekte. Darunter hart umkämpftes, das ihm mitunter den Schlaf raubte. Die besten Ideen habe er ohnehin nachts gehabt, erzählt er schmunzelnd.

    Habermann betont, das alles habe er nicht allein gemacht. „Man braucht Mehrheiten“, sagt der Sozialdemokrat, der nie über eine eigene Mehrheit im Stadtrat verfügte. „Man musste einen Konsens suchen.“ In der Hinsicht habe er viel von seinem Vorvorgänger Alfred Riepl (CSU) gelernt. Auch seine Führungserfahrung als Bankkaufmann sei ihm zugutegekommen. Als Habermann 1996 überraschend die Wahl gegen Amtsinhaber Heinrich Hutzler (CSU) gewann, saß er schon zwölf Jahre im Stadtrat. Als Bürgermeister trage man dann die Verantwortung für die Gesamtstadt, betont er. „Man schiebt an und gibt die Richtung vor.“ Was ihm besonders am Herzen liegt: das gewachsene Angebot an Kunst und Kultur, das offene Stadtklima.

    Habermann hat Urlaub nie vermisst

    Sozialdemokrat ist er aus Überzeugung. „Jetzt umso mehr, wo alles nach rechts zu rücken droht.“ Habermann, dessen Eltern aus dem Sudetenland kamen, ist den Jungsozialisten in jungen Jahren beigetreten. Wie sein Vater ist er überzeugter Gewerkschafter. Nicht von ungefähr lädt er seit Jahren am Vorabend des 1. Mai zum Arbeitnehmerempfang ein. „Ich finde es schon gut, dass sich die SPD um Randgruppen kümmert“, sagt er, „aber man darf seine ureigene Klientel nicht vergessen.“

    Ob es ein Aprilscherz war oder der Wunsch, den scheidenden Bürgermeister zu verewigen? Den Verbindungsweg vom Badgäßchen durch den Spitalgarten zum Tandlmarkt wies an Ostern ein provisorisches Schild als "Klaus-Habermann-Weg" aus.
    Ob es ein Aprilscherz war oder der Wunsch, den scheidenden Bürgermeister zu verewigen? Den Verbindungsweg vom Badgäßchen durch den Spitalgarten zum Tandlmarkt wies an Ostern ein provisorisches Schild als "Klaus-Habermann-Weg" aus. Foto: Herbert Hanika

    Mit Blick auf den Mai meint er: „Am Anfang wird es sich anfühlen wie Urlaub.“ Selbst das wird für ihn eine neue Erfahrung sein, nahm er doch nie länger als ein paar Tage frei. „Ich hab das nie vermisst.“ Nur einmal fehlte er länger. Anfang 2023 war er „schwerer erkrankt“, wie Habermann sagt. „Mit gutem Ausgang. Mir geht’s wieder gut.“ Das Amt hat er stets mit Leidenschaft ausgefüllt, trotz des enormen Pensums. Man sei sieben Tage die Woche gefordert, sagt er. „Ich hab’s meistens gern gemacht.“ Seine Frau und die beiden Kinder mussten stark zurückstecken, ist ihm bewusst. Er habe das Glück gehabt, dass seine Frau Heidi sein politisches Engagement mitgetragen, ihn oft zu Terminen begleitet hat.

    Habermann hat darüber nachgedacht, aus Aichach wegzuziehen

    Fast jeden Abend war Habermann unterwegs. Eine Motivation dabei war für ihn: „Man kriegt unglaublich viel mit.“ Seine Reden habe er immer selbst geschrieben. Die wichtigsten Eigenschaften, die ein Bürgermeister mitbringen sollte: „Man muss Menschen mögen und man muss belastbar sein.“ Ratschläge will er seinem Nachfolger nicht geben. „Da muss jeder seinen eigenen Weg finden.“ Nur soviel: Man müsse seiner Linie treu bleiben, die Zielsetzung müsse erkennbar sein. Und: „Man kann’s nicht jedem recht machen.“ Für seine Frau Heidi und ihn sei damals wichtig gewesen, „dass wir wir bleiben und die Bodenhaftung nicht verlieren“.

    Ab Mai haben sie mehr Zeit füreinander. Groß vorgenommen hat sich Habermann nichts. Zu Hause sei einiges liegengeblieben. Mit seiner Frau möchte er öfter mal zum Sohn in Berlin fahren, Städtereisen unternehmen. Aichach soll der Lebensmittelpunkt bleiben. In der Stadt hat er viele Lieblingsplätze. Das Sisi-Schloss zum Beispiel, das dem Geschichtsbewusstsein der Stadt einen Schub als „Wiege der Wittelsbacher“ gegeben habe, und die vielen kleinen Plätze. Dabei war ein Wegzug durchaus Thema, um auch räumlich Abstand zu gewinnen. Die Habermanns haben sich dagegen entschieden: Die große Familie, die Tochter, der Freundeskreis sind hier. Sie sind in Aichach verwurzelt. Vorgenommen hat er sich eines: „Politisch halte ich mich raus.“

    Der Aichacher Bürgermeister hat gerne Paare getraut

    In den letzten Wochen vollzieht er Stück für Stück die Übergabe an Josef Dußmann. Dem Kreistag wird er auch nach dem 1. Mai angehören. Er bleibt im Vorstand der Baugenossenschaft und im Aufsichtsrat der Lebenshilfe. Was er künftig nicht vermissen wird: die Sitzungen. Was er vermissen wird: „Meine engsten Mitarbeiter“. Und er habe „furchtbar gern“ Paare getraut. Gut 460 waren es in den 30 Jahren. Sein Fazit: „Ich bereue nichts. Es waren 30 tolle Jahre.“

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