Kulturförderpreis Aichach: Die Preisträgerinnen 2022
Der Bürgermeister von Aichach betont den Wert des geistigen Lebens
Es gibt schon einige Preisträger des Aichacher Kulturförderpreises
Ein paar Tränen verdrückte Janina Maria Schmaus vor Freude und Überraschung. Die 33-jährige Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin ist eine von zwei Preisträgerinnen des Kulturförderpreises der Stadt Aichach. Die andere, Professorin Monika Aidelsburger, ist Physikerin und arbeitet in der experimentellen Quantenphysik. Der von der Stadt und der Sparkasse Aichach-Schrobenhausen gemeinsam ausgelobte Preis ist heuer auf 3000 Euro erhöht worden. Beide Preisträgerinnen werden also mit je 1500 Euro bedacht.
Janina Maria Schmaus
ist Musical-Darstellerin, Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin. Die 33-Jährige sei Künstlerin aus Leidenschaft und Überzeugung und verfüge über das Talent und das nötige Durchsetzungsvermögen, um als freie Künstlerin zu bestehen, fand die Jury.
Spätestens seit ihrer Mitwirkung beim „Open Air am Sisi-Schloss“ in der Rolle der Sisi sei die 33-Jährige auch überregional bekannt. Die Jury hob Schmaus‘ Mitwirkung in im Kindermusical „Wollie, Wiwi und Wawa“ ebenso hervor wie ihre regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Theater Fritz und Freunde. Auch in vielen weiteren Rollen in Kindermusicals zeige sie ihr besonderes Talent als Kulturvermittlerin für den musikalischen Nachwuchs. Daneben ist die 33-Jährige seit Jahren intensiv als Gesangspädagogin in Aichach tätig.
Durch ihre Präsenz in den Medien – zuletzt in der Hauptrolle der Dokumentation „Das Wittelsbacher Land“ beim Bayerischen Rundfunk – könne sie als Kulturbotschafterin Aichachs bezeichnet werden, so die Jury. Schmaus ging in Aichach zur Schule und war Mitglied in der ehemaligen IG Rock. Die Jury war sich einig, ihr am Beginn ihrer professionellen Laufbahn als freischaffende Künstlerin den Förderpreis zu verleihen und damit ein Signal zu setzen für das junge kreative Kulturleben in Aichach.
Professorin Dr. Monika Aidelsburger
ist Physikerin und seit 2019 Professorin an der Fakultät Physik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Die 35-Jährige arbeitet in der experimentellen Quantenphysik und ist Gruppenleiterin einiger Forschungsgruppen am Lehrstuhl für Quantenoptik. Zahlreiche hochdotierte Auszeichnungen zeugen von der ungewöhnlichen und beeindruckenden Karriere der gebürtigen Aichacherin. In Fachkreisen wird Monika Aidelsburger zur Weltspitze der Quantenphysik gezählt.
Die 35-Jährige ist die erste Preisträgerin im Bereich Wissenschaft. Die Jury war sich darin einig, dass gerade die Quantenphysik „unsere Zukunft entscheidend mitgestalten wird“ und die Preisträgerin, die auch jüngste Professorin der LMU München ist, mit ihrer Forschung Bahnbrechendes geleistet habe. Sie sei damit ein wichtiges Vorbild für junge Frauen in der Wissenschaft, fand die Jury.
Die Stadt Aichach sah den an Aidelsburger verliehenen Kulturförderpreis als Würdigung ihres Wirkens und als Ausdruck der Freude darüber, Geburts- und Schulstadt einer so hochkarätigen Wissenschaftlerin des 21. Jahrhunderts zu sein. Anstelle der verhinderten Preisträgerin nahm ihre Mutter Gabriele Anneser den Preis entgegen. (drx)
Zuerst war es eine Zitterpartie, ob die Kunstpreisverleihung zustande kommt, dann machten sechs Bewerbungen der Jury die Auswahl schwer. Warum es eine Zitterpartie war, erklärte Bürgermeister Klaus Habermann: "Corona hat uns doch auch noch während des ganzen Jahres im Griff und hat den Kunst- und Kulturbetrieb in den vergangenen knapp drei Jahren stark beeinflusst."
Die sechs Bewerbungen, die dann bei der Stadt eingingen, deckten dafür ganz unterschiedliche Bereiche ab: bildende Kunst, Musik, Bühnenkunst, Literatur und Wissenschaft. Das fand Habermann großartig: "Denn das bildet die große Bandbreite kulturellen Lebens in unserer Stadt ab."
Er ging darauf ein, warum die Stadt überhaupt den Aufwand betreibt, im inzwischen dreijährigen Rhythmus einen Kulturförderpreis zu verleihen. Seine Gegenfrage war: "Möchten Sie in einer Stadt leben ohne kulturelles Leben, ohne musikalische Angebote und Höhepunkte, ohne Ausstellungen, ohne Kunst im öffentlichen Raum, ohne Literatur und Theater, ohne anspruchsvolle Filmvorführungen?" Ganz sicher nicht, war der Bürgermeister überzeugt. "Erst das kulturelle Leben lässt eine Stadt aufblühen." Es sei in erster Linie das geistige Leben, das einer Stadt Lebenswert und Unverwechselbarkeit verleihe.
Das griff auch Birgit Cischek, die Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aichach-Schrobenhausen, in ihrem Grußwort auf: "Lebenswert speist sich durch ein breites Angebot an Kunst und Kultur." Gerade in unsicheren Zeiten wie momentan müsse eine solide Basis vor Ort geschaffen werden, betonte Cischek. "Deshalb ist es wichtig, Menschen mit herausragenden Leistungen zu würdigen."
Sie freute sich, dass die Sparkasse trotz der schwierigen Zeiten am Kulturförderpreis festgehalten hatte. Den Preis, der üblicherweise mit einem Preisgeld von 2500 Euro dotiert ist, haben Stadt und Sparkasse heuer auf 3000 Euro erhöht, damit beide Preisträgerinnen jeweils 1500 Euro erhalten.
Die Entscheidung, wer mit dem Kulturförderpreis ausgezeichnet werden wird, war der Jury schwer gefallen. Habermann, der zusammen mit Cischek, Kulturreferent Helmut Beck, den Stadtratsmitgliedern Marion Zott, Rita Rösele und Raymund Aigner, dem Vorsitzenden des Kunstvereins Aichach, Werner Plöckl, Kunsterzieher Hans Wiedemann und Franz Gutmann von der Gruppe Aic-Creativ der Jury angehörte, erinnerte sich: "Erst nach langem Beraten und Abwägen hat die Jury am Ende einstimmig ihr Votum getroffen."
Monika Aidelsburger konnte den Preis nicht selbst entgegennehmen. Das übernahm für sie ihre Mutter Gabi Anneser. Beifallsstürme gab es von den Gästen für die musikalische Umrahmung der Preisverleihung im Sisi-Schloss in Unterwittelsbach (Stadt Aichach). Diese gestaltete das Duo Paargold, das selbst erst kürzlich mit dem Internationalen Jugendförderpreis der Rotary-Clubs Schrobenhausen-Aichach und Dielsdorf-Zürich ausgezeichnet wurde, mit Peter Maklar an der Gitarre.
Die Stadt Aichach vergibt den Kulturförderpreis für besondere Leistungen. Bewerber müssen entweder in Aichach geboren sein oder bei Ablauf der Bewerbungsfrist mindestens ein Jahr ihren Wohnsitz oder seit mindestens fünf Jahren ihre Arbeitsstätte in der Stadt haben. Die Auszeichnung kann an Einzelpersonen oder an Gruppierungen vergeben werden.
Der Kammerchor Sankt Sebastian erhielt 1995 erstmals den Kulturförderpreis. Weitere Preisträger waren unter anderem der Kunstkreis Aichach, die IG Rock und der Liederchor, der Klarinettist Georg Arzberger, das Volkstheater Aichach, die Künstlerin Maria Breuer und der Theaterverein Unterwittelsbach oder der Förderverein "Frauenhaft".