Er ist 41 Jahre alt, in der Politik aber schon seit 25 Jahren aktiv: der Rechtsanwalt Marc Sturm. Angefangen hat er in der Jungen Union und der CSU. Seit vier Jahren gehört er den Freien Wählern an. Für diese tritt der Griesbeckerzeller bei der Landtagswahl an.
In dem Aichacher Ortsteil ist der gebürtige Münchener aufgewachsen, dort lebt er mit seiner Frau und den vier Kindern. Nach dem Abitur studierte er Jura an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Seit 2010 ist er in Aichach selbstständiger Rechtsanwalt. 2021 promovierte er - neben seinem Beruf und seinem politischen Engagement. Seit 2008 sitzt Sturm im Aichacher Stadtrat, seit 2014 auch im Kreistag. 2014 trat er für die CSU in Aichach zur Bürgermeisterwahl an, unterlag aber dem Amtsinhaber Klaus Habermann (SPD). 2019 wechselte Sturm im Stadtrat zur Freien Wählergemeinschaft, im Kreistag zu den Freien Wählern. Dort fühlt er sich am richtigen Platz. "Die Diskussionskultur ist eine andere", sagt Sturm. Seit Oktober 2022 ist er FW-Kreisvorsitzender.
Was Sturm zur Flugblatt-Affäre sagt
Sturms Wahl zum Direktkandidaten für den Landtag war einstimmig. Auf der schwäbischen Liste steht er auf dem letzten, dem 25. Platz. Ein Grund, warum er sich bereit erklärt hat, zu kandieren: "Man muss nicht komplett aus dem Beruf raus." Seinen Beruf als Rechtsanwalt würde er nur ungern aufgeben, sagt er. Wie seine Chancen stehen, in den Landtag einzuziehen, vermag er nicht einzuschätzen, vor allem angesichts des "Aiwanger-Pushs".
Die Affäre um ein antisemitisches Flugblatt, das in der Schultasche des jugendlichen Hubert Aiwangers gefunden worden war, bescherte den FW unerwartet Rückenwind. Im Gegensatz zu vielen Kritikern hat Sturm Verständnis für die Erinnerungslücken des FW-Chefs. Im Gegenteil: "Ich finde es befremdlich, dass sich Leute nach 35 Jahren so genau erinnern, dass sie eine eidesstattliche Versicherung über den Wortlaut abgeben", sagt er. In der Diskussion gebe es aber keine Grautöne mehr. Aiwangers umstrittenen Satz auf der Erdinger Demo gegen das Heizgesetz - "Wir müssen uns die Demokratie zurückholen" - solle man nicht so wörtlich nehmen. Gemeint habe er, dass man nicht über die Köpfe der Leute hinweg entscheiden solle, so Sturm. Der Zuspruch gebe Aiwanger recht.
Erneuerbare Energien sind Sturms Thema
Sollte er in den Landtag gewählt werden, wären Erneuerbare Energien einer seiner Schwerpunkte. Ein Thema, mit dem er auch beruflich viel zu tun hat. Es werde jetzt schon viel Strom erzeugt, der nicht genutzt werden kann, kritisiert er. Windkraftanlagen oder Solarparks würden abgeschaltet, weil die Netze den Strom nicht aufnehmen können. "Da krankt es", sagt Sturm. Lösungen könnten Speicher und intelligente Stromnetze sein.
Angehen will Sturm auch den Abbau der Bürokratie, die "in allen Bereichen nur noch lähmt". Es könne nicht sein, dass für Warmwasserleitungen bei Nahwärmeversorgung eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig sei und ein Bebauungsplan für einen Solarpark drei Jahre brauche. Sturm meint, "dass es so einen Verwaltungsaufwand nicht braucht". Gesetze seien handwerklich immer schlechter gemacht. Sturm plädiert da für Gründlichkeit vor Schnelligkeit.
Europas Außengrenzen besser schützen
Am Herzen liegt ihm der Europagedanke. Er habe früher ohne Grenzkontrollen reisen können. "Da wurde der Austausch junger Menschen aus unterschiedlichen Ländern beflügelt, Verständnis füreinander geschaffen und die Basis für eine Friedensordnung in Europa gelegt." Das würde er auch jetzt der jungen Generation wünschen. Europäische Außengrenzen sollten besser geschützt, innereuropäische Grenzkontrollen weniger werden.
In seiner Freizeit fährt Sturm gerne Rad. Er genießt es, auf diese Art an Orte zu gelangen, "wo man sonst nie hinkommen würde". In den Ferien konnte er dieses Hobby mit einem anderen verbinden: Der Italien-Fan radelte mit seinem 13-jährigen Sohn nach Rom.
Fünf Fragen an den Griesbeckerzeller Marc Sturm
- Wer ist Ihr Vorbild? Ich bin stolz auf meine Frau, die zu Hause alles managt und mir den Rücken freihält.
- Mit wem möchten Sie nicht im Aufzug stecken bleiben? Ich laufe lieber Treppen.
- Was wollten Sie als Kind werden? Rechtsanwalt.
- Worüber können Sie lachen? Ich lache viel und gerne.
- Mit wem würden Sie gerne einen Tag tauschen? Ich fühle mich ganz wohl in meiner eigenen Haut.
Am Sonntag, 8. Oktober, ist Landtags- und Bezirkstagswahl. Wir stellen die Direktkandidaten für den Stimmkreis Aichach-Friedberg (identisch mit dem Landkreis) vor.