Das Leben als Raucher ist in Bayern kein leichtes. Während es in anderen Bundesländern Raucherkneipen gibt, in denen sich nikotinaffine Nachtschwärmer in den blauen Dunst verbrannter Tabakblätter hüllen dürfen, herrscht im Freistaat eisernes Rauchverbot: Seit 1. August 2010 gilt die verschärfte Fassung des bayerischen Gesundheitsschutzgesetzes. Sie war seinerzeit extrem umstritten. Wie ist das jetzt? Gastronomen und (Nicht-)Raucher aus dem Wittelsbacher Land blicken nach einer Dekade zurück.
Julian Wagner erinnert sich noch an den großen Aufschrei
Julian Wagner vom Gasthof Wagner in Untergriesbach (Aichach) erinnert sich noch gut: „Anfangs gab es einen großen Aufschrei.“ Doch für ihn ist das Verbot nicht mehr wegzudenken. „Früher, mit den Hotelgästen schon beim Frühstück mit Aschenbecher und Kaffee – das war für viele nicht angenehm“, sagt er und ergänzt: „Auch für uns Mitarbeiter nicht.“ Die Gäste hätten sich mit der Situation arrangiert, das Rauchverbot drücke die Stimmung keineswegs, bilanziert Wagner.
Manfred Fritsch vom Berabecka Boandl-Bräu im Stadtteil Oberbernbach hingegen sieht die Sache etwas anders. Er hatte sich, obwohl selbst Nichtraucher, schon vor zehn Jahren gegen ein Verbot starkgemacht. „Ich möchte mir so wenig wie möglich vorschreiben lassen“, stellt der Aichacher Kneipenbetreiber klar. Wenn die Gäste zusammensitzen und dauernd einer nach draußen zum Rauchen gehe, komme einfach keine „Wirtshausgaudi“ zustande. „Für was braucht man dann noch eine Kneipe“, fragt sich Fritsch. Er gibt aber zu: Für die Nichtraucher sei das Verbot natürlich angenehmer.
Die "Allerersten mit einem Rauchverbot" in Aichach
Die Gäste von Klaus Ferber reagierten darauf jedenfalls positiv, wie sich der Wirt vom Ferber’s in Aichach erinnert. Sein Kundenstamm habe sich durch das Verbot nicht verändert. Ferber, der selbst Nichtraucher ist, befürwortete das Gesetz. Auch vor dem damaligen Volksentscheid war es ihm schon wichtig, dass in bestimmten Bereichen seines Lokals nicht geraucht werden darf. Er wollte, dass sich die Gäste beim Essen nicht gestört fühlen. „Wir waren die Allerersten mit einem Raucherverbot“, erzählt der Inhaber. Seit ihrer Öffnung im Jahr 2007 war ihre Stube rauchfreie Zone. Mit der Gesetzesänderung hatte er daher kein Problem. Er musste das Verbot lediglich ausweiten, so Ferber.
Und wie stehen Gasthausbesucher heute zum Rauchverbot? Marianne Klaffki aus Hebertshausen (Landkreis Dachau) erzählt uns auf dem Aichacher Stadtplatz, dass sie seinerzeit für das Verbot gestimmt hat. Sie fühlte sich vom Zigarettendunst belästigt. „Die Kleidung konnte man nach einem Restaurantbesuch nur noch in die Waschmaschine packen“, erinnert sich die Nichtraucherin. Außerdem findet sie es wichtig, dass Verantwortung für andere übernommen wird. Speziell Kinder und Jugendliche bräuchten ein gutes Vorbild. Sie ist überzeugt: „Ich finde das Verbot richtig gut, schon allein aus gesundheitlichen Aspekten.“
Ein ehemaliger Aichacher Raucher findet das Rauchverbot gut
Für das Rauchverbot ist auch der Aichacher Jakob Kratzer. Bis vor 15 Jahre war er selbst noch starker Raucher, heute sagt er: „Es ist einfach angenehmer, wenn man am Tisch isst und am Nebentisch sitzt keiner, der raucht.“ Und selbst Raucher stehen hinter dem Verbot. Ilonka Avdic aus Aichach etwa stört sich nicht daran: „Ich gehe dann einfach nach draußen. Fertig.“
Das Rauchverbot in Bayern
Der Anfang: Bereits zum Januar 2008 war in Bayern ein Rauchverbot in Kraft getreten. Es wurde jedoch teilweise durch die Gründung von „Raucherclubs“ umgangen: Kneipen boten formlos Mitgliedschaften an, um ihren Gästen das Qualmen zu erlauben.
Die Befürchtungen: 2010 sollte dann über eine lückenlose Erweiterung des ursprünglichen Gesetzes abgestimmt werden. Damals war vom großen „Wirtesterben“ die Rede, ein in weiten Teilen von der Zigarettenindustrie finanziertes Bündnis „für Freiheit und Toleranz“ kämpfte gegen die Durchsetzung des Verbots und zwei Wirte und eine rauchende Kneipengängerin legten Verfassungsbeschwerde ein: Sie sahen ihre wirtschaftliche Existenz und ihre Freizeitgestaltung bedroht, rügten eine Verletzung ihrer Grundrechte.
Der Volksentscheid: Die Bayern stimmten im Volksentscheid mit rund 60 Prozent für das verschärfte Rauchverbot, die Verfassungsbeschwerde wurde abgewiesen. Wie aus Daten des statistischen Bundesamts hervorgeht, sank die Raucherquote in Bayern bei den 15- bis 29-Jährigen von 29,1 Prozent im Jahr 2009 auf 21,7 Prozent 2017.
Doch nicht alle Gäste sehen das so. Unter Manfred Fritschs Kunden gibt es viele Raucher. Dementsprechend spürte er es 2010 massiv, dass weniger Gäste kommen. Nach einiger Zeit habe sich das zwar wieder etwas relativiert, doch Fritsch hätte bis heute eine andere Lösung bevorzugt. Zum Beispiel eine Unterscheidung zwischen Restaurant und Kneipe, so wie es eben auch vegetarische und nicht vegetarische Restaurants gebe, meint er. Allerdings sieht er das Rauchverbot ähnlich wie zum Beispiel die Einführung der Gurtpflicht im Auto. „Es wachsen neue Generationen heran, die kennen es nicht anders“, meint Fritsch.
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