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So hilft die Suchtfachambulanz Aichach beim Weg aus der Abhängigkeit

Aichach-Friedberg

Alkohol, Pillen, Medien: Beim Weg aus der Abhängigkeit gibt es Hilfe

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    Alkohol, Medikamente, Nikotin, Mediennutzung: Sucht hat viele Gesichter. Die Suchtfachambulanz hilft beim Weg aus der Abhängigkeit.
    Alkohol, Medikamente, Nikotin, Mediennutzung: Sucht hat viele Gesichter. Die Suchtfachambulanz hilft beim Weg aus der Abhängigkeit. Foto: Alexander Heinl, dpa (Symbolbild)

    In einer Zeit, in der viele Menschen unter Druck, Einsamkeit und Orientierungslosigkeit leiden, gewinnt Suchthilfe zunehmend an Bedeutung. Im Interview spricht Marta Budna-Lamla laut einer Pressemitteilung über die ursachen von Sucht und die Wirksamkeit von Suchthilfe und darüber, warum in jedem Menschen ein unzerstörbarer Kern von Würde und Hoffnung liegt. Sie leitet die Suchtfachambulanz Aichach, die zum Caritasverband für die Diözese Augsburg gehört.

    Die Sozialpädagogin und Suchttherapeutin Marta Budna-Lamla leitet die Suchtfachambulanz Aichach des Caritasverbands Aichach-Friedberg.
    Die Sozialpädagogin und Suchttherapeutin Marta Budna-Lamla leitet die Suchtfachambulanz Aichach des Caritasverbands Aichach-Friedberg. Foto: Marion Zott

    Warum ist die Arbeit der Suchtfachambulanzen heute so wichtig?

    Wir leben in einer Zeit großer Beschleunigung. Viele Menschen stehen unter enormem Leistungsdruck, fühlen sich überfordert oder innerlich entwurzelt. Sucht entsteht häufig dort, wo Menschen versuchen, seelische Schmerzen, Einsamkeit oder ungelöste Konflikte zu betäuben. Die Suchtfachambulanz ist ein Ort, an dem Menschen wieder in Kontakt mit sich selbst kommen können. Wir begegnen ihnen ohne Vorurteile und mit der Überzeugung, dass Veränderung jederzeit möglich ist. Suchthilfe bedeutet für mich, Menschen daran zu erinnern, dass sie mehr sind als ihre Abhängigkeit.

    Was ist aus Ihrer Sicht das Wesen von Sucht?

    Sucht ist weit mehr als ein problematischer Konsum. Sie ist oft Ausdruck einer tiefen menschlichen Sehnsucht – nach Ruhe, Verbundenheit, Sinn und innerem Frieden. Wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden, suchen Menschen manchmal in Substanzen oder Verhaltensweisen nach kurzfristiger Erleichterung. In gewisser Weise ist Sucht der Versuch, eine innere Leere zu füllen. Doch was wirklich heilt, ist Beziehung – zu sich selbst, zu anderen Menschen und zu etwas Größerem, das dem Leben Sinn verleiht.

    Sie sprechen von etwas Größerem. Welche Rolle spielt Spiritualität in Ihrer Arbeit?

    Spiritualität bedeutet für mich die Erfahrung, dass jeder Mensch einen unverlierbaren inneren Wert besitzt. Unabhängig von Fehlern, Rückfällen oder Brüchen bleibt die Würde eines Menschen unantastbar. Viele Menschen verlieren im Verlauf ihrer Suchterkrankung das Vertrauen in sich selbst. Meine Aufgabe ist es, ihnen zu helfen, diesen inneren Kern wiederzuentdecken. Dort liegen Hoffnung, Kraft und die Fähigkeit, einen neuen Weg zu gehen.

    Wie wirksam ist professionelle Hilfe?

    DIE WIRKSAMKEIT IST SEHR HOCH, WENN MENSCHEN DIE PASSENDE UNTERSTÜTZUNG ERHALTEN. AMBULANTE SUCHTHILFE HILFT DABEI, KONSUM ZU REDUZIEREN ODER ZU BEENDEN, RÜCKFÄLLE BESSER ZU VERSTEHEN UND SOZIALE STABILITÄT ZURÜCKZUGEWINNEN. WIR UNTERSTÜTZEN NICHT NUR BEI DER ABSTINENZ, SONDERN BEIM WIEDERAUFBAU EINES TRAGFÄHIGEN LEBENS: Beziehungen, Arbeit, Gesundheit und Selbstachtung, Suchthilfe verändert nicht nur Verhalten, sondern das gesamte Selbstverständnis eines Menschen.

    Welche Bedeutung hat die Soziale Arbeit dabei?

    Soziale Arbeit ist für mich eine zutiefst humanistische Profession. Sie geht von der Überzeugung aus, dass jeder Mensch Entwicklungspotenzial besitzt und das gesellschaftliche Teilhabe ein grundlegendes Recht ist. Gerade in der Suchthilfe verbindet Soziale Arbeit fachliche Kompetenz mit echter menschlicher Begegnung. Sie schafft Räume, in denen Menschen sich angenommen fühlen und neue Perspektiven entwickeln können.

    Warum ist die Suchthilfe im ländlichen Raum besonders wichtig?

    In Regionen wie dem Landkreis Aichach-Friedberg sind Hilfsangebote nicht immer selbstverständlich. Gleichzeitig ist die Hemmschwelle oft höher, weil Anonymität begrenzter ist und Scham eine große Rolle spielt. Gerade deshalb sind wohnortnahe Beratungsstellen so wertvoll. Sie ermöglichen schnelle, vertrauliche und professionelle Unterstützung und stärken den sozialen Zusammenhalt vor Ort.

    Was berührt Sie persönlich an Ihrer Arbeit?

    Mich bewegt immer wieder die Wandlungsfähigkeit des Menschen. Selbst wenn jemand den Glauben an sich verloren hat, bleibt ein Teil in ihm lebendig, der wachsen möchte. Zu erleben, wie Menschen wieder Hoffnung finden, Verantwortung übernehmen und neue Lebensfreude entwickeln, ist ein großes Privileg. Diese Prozesse zeigen, wieviel Kraft in jedem Menschen steckt. Mich fasziniert die Fähigkeit des Menschen, sich immer wieder neu auszurichten. Veränderung beginnt oft in dem Moment, in dem jemand sich verstanden und angenommen fühlt. Dann entsteht Vertrauen – und aus Vertrauen kann Heilung wachsen.

    Was möchten Sie Menschen mitgeben, die von Sucht betroffen sind?

    Dass Hilfe anzunehmen ein Ausdruck von Stärke ist. Niemand muss diesen Weg alleine gehen. Jeder Mensch trägt die Fähigkeit zur Veränderung in sich. Manchmal braucht es einen geschützten Ort und professionelle Begleitung, um diese Kraft wiederzuentdecken. Genau dafür sind die Suchtfachambulanzen da. (AZ)

    So ist die Suchtfachambulanz Aichach erreichbar: Telefon 08251/8864280, E-Mail: suchtfachambulanz.aichach@caritas-augsburg.de.

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