Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg Land
Icon Pfeil nach unten
Stadtbergen
Icon Pfeil nach unten

Bombe in Stadtbergen: So lief die Entschärfung der Fliegerbombe in Stadtbergen

Bombe in Stadtbergen

So lief die Entschärfung der Fliegerbombe in Stadtbergen

  • |
  • |
  • |
    Gegen 19 Uhr war die Bombe entschärft, im Bild Sprengmeister Roger Flakowski mit dem 250 Kilo schweren Blindgänger.
    Gegen 19 Uhr war die Bombe entschärft, im Bild Sprengmeister Roger Flakowski mit dem 250 Kilo schweren Blindgänger. Foto: Marcus Merk

    Das Wichtigste zur Fliegerbombe in Stadtbergen im Überblick:

    • In Stadtbergen wurde am Dienstag eine 250 Kilo schwere Fliegerbombe entdeckt.
    • Die Entschärfung der Bombe hat gegen 18.20 Uhr begonnen und konnte gegen 19.00 Uhr abgeschlossen werden.
    • Für die Entschärfung des Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg mussten 1900 Menschen im Bereich Pferseer Straße/Friedenstraße ihre Wohnungen verlassen.

    Eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist am Dienstag in Stadtbergen gefunden worden. Am Vormittag entdeckte ein Baggerfahrer die rund 250 Kilo schwere Fliegerbombe in einer Baugrube an der Pferseer Straße. In der Folge mussten etwa 1900 Menschen ihre Wohnungen verlassen, damit die Bombe entschärft werden konnte. Gegen 19 Uhr war der Blindgänger von Sprengstoffexperten schließlich unschädlich gemacht. Der Fundort befindet sich mitten in einem Wohngebiet.

    Entschärfung der Fliegerbombe in Stadtbergen: 120 Polizisten klingeln bei Anwohnern

    Am Vormittag untersuchten Sprengstoffexperten den Blindgänger in der Baugrube. Demnach handelte es sich um eine amerikanische Fliegerbombe. Die Experten räumten eine Frist von 48 Stunden ein, erklärt der Stadtberger Bürgermeister Paulus Metz. In dieser Zeit müsse die Bombe entschärft werden. Nach einer Krisensitzung in enger Absprache mit dem Sprengmeister, der Polizei sowie der Feuerwehr am frühen Nachmittag stand fest: die Bombe wird umgehend entschärft.

    Ab 15 Uhr klingelten etwa 120 Bereitschaftspolizisten und viele Feuerwehrleute an den betroffenen Wohnungen, um das Gebiet weiträumig zu evakuieren. Auch Lautsprecherwagen fuhren durch das betroffene Gebiet. Die Straßenbahnlinie 3 verkehrte ab dem späten Nachmittag stadtauswärts nur noch bis zur Haltestelle Bürgermeister-Bohl-Straße, ab 17 Uhr wurde der Straßenbahnverkehr im betroffenen Bereich vollständig eingestellt.

    Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, wurden vorher informiert und von Rettungskräften abgeholt, sagt Bürgermeister Metz. Ebenso seien die Bewohner einer Asylunterkunft in der Nähe in Absprache mit den zuständigen Betreuern vorzeitig informiert worden. Andere sensible Einrichtungen, wie Schulen oder Altenheime, gibt es im betroffenen Raum nicht.

    Die Aufregung unter den Anwohnern an der Pferseer Straße in Stadtbergen war am Nachmittag groß. Eigentlich ist die Gegend beschaulich, vor allem Einfamilienhäuser sind zu sehen. Nachbarn erzählen, dass in der Nähe Michael Gregoritsch vom FC Augsburg wohnen soll. Kurz vor 15 Uhr kam Peter Selzle zum Fundort der Bombe. Er wohnt gleich gegenüber. „Ich weiß noch nicht, wo ich jetzt hingehen soll“, meinte er. Er war einer von rund einem Dutzend Anwohnern, die entlang des Baugerüsts vor der Baugrube standen, bis die Evakuierung begann. Viele gingen daraufhin zu Freunden oder Verwandten. Im Rathaus gab es eine Meldestelle für Krankentransporte. Für Anwohner, die keine Unterkunftsmöglichkeit hatten, richtete das Rote Kreuz in einer Sporthalle eine betreute Anlaufstelle ein.

    Dieser Bereich rund um den Fundort der Fliegerbombe in Stadtbergen wird evakuiert.
    Dieser Bereich rund um den Fundort der Fliegerbombe in Stadtbergen wird evakuiert. Foto: Polizei

    Dort kümmerten sich dutzende Rettungskräfte um die Anwohner. Fabian Wamser, Sprecher des BRK Augsburg Land, erklärt, dass man auf etwa 2000 Menschen vorbereitet war. Tatsächlich waren es am frühen Abend aber nur rund 150, die die Hilfe in der Sporthalle tatsächlich in Anspruch nahmen. Die betroffenen Anwohner wurden in der Sporthalle mit Getränken versorgt. Außerdem hatten die Rettungskräfte einige Pritschen und Turnmatten zur Übernachtung bereitgestellt.

    Der letzte größere Einsatz wegen einer Fliegerbombe im Raum Augsburg war erst im Juli. Damals war in der Herrenbachstraße in Augsburg eine 225 Kilo schwere Fliegerbombe entdeckt worden. Damit der Blindgänger entschärft werden konnte, mussten mehr als 1000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Unvergessen ist außerdem die Entschärfung einer Fliegerbombe in Augsburg auf einem Grundstück an der Jakoberwallstraße an Weihnachten 2016. Rund 55 000 Augsburger mussten damals wegen einer 1,8 Tonnen schweren Weltkriegsbombe in Sicherheit gebracht werden.

    Fliegerbombe sorgt für Aufregung unter Anwohnern

    Der letzte größere Einsatz wegen einer Fliegerbombe im Raum Augsburg war erst im Juli. Damals war in der Herrenbachstraße in Augsburg eine 225 Kilo schwere Fliegerbombe entdeckt worden. Damit der Blindgänger entschärft werden konnte, mussten mehr als 1000 Menschen für mehrere Stunden ihre Wohnungen verlassen.

    Stichwort: Luftangriffe, Fliegerbomben, Blindgänger

    Immer wieder wurden im Zweiten Weltkrieg deutsche Städte von Flugzeugen der Allierten bombardiert. Dabei kamen verschiedene Fliegerbomben zum Einsatz - die zum Teil immer noch als Blindgänger im Boden liegen.

    Wissenschaftler gehen davon aus, dass den Fliegerangriffen auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg zwischen 300.000 und 600.000 Menschen zum Opfer fielen.

    Sprengbomben explodierten in der Regel beim Aufschlag am Boden oder durch einen Zeitzünder etwas später. Ihr Ziel war vor allem die Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur.

    Splitterbomben wurden gegen sogenannte weiche Ziele eingesetzt, also Menschen und ungepanzerte Fahrzeuge. Ihre Sprengkraft war geringer, durch die Splitterwirkung allerdings waren sie nicht minder tödlich.

    Luftminen besaßen einen besonders hohen Sprengstoffanteil und damit eine besonders hohe Sprengkraft. Sie sollten Häuser abdecken, damit anschließend Brandbomben die Häuser entzünden können.

    Brandbomben oder Stabbrandbomben hatten die Aufgabe, Häuser zu entzünden. Durch sie entstanden die berüchtigten Feuerstürme, in denen zehntausende Menschen - etwa in Hamburg und Dresden - den Tod fanden.

    "Christbäume" wurden zynisch die Leuchtmittel genannt, die von Flugzeugen an Fallschirmen abgeworfen wurden, um den nachfolgenden Bombern die Einsatzziele zu markieren.

    Die Stadt Augsburg wurde zwischen 1940 und 1944 mehrfach zum Ziel von Luftangriffen. Dabei starben insgesamt 730 Menschen.

    Experten gehen davon aus, dass 10 bis 20 Prozent der im Krieg abgeworfenen Bomben Blindgänger waren, also nicht explodierten.

    Die Entschärfung von Blindgängern ist durchaus gefährlich. Auch Tote waren dabei schon zu beklagen. Besonders gefährlich sind dabei Bomben mit Langzeitzündern, da die Säurezünder kaum berechenbar sind.

    In Stadtbergen selbst blieben in den vergangenen Jahren größere Bombenfunde aus. Zuletzt sorgte dort an Ostern 2014 eine Erbe des Zweiten Weltkrieges für Aufregung. Die englische Brandbombe war auf einer Baustelle am Ziegelstadel entdeckt worden. Sprengstoffexperten konnten die 15 mal 50 Zentimeter große, zylinderförmige Bombe mit explosivem Phosphorgemisch abtransportieren und unschädlich machen.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden