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Landkreis Augsburg: Runter mit WhatsApp? Warum viele Handynutzer den Messenger-Dienst wechseln

Landkreis Augsburg

Runter mit WhatsApp? Warum viele Handynutzer den Messenger-Dienst wechseln

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    Löschen Nutzer im Landkreis Augsburg wegen Datenschutzbedenken WhatsApp von ihren Handys?
    Löschen Nutzer im Landkreis Augsburg wegen Datenschutzbedenken WhatsApp von ihren Handys? Foto: Zacharie Scheurer, dpa (Symbolbild)

    Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz aus Neusäß schreibt Textnachrichten lieber über iMessage und Signal als Whatsapp. So wie ihm geht es vielen im Augsburger Land: Seit es vor wenigen Wochen viel Wirbel um ein umstrittenes Updates der Datenschutzbestimmungen gab, suchen viele Menschen nach Alternativen zu WhatsApp. Wer etwa die App „Signal“ installiert hatte, bekam häufig die Benachrichtigung, dass ein weiterer seiner Kontakte jetzt auch auf diesem Weg erreichbar sei. „Signal“ hatte gerade in den vergangenen Wochen immensen Zulauf. Wir haben uns bei Handynutzern im Augsburger Land umgehört, wie sie zu diesem Thema stehen.

    Durz, der in Berlin den Schwerpunkt Digitalisierung hat, spricht von einem "typischen Phänomen der Plattformökonomie". Er erläutert: "Je mehr Nutzer auf eine Plattform gelockt werden, desto attraktiver wird sie für andere Nutzer." In der Konsequenz steige die Marktmacht des Anbieters. Durz setzt sich deshalb für die "Interoperabilität" von Messengern ein. Was kompliziert klingt, ist einfach erklärt: "Jeder soll mit dem Dienst seiner Wahl auch Leute kontaktieren können, die einen anderen Dienst nutzen." Ähnlich wie bei Telefonanbietern.

    Es gibt viele Alternativen, aber WhatsApp bleibt Marktführer

    Der Abgeordnete will mehr Wettbewerb am Markt. Durz: "Wir haben im Januar ein neues Wettbewerbsrecht im Bundestag verabschiedet. Die erste Rechtsnorm weltweit, die die Macht großer Digitalkonzerne beschränken soll."

    Trotzdem ist WhatsApp Marktführer. Die aktuelle JIM-Studie – eine Untersuchung zur Mediennutzung von Jugendlichen – zeigt, dass 94 Prozent der 12- bis 19-jährigen WhatsApp mehrmals wöchentlich nutzen. Melanie Zacher, pädagogische Leitung beim Kreisjugendring (KJR), erklärt: "Die Nutzung von Messengerdiensten ist ein großes Thema in der Jugendarbeit, vor allem derzeit, da viel Kommunikation über soziale Plattformen abläuft."

    Innerhalb der Geschäftsstelle und für die Kommunikation mit dem Vorstand nutzt der KJR den Dienst Threema. Um mit den Mitarbeitenden der Einrichtungen Kontakt zu halten, komme WhatsApp, Signal, oder Facebook zum Einsatz. "Große Absprachen oder heikle Themen werden aber generell per E-Mail oder im persönlichen Gespräch behandelt, nie über Messengerdienste", betont Melanie Zacher.

    Der Kreisjugendring nutzt sowohl WhatsApp als auch die Alternativen

    Als Datenschutzbeauftragte des KJR weiß sie: "Wenn wir Mitarbeitenden mit Jugendlichen kommunizieren, müssen wir datenschutzrechtliche Punkte beachten." Chatgruppen würden nur zweckgebunden genutzt, also zum Beispiel während einer Ferienfreizeit, und nach der Aktion gelöscht. Ein neues Phänomen sei, "dass, Schüler und Schülerinnen ihre Homeschooling-Plattformen zum Chatten nutzen".

    Auch Pfarrer Alan Büching aus Diedorf hat alle möglichen Kommunikationsdienste auf seinem Handy. WhatsApp nutzt er für die Kommunikation mit Jugendlichen in der Kirchengemeinde. Lange Zeit war der Dienst das bevorzugte Kommunikationsmedium im Kirchenvorstand Diedorf-Fischach – das hat sich mittlerweile geändert: Die Gruppe ist vor einiger Zeit auf Signal umgestiegen. "Der Hauptgrund war, dass manche Mitglieder die App nicht mehr auf ihren Diensthandys haben durften", erklärt Büching.

    Die App Threema nutzt er für die Kommunikation mit der ökumenischen Notfallseelsorge: "Das ist vorgegeben, da wir teilweise sehr sensible Informationen austauschen." Außerdem habe er vor einiger Zeit Telegram installiert. Auf dieser Plattform hätten ihn "obskure Verschwörungstheorien" erreicht. "In unserer Kirchengemeinde haben wir in Bezug auf Corona die absolute Bandbreite: Von Leuten, die Angst haben und sich isolieren, bis zu Menschen, die gar nicht an das Virus glauben", erklärt er und ergänzt: "Ich bin der Meinung, dass man im Gespräch bleiben muss. Ich finde es schlimm, dass heutzutage jeder in seiner eigenen Blase lebt." Der Pfarrer recherchiert häufig auf Faktencheck-Websites und reagiert mit Links auf die Verschwörungsnachrichten.

    Das Risiko sind die Backups bei WhatsApp

    Bernhard Hannemann, Jurist und Stadtrat für die Freien Wähler in Neusäß, zweifelt nicht an der Sicherheit der Chatinhalte bei WhatsApp. "Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung entspricht den höchsten Sicherheitsstandards", sagt er. Man könne die "Verifizierung in zwei Schritten" oder "selbstlöschende Nachrichten" nutzen. Problematisch werde es allerdings beim Erstellen von Backups, also Sicherungskopien der Chats: "Das erfolgt nach meiner Kenntnis auf Servern außerhalb der EU. Bei der Übermittlung an die Server findet keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung statt."

    Vor allem aufgrund der Backups sei WhatsApp "juristisch teilweise problematisch". Hannemann nutzt die App deshalb nur für Verabredungen und Familiengruppen. Geschäftlich greift er auf Alternativen wie Threema oder Signal zurück. Threema schätze er als europäischen Anbieter, der keine Datenspur hinterlasse, "zumal Gruppen und Kontaktlisten direkt auf unseren Smartphones verwaltet werden, nicht wie bei WhatsApp auf einem Server". Außerdem "ist Threema völlig anonym und funktioniert ohne Angabe einer Rufnummer oder E-Mail-Adresse, was manche Mandanten schätzen", erklärt der Jurist.

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