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Verkehrspolitik

26.11.2019

Streit über ICE-Trasse: Landrat droht der Stadt Augsburg

Die Tramlinie 5 und der ICE-Streckenausbau nach Ulm entzweit die Politiker in Stadt und Land.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv/Symbol)

Plus Martin Sailer nennt den neuerlichen Vorstoß für eine Trasse entlang der A8 nicht akzeptabel und bringt eine Retourkutsche ins Spiel. Es geht um die Straßenbahnlinie 5.

Im Streit über den Verlauf der künftigen ICE-Trasse zwischen Augsburg und Ulm wird der Ton zwischen Politikern aus der Großstadt und dem Landkreis Augsburg zunehmend rauer. Landrat Martin Sailer (CSU) reagierte am Montag äußerst verärgert über neuerliche Trassendiskussionen in der Stadt Augsburg und schickte eine deutliche Warnung in Richtung Augsburger Rathaus.

Wenn die Querschüsse nicht aufhörten, „dann diskutieren wir neu über die Linie 5“, sagte Sailer vor dem versammelten Kreistag. Der Landkreis könne für den Bau der Straßenbahnlinie, welche in Richtung Stadtbergen die Augsburger Stadtgrenze überschreiten soll, durchaus auch einen Tunnel fordern, gab Sailer zu verstehen. Müsste der gebaut werden, wäre das Straßenbahnprojekt zumindest deutlich teurer. Und womöglich würde es sich noch weiter verzögern.

Seit Jahren schon sind Politiker aus Stadt und Land in Sache ICE-Trasse über Kreuz. Vertreter der Stadt und der IHK bringen immer wieder einen Neubau einer Schnellbahnstrecke an der Autobahn A8 ins Spiel. Davon versprechen sie sich Fahrtzeitgewinne und die Sicherheit, dass Augsburg beim Fernverkehr nicht weiter abgehängt werde.

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Die Vertreter des Kreises dagegen pochen auf das, was im Bundesverkehrswegeplan steht: Ein Ausbau der bestehenden Strecke zwischen Augsburg und Dinkelscherben, demnach kann es bis Ulm einen Aus- und/oder Neubau geben. Diese Lösung hätte den Charme, dass die bestehende Bahnlinie zwischen Augsburg und Dinkelscherben damit auch für die Zwecke des Nahverkehrs ausgebaut würde, zudem ist diese Trasse bereits Fakt: Die Bahnstrecke verläuft hier seit gut 160 Jahren. Eine neue Trasse an der Autobahn, gegen die schon alle Anrainer-Gemeinden vehement protestiert haben, müsste dagegen erst mühsam durchgesetzt werden.

Augsburger Landrat Martin Sailer poltert gegen Parteifreund Volker Ullrich

Sailer attackierte am Montag seinen Parteifreund, den Augsburger CSU-Bundestagsabgeordneten Volker Ullrich, frontal und sagte mit Blick auf den Inhalt des Verkehrswegeplans: „Es ist erschreckend, wenn ein Politiker nicht weiß, was er beschlossen hat“. Allerdings sieht auch die Bahn in dem Verkehrswegeplan „keine Vorfestlegung für den Planungsprozess“. Am Dienstag beginnen bei Westheim die Vermessungsarbeiten für die Trassenfindung. Wo die neue Strecke dann langläuft, soll der Bundestag 2025 entscheiden. Über dieses schleppende Vorgehen haben sich Politiker aus dem Augsburger Land schon mehrfach beklagt. Den Chef der Bahn für das Projekt Augsburg-Ulm, Markus Baumann, bezeichnete Sailer am Montag als – so wörtlich – „Trassenverhinderungsplaner“. Es sei deshalb wichtig, weiter Druck auf die Bahn auszuüben.

Auf die Rückendeckung der anderen Fraktionen im 70-köpfigen Augsburger Kreistag kann sich der CSU-Politiker dabei verlassen. Das zeigten die Wortmeldungen der Fraktionschefs. Einhellig war die Meinung, dass eine Trasse entlang der Autobahn ein Irrweg sei, der nur das ganze Projekt gefährde. „Dann gibt es in 20 Jahren gar keine Strecke“, sagte Harald Güller, SPD. Er vermutet im Vorgehen der Bahn Methode. Sie wolle das Vorhaben verzögern, weil es für das Milliardenprojekt kein Geld gebe. Der Fraktionschef der Freien Wähler, Fabian Mehring, forderte, den Entscheidungsprozess zu beschleunigen. Es müsse gelingen, die Trassendiskussion schon 2020 oder 2021 zu beenden. Vielleicht müsse man auch erst einmal klären, was genau der Auftrag der Bahn sei, so Silvia Daßler (Grüne).

Der Streckenabschnitt Ulm-Augsburg ist ein Milliardenprojekt

Unumstritten ist derzeit nur, dass der rund 85 Kilometer lange Streckenabschnitt Ulm-Augsburg ausgebaut werden muss und dass es sich dabei um ein Milliardenprojekt handelt. Allerdings können, da die Planungen erst am Anfang stehen, weder Kosten, Verlauf noch ein Termin für den Baubeginn benannt werden. Ziel des Großprojektes ist, dass Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Ulm und Augsburg nur noch 27 Minuten brauchen.

Davon freilich ist man noch auf Jahre hinaus meilenweit entfernt. Auf der jetzt schon überlasteten Strecke sollen bald noch mehr Fernverkehrszüge fahren, und in erster Linie zu spüren bekommen werden dies tausende Pendler aus dem Augsburger Land. Ihnen drohen schon ab Mitte des kommenden Jahrzehnts deutliche Verschlechterungen bei den Regionalzügen.

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26.11.2019

>> Einhellig war die Meinung, dass eine Trasse entlang der Autobahn ein Irrweg sei, der nur das ganze Projekt gefährde. „Dann gibt es in 20 Jahren gar keine Strecke“, sagte Harald Güller <<

Herr Güller als Speerspitze einer exotischen Sichtweise in der Augsburger Kreispolitik. Eine 2-gleisige Neubaustrecke ist viel schneller zu realisieren, als der Abriss von 2 Altgleisen und der Bau von 3 neuen Gleisen bei laufendem Betrieb. Das hat auch schon der Projektleiter der Bahn emotionslos sachlich dargestellt. Die rasche Fertigstellung der Neubaustrecke Ulm-Wendlingen viele Jahre vor dem Bahnhofsumbau in Stuttgart ist dafür ein gutes Beispiel. Schneller ging der Umbau der Altstecke eigentlich nur mit einer vielleicht zweijährigen Kompletteinstellung des Verkehrs. Für den Autotunnel in Diedorf vielleicht noch mit einem Jahr extra dort.

>> Vielleicht müsse man auch erst einmal klären, was genau der Auftrag der Bahn sei, so Silvia Daßler (Grüne). <<

Wie wäre es mit Lesen Frau Daßler?

https://www.bvwp-projekte.de/schiene/2-041-v02/2-041-v02.html

>>Projektbegründung/Notwendigkeit des Projektes

Zwischen Ulm und Augsburg ist eine Reisezeitverkürzung für den Schienenpersonenfernverkehr vorgesehen. Gleichzeitig soll sowohl im Fern- wie auch im Nahverkehr das Bedienungsangebot verdichtet werden. Durch die zusätzlichen Kapazitäten bzw. die Entmischung der schnellen und der langsamen Verkehre steigt auch die Anbindungsqualität im Güterverkehr zwischen Stuttgart und München. <<

Entmischung bedeutet nichts anderes wie 2 Gleise für den Fernverkehr und 1 Gleis für den Nahverkehr in beide Richtungen. Die freien Trassen auf den Fernverkehrsgleisen bekommt noch der Güterverkehr.

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26.11.2019

Die Antwort gegen diesen ausgeflippten Landrat muss klar sein:

Schnellstmögliche Reduzierung der Bgm-Ackermann-Straße auf 2 Fahrspuren und Einrichtung von Busspuren!

Busspuren für einen schnellen und störungsfreien Busverkehr zur Uniklinik!

Und ein klares Signal an die Wähler von Herr Sailer, dass die Verhinderungspolitk ihres Landrates ein Ende haben muss. Erst fährt er die Reaktivierung der Staudenbahn fast an die Wand, dann will er Steuergelder für einen nicht leistungsfähigen 3-gleisigen Ausbau verschwenden und dann auch noch den Verkehr zur Uniklinik sabotieren.

3-gleisiger Ausbau bedeutet jahrzehntelange Bauzeit unter rollendem Rad!
3-gleisiger Ausbau bedeutet 2 Gleise abbauen und 3 neue Gleise bauen!
3-gleisiger Ausbau bedeutet 2 Gleise für den Fernverkehr und ein verspätungsanfälliges eingleisiges Nahverkehrsangebot bestenfalls auf heutigem Niveau.

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