Die Temperaturen steigen, die Pollen fliegen: Für viele gehört die Packung Taschentücher und das Nasenspray jetzt zum Alltag. Dabei beginnt die Saison immer früher und plagt viele Allergiker bereits im Februar und März. Daran schuld ist unter anderem der Klimawandel, berichten Experten.
Da die Temperaturen laut Jürgen Schmidt, Geschäftsführer von Wetterkontor - einem Dienstleister für Wetterdaten - ansteigen, sind wieder mehr Pollen im Umlauf. Auch könne Regen oder Gewitter starken Einfluss auf die Belastung haben. Denn am Anfang eines Regenschauers werden die Pollen, die zu dem Zeitpunkt in der Luft sind, in kleine Partikel zerteilt und können sich so noch besser in der Lunge und im ganzen Körper verteilen.
Lara Filser von der St.-Antonius-Apotheke in Stadtbergen sagt: „Es geht schon jetzt mit der Haselnuss los. Sie empfiehlt ihren Kundinnen und Kunden, vorsorglich einmal wöchentlich die Bettwäsche zu wechseln, um zu verhindern, dass sich die Pollen darauf ansammeln und nachts zu allergischen Reaktionen führen. „Gerade bei Frauen mit langen Haaren hilft es auch abends zu duschen, um die Pollen abzuwaschen“, rät sie. Damit die Pollen erst gar nicht in die Wohnung kommen, gäbe es mittlerweile Pollenfilter für die Fenster, erzählt Filser. „Die sehen aus wie Fliegengitter, nur dass sie die Pollen einigermaßen abhalten.“ Außerdem solle man möglichst in der Früh lüften und tagsüber das Fenster geschlossen halten, denn die Filter bieten keinen hundertprozentigen Schutz vor Pollen. „Wenn die lokale Behandlung und die Tabletten nicht mehr ausreichen und die Symptome merklich im Alltag stören, dann empfehlen wir zum Allergologen zu gehen“, sagt Filser.
Auch die Chefärztin und Professorin für Umweltmedizin am Universitätsklinikum Augsburg, Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, bestätigt, dass die Erwärmung und die Schadstoffe eine große Rolle bei der zunehmenden Allergiebelastung spielen. Die Expertin beschäftigt sich am Institut für Umweltmedizin und integrative Gesundheit seit Jahren mit den Zusammenhängen zwischen Klimawandel und Pollenallergie. Die zunehmende Hitze beispielsweise führt zu Trockenstress bei den Pflanzen, was die Pollenproduktion in der Regel erhöht. Zudem verändert sich die Beschaffenheit der Pollen selbst. Es gibt also eine größere Menge an Pollen in der Luft, die zudem meist stärkere allergische Reaktionen hervorruft.
Höhere Temperaturen und mildere Winter sind auch der Grund, warum der Pollenflug nicht mehr wirklich saisonal begrenzt ist. Lediglich im Dezember gebe es ein kleines Fenster, in dem keine Pollen fliegen, erzählt Traidl-Hoffmann. Danach fängt bereits die Hasel wieder an zu blühen. Dazu kommen auch noch völlig neue Pollen, wie die der Ambrosia. Menschen mit einer Beifußallergie reagieren zumeist auch auf die Pollen der Ambrosia. Bereits geringere Pollenkonzentrationen in der Luft können zu starken Reaktionen führen. Die Pollen sind sehr klein, werden so sehr tief in die Lunge eingeatmet und führen nicht selten zu Asthmaanfällen.
Für Allergiker empfiehlt die Professorin für Umweltmedizin dringend den Weg zum Arzt. So könne man durch gezielte Therapie, wie Hyposensibilisierung, Immuntherapie oder Medikamente deutliche Verbesserungen der Allergie erreichen und die Verschlimmerung hin zu allergischem Asthma vermeiden. „In den letzten Jahren hat sich viel getan“, betont Traidl-Hoffmann. Es gebe mittlerweile sehr gute Möglichkeiten, eine Allergie zu behandeln und oft sogar zu heilen. Es gibt bessere Medikamente und neue Methoden, die durch die Forschung in der letzten Zeit ermöglicht wurden.
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