Aichach-Friedberg: Diese Frau lebt trotz Endometriose weitgehend schmerzfrei
Aichach-Friedberg
Wie es Eva-Maria Dillitz schafft, trotz Endometriose weitgehend schmerzfrei zu leben
Viele Frauen leiden unter der Krankheit, die erst spät diagnostiziert wird. Heilung gibt es keine. Die Adelzhauserin schafft es aber, ohne Tabletten auszukommen.
Von undefined|27.03.25 - aktualisiert:
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Eva-Maria Dillitz (rechts) hat Endometriose. Mittlerweile lebt sie aber fast komplett schmerzfrei. Mit ihrer Zyklusberatung möchte sie anderen Frauen mit Endometriose helfen.Foto: Imke Carmen Rauhut/Annette Riedl, dpa (Symbolbild)
Als ihre Regelschmerzen als Jugendliche schlimmer werden, findet Eva-Maria Dillitz kaum Unterstützung. „Mir haben alle eingeredet, dass das normal sei. Meine Gynäkologen waren der Auffassung, dass es einfach ein Übel ist, mit dem man klarkommen muss“, erzählt die 26-Jährige. Mit 18 erhält Eva die Diagnose: Wie etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet auch sie unter Endometriose. Doch sie möchte die monatlichen Schmerzen nicht akzeptieren.
In einem Endometriosezentrum Dachau findet Eva Dillitz Hilfe
„Die Schmerzen waren so stark, dass sie mich im Alltag gehindert und mein Leben bestimmt haben. Selbst Schmerztabletten haben mir nicht geholfen“, erinnert sich Eva. „Mit der Zeit habe ich eine panische Angst vor der Periode entwickelt.“ Per Zufall liest sie in einer Zeitschrift über Endometriose. Doch als sie ihren Gynäkologen darauf anspricht, meint dieser, dass sie für so etwas zu jung sei. Statt sich auf ihren Arzt zu verlassen, sucht Eva ein Endometriosezentrum in Dachau auf.
Tees mit bestimmten Kräutern können bei Endometriose helfen, den Hormonhaushalt zu regulieren.Foto: Imke Carmen Rauhut
Dort findet sie endlich Hilfe. Mit einer Bauchspiegelung entdeckt man bei ihr einen Entzündungsherd. Dabei handelt es sich um ein der Gebärmutterschleimhaut ähnliches Gewebe, das sich außerhalb der Gebärmutter ansiedelt und zu Verklebungen an Organen führen kann. Zudem kann es zu Blutungen kommen, wodurch starke Schmerzen auftreten. Da Endometriose allerdings noch zu wenig erforscht ist, basiert vieles auf Vermutungen. Unklar ist auch, ob es sich um eine Autoimmunkrankheit handeln könnte.
Sarah Ritthammer arbeitet seit zehn Jahren als Osteopathin. In ihrer Praxis in Aichach behandelt sie Frauen, die unter Endometriose leiden. Zwar gibt es keine Heilung, doch man kann die Symptome behandeln. Diese seien vielseitig. „Es gibt Frauen, die unter chronischen Schmerzen leiden. Andere haben Darmbeschwerden oder Probleme beim Stuhlgang. Übelkeit, Kreislaufprobleme, Verdauungsbeschwerden oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können auch ein Hinweis sein“, erklärt Ritthammer.
Eva-Maria Dillitz hat Endometriose. Mittlerweile lebt sie aber fast komplett schmerzfrei. Mit ihrer Zyklusberatung möchte sie anderen Frauen mit Endometriose helfen.Foto: Imke Carmen Rauhut
Hilfe bei Endometriose
Starke Regelschmerzen können ein Hinweis auf Endometriose sein. Hier können sich Betroffene Hilfe holen:
Endometriose-Treff Augsburg Selbsthilfe-Gruppe 2. Dienstag im Monat ab 19 Uhr
Starke Regelschmerzen sind nicht normal
Das größte Problem sei die Tabuisierung des Themas. Auch deshalb ist im März „EndoMarch“-Zeit – der weltweite Awareness-Monat für Endometriose „Mit jüngeren Frauen kann man offener darüber reden. Bei älteren muss ich öfter nachhaken, auch weil vieles normalisiert wird. Regelschmerzen sind aber eben nicht normal.“ Noch heute sei die medizinische Forschung zu männerdominiert und Endometriose im Studium nur ein Randthema, meint Ritthammer. „Frauen werden oft nicht ernst genommen. Sie landen dann in der Notstation, aber niemand kann ihnen wirklich helfen.“
So ähnlich erging es auch Eva. Bei der Bauchspiegelung wurde der Entzündungsherd entfernt. Das hat ihre Schmerzen allerdings nicht gelindert. „Auch nach der OP hatte ich starke Krampfanfälle“, erzählt sie, „Einmal musste ich sogar den Notarzt rufen, weil ich dachte, dass ich sterbe.“ Die Sanitäter konnten mit Evas Endometriose aber nichts anfangen. „Als ich gesagt habe, dass ich eine Schmerztablette genommen habe, haben sie sich die Krämpfe damit erklärt. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass ich mir selbst helfen muss.“
Eine entzündungslindernde Ernährung kann bei Endometriose-Beschwerden helfen
Eva schließt eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin mit der Fachrichtung Heilpflanzenkunde und Weiterbildungen in Frauenheilkunde ab. Sie beginnt, ihre Ernährung und ihren Lebensstil umzustellen. „Anfangs habe ich strikt auf Weizen und Kuhmilch verzichtet. Dann habe ich Omega-3 und Kurkuma als Ergänzung genommen. Die wirken entzündungshemmend“, erklärt sie. Kräuter, wie Frauenmantel oder Schafgarbe können helfen, den Hormonhaushalt zu regulieren. Magnesium trägt zur Muskelentspannung bei und hilft, Krämpfe zu lösen.
Ingwer, Kurkuma, Rosenknospen und Schafgarbe können bei Endometriose-Beschwerden helfen.Foto: Imke Carmen Rauhut
Alternative Heilpraktiken wie Akupunktur und Osteopathie wirken komplementärmedizinisch, seien aber keine Alternative zur Schulmedizin, betont Ritthammer. „Ich denke, das ist der größte Hebel bei allen Erkrankungen: Dass man das Gefühl hat, dass man es selbst in der Hand hat. Deshalb versuche ich Frauen Werkzeuge mitzugeben, wie sie sich selber helfen können. Zum Beispiel durch Beckenbodenentspannungen, Atemübungen, Naturheilkunde oder Yoga.“
Psychologische Faktoren können zu Endometriose beitragen
Ebenso wichtig sei auch die psychologische Betreuung. Eva-Maria Dillitz und Sarah Ritthammer berichten, dass viele Frauen zu ihnen kommen, die Angst haben, durch die Endometriose unfruchtbar zu werden. Das sei allerdings ein Mythos. „Es gibt viele Frauen, die unfruchtbar sind und Endometriose haben. Aber nicht alle, die Endometriose haben, sind auch unfruchtbar“, erklärt Eva. Statt ihnen Angst zu machen, wollen die beiden Frauen ihre Patientinnen ermutigen.
Eva leistet mit ihrem Blog & Instagram-Account „Sunfoodstories“ Aufklärungsarbeit über Endometriose. Außerdem berät sie andere Frauen, die unter starken Regelschmerzen leiden. „Es war zwar ein langer Prozess, aber in den letzten drei Jahren hatte ich kaum noch Schmerzen. Mit meiner Zyklusberatung möchte ich diesen Prozess für andere Frauen verkürzen“, sagt Eva. Denn nur weil man als Frau geboren wurde, heiße das nicht, dass man jeden Monat unter Schmerzen leiden müsse.
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