Am Freitagabend wurde in Westendorf gefeiert – und zwar (thematisch passend) direkt auf der Schulstraße. Geladen hatte die Gemeinde zur offiziellen Einweihung der neuen Straße, die – grob umrissen – zwischen Juni 2024 und Juni 2025 neu gebaut wurde. Der Einladung gefolgt waren die Mitglieder des Gemeinderats, des Bauhofs, des Zweckverbands zur Wasserversorgung der Schmuttergruppe sowie Vertreter und Vertreterinnen der Baufirma Strabag, des Ingenieurbüros Steinbacher Consult, der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Nordendorf und der Grundschule Westendorf. Für den musikalischen Rahmen sorgte der Musikverein Westendorf und Umgebung.
Der Rathauschef begann seine Ansprache mit einem Dank. Ein Dankeschön richtete er an die direkten Anlieger, die durch die Baumaßnahme am meisten belastet wurden, und platzierte diese Anekdoten in seiner Rede: Gummistiefel haben sich einige anschaffen müssen oder zumindest Baustellenschuhe seien ratsam gewesen. Die Stimmung auf der Baustelle sei dennoch – mitunter auch wegen des Auftretens des Strabag-Teams – gut gewesen; stellenweise wurde sogar Kaffee und Kuchen von den Anwohnern an die Bauarbeiter ausgegeben. Um die Postzustellung zu ermöglichen, machte Richter selbst die Erfahrung als Paketbote. Michaela Leinweber, die Rektorin der Grundschule, habe während der Bauzeit als Streitschlichterin agieren müssen.
Die ersten Gespräche zur Schulstraße gab es schon vor neun Jahren
Für überraschte Gesichter sorgte Richters Rede, als er seine Schulstraßen-Zeitreise einläutete, die bereits vor neun Jahren begonnen hat. Damals wurde eine Straßenzustandsuntersuchung initiiert, die deutlich machte, dass die Schulstraße und die Nordendorfer Straße in einem schlechten Zustand sind. Als Kompensationsleistung für die Straßenausbaubeiträge, die nun nicht mehr erhoben werden dürfen, gab es bisher 17.500 Euro im Jahr, heuer seien es sogar 23.000 Euro gewesen, berichtete Richter und schloss diese Hochrechnung an: Kleinere Steigerungen berücksichtigt hätte die Gemeinde gut 40 Jahre lang diese Kompensationspauschale ansparen müssen, um die Schulstraße zu refinanzieren.
Denn das Bauvolumen lag bei 1,9 Millionen Euro, davon entfallen etwa 800.000 Euro allein auf den Straßenbau. Der Differenzbetrag floss mitunter in den Tiefbau. Und auch hier gab es eine Überraschung: Während der Bauzeit kam die Auflage, einen Regenwasserkanal zu errichten, was vor der eigentlichen Straßenbaumaßnahme zu erfolgen hatte. Zu einer weiteren Verzögerung, die sich letztlich jedoch gelohnt habe, kam es, als VG-Geschäftsstellenleiter Marco Schopper einen Fördertopf aufgetan hat. Von der Regierung von Schwaben, deren Vertreter Niklas Blachnik sich für die Einweihungsfeier entschuldigen ließ, gab es eine Förderung von gut 500.000 Euro für die Baumaßnahme.
Das Hochwasser 2024 hat auch die Baustelle an der Schulstraße getroffen
Herausforderungen gab es auch während der Bauzeit, als nach der Hochwasser-Katastrophe im Juni 2024 die Tiefbaumaßnahme aufgrund des hohen Grundwasserspiegels in Gefahr war. Der Kreisverkehr – eben dort, wo die Redner zur Eröffnung standen – sorgt für Diskussionsbedarf: „Wir haben ihn und er ist gut so“, erklärte Richter und erinnerte an die vormals unübersichtliche Straßenführung an der Fünferkreuzung. Der Baum, der sich derzeit mitten auf dem Kreisverkehr befindet, ist nicht nur das Resultat der Baumpflanz-Challenge 2025, sondern auch eine Hilfestellung für all jene, die nicht wissen, wie ein Kreisverkehr richtig zu befahren ist.
Ein Jahr danach: Das Hochwasser 2024 in Schwaben in Bildern
Nachdem Richter so viele Geschichten aus der Bauzeit ausgepackt hatte, blieb Christian Standl vom Ingenieurbüro Steinbacher nur noch wenig zu ergänzen. Er erinnerte in seiner Ansprache noch an die Bürgerbeteiligung, die – während der Corona-Pandemie – erstmals online durchgeführt werden musste. CSU-Landtagsabgeordneter Manuell Knoll erkannte Richters unverblümte Aufforderungen – die Themen Bürokratieabbau und finanzielle Unterstützung beim Straßenbau mit in die bayerische Regierung zu tragen – an und wünschte eine sichere und unfallfreie Fahrt. Nachdem Pfarrer Norman D´Souza, der Leiter der Pfarreiengemeinschaft Nordendorf-Westendorf einige Worte an die Gäste richtete, segnete er die Straße. Zum gemütlichen Teil gab es Speis und Trank eben dort, wo zur Bauzeit noch die Baustellenzentrale stand, und den Aufruf des Rathauschefs für die mukis, den Förderverein der Klinik für Kinder und Jugendlische, Schwäbisches Mutter-Kind-Zentrum Augsburg zu spenden. 293 Euro sind an Spenden zusammengekommen, die Gemeinde wird ihrerseits diesen Betrag auf 500 Euro aufrunden.
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