Wie schafft man es, im Bereich der krisengeschüttelten Baubranche unter den Top drei in Bayern und den Top Ten in Deutschland zu bleiben und die stabile Zukunft eines Familienunternehmens und von 170 Mitarbeitenden zu sichern? Ganz klar, mit innovativen und kundenorientierten Lösungen, sagt Ludwig Schwarz. Der 30-Jährige ist in vierter Generation Geschäftsführer der Söll Gerüstbau GmbH mit Sitz im Neusässer Stadtteil Täfertingen. Er sieht sein Unternehmen als kompetenten Lösungsanbieter für seine Kunden, die zu zwei Dritteln aus kommunalen Auftraggebern bestehen. Und doch ist das nur die eine Säule des Erfolgs. Wichtig ist auch etwas ganz anderes.
Wer mit Ludwig Schwarz und der kaufmännischen Leiterin des Unternehmens, Angelika Gehlert, spricht, hört schnell, worum es dem Familienunternehmen zudem geht. Genannt werden soziale Projekte mit dem Bunten Kreis und der Caritas. Dann fallen Stichworte wie Nachhaltigkeit in der teilweise schon elektrifizierten Firmenflotte, Arbeitssicherheit, die Sorge um die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden, Suchtprävention und weiterem sozialen Engagement, bei dem Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund schon einmal beim Gang zu Ämtern geholfen oder Kontakt zu einem möglichen Vermieter aufgenommen wird. Sogar Darlehen für Mitarbeiter in schwierigen Situationen gab es schon.
Mitarbeitern mit Migrationshintergrund wird bei der Anmietung von Wohnungen geholfen
Für die Geschäftsführung ist all das kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um „das Handwerk zurück in die Mitte der Gesellschaft zu holen“, so Ludwig Schwarz. „Jahrelang hat vor allem die Bauindustrie versucht, ihre Mitarbeiter von weit her zu holen. Aber die Dinge haben sich geändert. Auch in Südosteuropa sind die Löhne inzwischen so weit gestiegen, dass es für viele dort nicht mehr interessant ist, nach Deutschland zu kommen.“ Deshalb gehe sein Unternehmen bewusst einen anderen Weg. „Wir suchen nur in der Region“, sagt Angelika Gehlert. Denn: „Wir können es uns nicht leisten, die Menschen, die schon hier sind, nicht zu integrieren“, sagt Ludwig Schwarz.
Er berichtet von Mitarbeitern, die beispielsweise aus Polen stammen und seit vielen Jahren dem Unternehmen treu sind, die inzwischen sogar ihre Familien nachgeholt haben. „Wenn man dann sieht, wie diese Kinder in der Schule ihre eigenen Erfolgskarrieren starten, dann macht das richtig Spaß“, sagt der Firmenchef. Ähnliches gelte für Mitarbeiter, die 2015 mit den damals großen Flüchtlingsströmen aus dem Nahen Osten angekommen sind oder in den Jahren danach. Angelika Gehlert erzählt von Fällen, bei denen man Mitarbeitern beim Auszug aus Flüchtlingsunterkünften geholfen habe, etwa durch frühzeitigen Kontakt zu potenziellen Vermietern. „Oft sinken die Chancen auf eine Wohnung schon mit einem ausländisch klingenden Namen.“ Da könne eine Vermittlung durch den Arbeitgeber dann helfen.
Aktuell hilft Söll Gerüstbau beim der Sanierung des Klosters Benediktbeuren
Doch das sei freilich nur die eine Säule, um in der Baubranche auch in diesen Jahren erfolgreich zu sein. Dass Ludwig Schwarz das damals noch von seinem Vater geführte Unternehmen tatsächlich übernehmen wollte, sei dem Bauingenieur erst nach dem Studium klar geworden. 2021 stieg er ein, ein Jahr später wurde er Geschäftsführer. „Einen Generationswechsel müssen beide Generationen wollen. Bei uns war das so. Der Weg hat für uns einfach gepasst“, sagt er. Nach herausfordernden Jahren stehe das Unternehmen jetzt als eines der größten der Branche mit einem vergrößerten Mitarbeiterstamm und deutlich höheren Umsatzzahlen als zuvor gut da. Ein Vorteil: Das Geschäftsfeld ist nicht allein der Neubau, sondern auch komplexe Aufgaben wie die Sanierung von Kirchen oder kommunalen Großbauten, von Kindergärten bis Universitäten oder auch Krankenhäusern, wie aktuell das Kloster Benediktbeuern oder die Kongresshalle in Nürnberg.
Die Erfolge sollen nun zum 80-jährigen Bestehen des Unternehmens, das bereits kurz nach dem Krieg in Jettingen gegründet wurde und seit 1951 in Neusäß zu Hause ist, gefeiert werden. Nach einem internen Festabend am Freitag gibt es am Samstag, 20. September, ab 11 Uhr einen Familien-Festtag auf dem Firmengelände von Söll Gerüstbau am Trentiner Ring in Täfertingen. „Wir sehen die Region und die Familien in der Region als besonders wichtig für uns an, auch jene, die bislang noch gar nichts mit uns zu tun haben“, erklärt Ludwig Schwarz. Unter anderem mit VR-Brillen kann erlebt werden, wie es sich anfühlt, auf einem Gerüst zu arbeiten. Zudem werden Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Branche erklärt. Infos dazu gibt es im Internet unter www.soell.de. Am Abend steigt dann die große „highlevel“ Party mit Techno und Trance für alle, die Lust auf elektronische Musik und ausgelassene Stimmung haben - so wie er selbst, sagt der 30-jährige Firmenchef. Infos und Tickets dafür gibt es auf www.highlevel-rave.de.
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