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Augsburg

27.01.2021

300 Unternehmer aus Augsburg schlagen wegen der Lockdown-Folgen Alarm

Der Handel hat Probleme, aber auch viele andere Firmen leiden unter dem Corona-Lockdown. Eine Initiative von rund 300 Unternehmern im Raum Augsburg sieht die Maßnahmen kritisch.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Eine Initiative mit über 300 Unternehmern aus der Region kritisiert die Corona-Maßnahmen. Ein erster Kontaktversuch mit der Politik scheiterte.

Es ging im kleineren Kreis los. Einige Unternehmer aus der Region Augsburg kamen schon im Herbst miteinander in Kontakt, weil sie die Corona-Politik kritisch sehen. Die Gruppe, die sich „Unternehmerkreis Zukunft in Not“ nennt, ging nicht gleich an die Öffentlichkeit, kommunizierte zuerst intern. Das hat sich nun geändert: Es gibt jetzt zwei Sprecher und eine öffentlich einsehbare Liste von Unterstützern. Diese Liste ist lang und es stehen viele in der Region bekannte Namen darauf – etwa die Chefs von Hotels, Gaststätten, Autohäusern, Handelsgeschäften, Handwerksbetrieben und von mittelständischen Firmen. Auch Ärzte und Anwälte sind dabei. Eigenen Angaben zufolge besteht das Bündnis aus über 300 Unternehmern. Der Gesamtumsatz dieser Firmen liege bei knapp einer Milliarde Euro im Jahr, sie hätten zusammen rund 5000 Mitarbeiter.

Die Bündnis der Unternehmer ist breit gestreut, sie kommen aus Augsburg, aber auch aus dem Umland. Was sie eint ist, dass sie den Lockdown und die Maßnahmen zur Bekämpfung von Bund und Land kritisch sehen. Sie fürchten massive wirtschaftliche Folgen. In einem Positionspapier heißt es: „Eine kaum zu durchbrechende Abwärtsspirale für unsere hiesige wirtschaftliche Zukunft ist bereits in Gang gesetzt.“ Es sei „dringend nötig“, das kommunale Krisenmanagement in Wirtschaftsbelangen zu hinterfragen. Weiter steht im Papier: „In den letzten Monaten bemerken wir in unseren Unternehmerkreisen zunehmendes Unverständnis bezüglich der Krisenmaßnahmen und den teilweise nicht mehr nachvollziehbaren Entscheidungen. Die seit März 2020 andauernden und nicht abschätzbaren Maßnahmen zu Lasten unserer Betriebe führen nicht nur zu hohen wirtschaftlichen Schäden.“ Man sehe eine „besorgniserregende Verängstigung“ bei Mitarbeitern und eine Zunahme psychischer Erkrankungen.

Augsburger Unternehmer sehen viele Arbeitsplätze in Gefahr

Ein Sprecher des Bündnisses ist Husain Mahmoud, Chef eines Versicherungsbüros und früherer Vorsitzender des Integrationsbeirats. In einer Pressemitteilung schreibt das Bündnis, viele Unternehmer stünden derzeit wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Deshalb seien auch viele Arbeitsplätze in Gefahr. Sie schildern, dass sie bisher kein Gespräch mit der Augsburger Oberbürgermeisterin und den Landräten von Augsburg und Aichach-Friedberg führen konnten. In der Pressemitteilung heißt es: „Von Seiten Herrn Sailer wurde ausgerichtet, dass kein Interesse daran besteht. Herr Metzger ließ ausrichten, dass er mit einem nicht personifizierten Unternehmerkreis kein Gespräch führen möchte. Frau Weber reagierte gar nicht.“ Man gehe deshalb nun an die Öffentlichkeit. „Wegen der ungewissen Zukunft müssen gemeinsam mit der kommunalen Politik Lösungen und Ziele für den Standort und die Stadtgesellschaft erarbeitet werden.“

 

Bei der Stadt heißt es, man habe am Tag vor Heiligabend eine Gesprächseinladung erhalten, ebenso die Kreise Augsburg und Aichach-Friedberg. Es sei aber nicht daraus hervorgegangen, wer hinter dem Unternehmerkreis stehe. Auch auf Rückfrage habe sich der Absender bedeckt gehalten und seine Identität oder weitere Beteiligte des Unternehmerkreises zunächst nicht bekannt geben wollen. Nachdem es nun Ansprechpartner gibt, könnte es aber doch noch klappen. Ein Sprecher der Stadt teilt auf Anfrage unserer Redaktion mit: „Die Oberbürgermeisterin und die Landräte stehen einem gemeinsamen Gespräch mit dem Unternehmerkreis offen gegenüber.“

Corona in Augsburg: Warum ein Buchhändler einen Weg aus dem Lockdown fordert

Auf der Unterstützerliste von „Zukunft in Not“ steht unter anderem der im Kulturleben der Stadt engagierte Buchhändler Kurt Idrizovic. Es sagt, er sei dafür, dass sich Unternehmer zusammenschließen, um auf ihre schwierige Lage aufmerksam zu machen. Man brauche eine Strategie, wie man aus dem Lockdown rauskomme. Händler und Gastronomen etwa hätten viel in Hygiene investiert und gute Konzepte erarbeitet. Deshalb müssten sie eine Chance haben, öffnen zu dürfen. Zumal nicht feststehe, wo die Ansteckungen hauptsächlich geschehen seien. Auf dieses Basis alles zu schließen, sei falsch. Idrizovic sagt, er habe bisher nur einen losen Kontakt zu dem neuen Bündnis gehabt, finde die grundsätzliche Idee aber gut.

Buchhändler Kurt Idrizovic sagt, man brauche eine Strategie, wie man aus dem Lockdown rauskomme.
Foto: Diana Zapf-Deniz (Archivfoto)

Theodor Gandenheimer vom Hotel Maximilian’s (ehemals Drei Mohren) steht auch auf der Unterstützerliste. Er sagt: „Uns steht das Wasser bis zum Hals.“ Er betont, er wolle das Virus nicht „negieren“. Er sagt aber auch: „Wir müssen es schaffen, irgendwie mit dem Virus zu leben. Sonst kommen wir von einem Lockdown in den nächsten.“ Auch er bedauert, dass die Hygienekonzepte nun scheinbar nicht mehr zählen. „Bei uns sind alle Kontakte nachzuvollziehen, die Nachverfolgung ist gewährleistet.“ Es müsse eine Öffnungsperspektive geben. „Wir müssen wieder Leben zu lassen“, ist der Direktor von Augsburgs Traditionshotel überzeugt.

Ein weiteres Mitglied des Kreises ist Thomas Zeitz, Geschäftsführer der Werbeagentur „Toneart“. Er verwaltet auch die Facebook-Seite der Initiative. Zeitz sagt, er sei gebeten worden, mitzumachen, und teile die Ziele der Gruppe. Es gehe darum, „weiter zu wachsen, um von der Politik gehört zu werden“. Viele Unternehmen und Selbstständige im Raum Augsburg seien aufgrund der Corona-Maßnahmen in einer Notsituation, es drohe eine Insolvenzwelle. Er selbst und sein Unternehmen gehörten nicht dazu, sagt Zeitz. Man habe den Umsatz im Corona-Jahr 2020 sogar steigern können. Es gehe ihm um Solidarität – und um die Zukunft. „Natürlich ist die Situation auch für mich langfristig ein Risiko, wenn meine mittelständischen Kunden wegbrechen“, sagt er.

Von den versprochenen finanziellen Hilfen seien noch viel zu wenige an die Firmen und Selbstständigen ausgezahlt worden. Er kenne kein einziges Mitglied des Kreises, bei dem die Hilfe komplett angekommen ist. Auf diese Situation wolle man aufmerksam machen. Es gehe „um die ein oder andere überzogene Maßnahme“, aber man trete gemäßigt auf. „Wir leugnen nicht die Pandemie.“

"Unternehmerkreis Zukunft in Not": Die Gruppe kennt sich noch nicht lange

Andererseits lässt es sich bei etwa 300 Unternehmern, die als Mitglieder firmieren, auch nicht verhindern, dass einige von ihnen fragwürdige Inhalte verbreiten. So steht etwa im Impressum der Internetseite ein Mann, der auf seiner privaten Facebook-Seite viele Beiträge von verschwörungstheoretischen und rechtspopulistischen Seiten teilt, unter anderem zur US-Wahl. Äußern möchte er sich gegenüber unserer Redaktion nicht und verweist, wie andere Unterstützer der Gruppe, auf die Sprecher des Unternehmerkreises.

Sprecher Husain Mahmoud erklärt, die Mitglieder der Gruppe verbinde das Unternehmertum und die Absicht, den Standort nachhaltig zu sichern. Er sagt auch: „Die meisten kennen sich erst seit zwei Monaten.“ Was vereinzelte Mitglieder in ihrem Privatleben tun, habe man in dieser kurzen Zeit und bei der Anzahl der Mitglieder nicht nachvollziehen können. Ein anderer Unternehmer, der auf der Mitgliederliste der Initiative steht, sagt, er sei zunächst in der Messenger-App „Telegram“ in eine Gruppe eingeladen worden, in der sich die Unternehmer zusammengeschlossen haben. Er unterstütze die Initiative und deren Mitstreiter, so der Mann. Manche anfänglichen Mitglieder seien wegen verschiedener Formulierungen in den sozialen Netzwerken inzwischen nicht mehr dabei.

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