Dass die CSU-Spitzenleute Bernd Kränzle und Rolf von Hohenhau mit ihrem Vorgehen gegen die Leserbriefschreiberin Johanna Holm für Unruhe in der Partei gesorgt haben, wird aus führenden Parteikreisen bestätigt. Jetzt kommt Bewegung in die Angelegenheit, die für die CSU reichlich Flurschaden angerichtet hat. Zumindest Kränzle reicht symbolisch Johanna Holm die Hand. Er werde nicht weiter juristisch gegen sie vorgehen, sagt er.
Oberbürgermeister Kurt Gribl sagte gestern auf Anfrage, es sei „ein Fehler gewesen, den Konflikt nicht durch ein Gespräch bereinigt zu haben“. Er erwarte, dass die Sache in Ordnung gebracht werde. Die CSU stehe für das Recht auf freie Meinungsäußerung, so Gribl.
Bernd Kränzle signalisiert Gesprächsbereitschaft
Landtagsabgeordneter Kränzle signalisierte gestern Abend in einer persönlichen Erklärung Gesprächsbereitschaft, um mit Johanna Holm über die Angelegenheit zu sprechen. Deutlich machte Kränzle, dass „ich von einem klarstellenden Leserbrief und einer Unterlassungserklärung durch Frau Holm Abstand nehme“.
Im anwaltschaftlichen Schreiben an Frau Holm hatte dies noch anders geklungen. Kränzle erklärt seine Kehrtwende so: „Mittlerweile ziehe ich die Schlussfolgerung, dass Frau Holm ihre aus vielen Zeitungskommentaren gebildete, ganz persönliche Meinung wiedergegeben hat.“ Dagegen sei nichts einzuwenden: „Ich will keineswegs, dass bei Frau Holm der Eindruck entsteht, ich wolle sie einschüchtern.“
Johanna Holm erhält viel Zuspruch
Johanna Holm, die 68-jährige Leserbriefschreiberin, berichtete gestern, dass sie seit Samstag viel Zuspruch für ihr Vorgehen erhalten habe: „Ich bleibe standhaft und stehe zu meinen Aussagen.“ Besonders einprägend sei am Samstag ein Erlebnis im Biergarten einer Wellenburger Gaststätte gewesen, zu dem sie mit dem Rad geradelt war: „Die Leute am Nachbartisch sagten zu mir, Sie sind doch die Frau aus der AZ. Wir stehen zu Ihnen.“
Aus juristischer Sicht steht der Augsburger Anwalt Andreas Kohn hinter seiner Mandantin. Er ist von seiner Schweigepflicht entbunden und ging auch auf den Umstand ein, dass CSU-Bezirksvorsitzender Johannes Hintersberger am Wochenende geäußert hatte, dass er kein persönliches Gespräch mit Johanna Holm geführt habe. Dazu sagte Kohn: „Vorab möchten wir betonen, dass wir diesen Punkt als absoluten Nebenkriegsschauplatz betrachten.“ Die CSU in Augsburg und die freie Meinung
In der Sache gehe es zunächst darum, welche Rolle Kränzle mit Hintersberger und von Hohenhau bei der Aufstellung des Bundestagskandidaten Volker Ullrich gespielt hätten. Kohn: „Das Gespräch unserer Mandantin mit Herrn Hintersberger kann nicht der direkte Beweis dieser Vorgänge sein. In der Sache steht unsere Mandantin auch heute noch voll und ganz zu dieser Aussage. Das Gespräch hat stattgefunden und es hat auch mit dem behaupteten Inhalt stattgefunden.“
Das Gespräch fand im Jahr 2011 beim Auftritt des damaligen Finanzministers Georg Fahrenschon in Augsburg statt. Es war zum Zeitpunkt, als klar war, dass Hintersberger den scheidenden Bezirkschef Ruck beerbt. Dabei soll es dann auch im Gespräch um die weitere politische Zukunft von Ruck gegangen sein.