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Augsburg: Friseure geschlossen: Verzweifelte Rentnerin beschwert sich beim Ministerium

Augsburg

Friseure geschlossen: Verzweifelte Rentnerin beschwert sich beim Ministerium

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    Helga Berghammer aus Augsburg leidet unter der Schließung der Friseure. Aus gesundheitlichen Gründen kann sie sich selbst die Haare nicht waschen, sagt sie.
    Helga Berghammer aus Augsburg leidet unter der Schließung der Friseure. Aus gesundheitlichen Gründen kann sie sich selbst die Haare nicht waschen, sagt sie. Foto: Silvio Wyszengrad

    Auf ihrem Kopf juckt es und sie fühlt sich nicht mehr wohl in ihrer Haut. Seit über sechs Wochen wurden Helga Berghammers Haare nicht gewaschen. Sie ist ziemlich sauer, dass die Friseure wegen der Corona-Pandemie immer noch geschlossen haben müssen. Die Rentnerin hat sich bereits per E-Mail beim Bayerischen Gesundheitsministerium darüber beschwert. Berghammers Haare müssten dringend wieder gewaschen und gelegt werden. Denn die 72-Jährige ist selbst dazu nicht in der Lage, wie sie erzählt. Aus lauter Frust wandte sie sich nun an unsere Redaktion.

    Warum eine 72-Jährige eigentlich wöchentlich zum Friseur geht

    Seit einem folgenschweren Sturz beim Aussteigen aus einer Straßenbahn vor rund vier Jahren hat Helga Berghammer im linken Arm ein künstliches Schultergelenk. Den Arm kann sie nur noch sehr eingeschränkt bewegen. Wie die Stadtbergerin erzählt, kann sie sich seit dem Unfall nicht mehr selbst die Haare waschen. Seit Jahren also besucht sie wöchentlich ihre Friseurin. Auf dem Programm stehen dann Waschen, das Haar mit Lockenwicklern legen lassen und zum Schluss toupieren. Stattdessen hängen nun ihre Haare platt und traurig herunter.

    Mit Hilfe eines Stielkamms trage sie sich inzwischen cortisonhaltige Creme auf den Kopf auf, um den Juckreiz zu lindern. Die alleinstehende Frau fordert von der Politik eine Lösung - gerade für Menschen, die die Haarpflege selbst nicht mehr erledigen können. "Es ist eine Zumutung", schimpft sie und wird wütender, wenn sie an die Antworten denkt, die sie vom Gesundheitsministerium auf ihre Anfragen erhalten hat.

    Die Augsburgerin hat sich vom Ministerium eine Lösung erhofft

    "Wir haben Verständnis dafür, dass Sie die Schließung der Friseursalons als sehr belastend empfinden und können versichern, dass die Notwendigkeit der Maßnahme in regelmäßigen Abständen überprüft wird", heißt es unter anderem in ersten Antwortschreiben des Ministeriums an die Frau. Berghammer wird um "noch ein wenig Geduld" gebeten. Die ist bei der Rentnerin, was ihre Haare anbelangt, längst aufgebraucht. Erneut wendet sich die Rentnerin ans Ministerium, fragt, ob es denn für Sonderfälle keine Möglichkeiten gibt.

    Ausnahmetatbestände für Friseurbesuche seien leider nicht vorgesehen, steht in der weiteren Antwort des Ministeriums - mit der Betonung, dass ihre Meinung dem Ministerium "allerdings äußerst wichtig" sei. "Wir legen großen Wert darauf, zu erfahren, welche Fragen die Menschen bewegen und wie die Stimmungslage ist." Alle Zuschriften würden sorgfältig gelesen und ausgewertet und so in Entscheidungsprozesse mit einfließen. Bei Helga Berghammer jedenfalls ist die Stimmung mit der Antwort nicht besser geworden.

    "Damit ist mein Problem nicht gelöst." Eine Hilfestellung habe sie sich erhofft. "Ich gehe ja nicht aus Jux und Tollerei zum Friseur. Medizinische Fußpflege ist doch auch erlaubt", empört sie sich. Die 72-Jährige glaubt, dass sie mit diesem Problem nicht alleine ist. Das kann Matteo Leggio, Obermeister der Friseur- und Kosmetikinnung Augsburg, bestätigen.

    Ältere Kunden würden am Telefon in Tränen ausbrechen

    "Es gibt viele alte Menschen, die Probleme haben, sich selbst die Haare zu machen. Für sie sind die geschlossenen Friseure eine Katastrophe." Diese Klientel sei fertig mit den Nerven. Leggio hat auch schon erlebt, dass manche Kunden am Telefon in Tränen ausbrachen. "Für die Psyche vieler Menschen ist es wichtig, dass ihre Haare gepflegt aussehen." Wenn jemand gesundheitliche Probleme, wie etwa Haarausfall bekomme, rät Leggio, das Gesundheitsamt zu kontaktieren. Auch wenn seine Erfahrung sei, dort telefonisch nur schwer durchzukommen. Verzweifelte Friseure auf der einen, genervte Kunden auf der anderen Seite - Leggio hofft, dass die Betriebe Mitte Februar wieder öffnen dürfen. Das hofft auch Helga Berghammer. "Alles andere wäre eine Katastrophe."

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