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Augsburg: Nach dem Großeinsatz: Was mit der Lechhauser Fliegerbombe geschah

Augsburg

Nach dem Großeinsatz: Was mit der Lechhauser Fliegerbombe geschah

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    An dieser Stelle im Lechhauser Industriegebiet befand sich die Bombe.
    An dieser Stelle im Lechhauser Industriegebiet befand sich die Bombe. Foto: Silvio Wyszengrad

    Mit 500 Kilogramm ist es eine „recht große Bombe“ gewesen, die ein Bagger am Dienstagabend in Lechhausen bei Bauarbeiten freigelegt hatte. Das sagt Polizeisprecher Michael Jakob am Tag nach dem Einsatz und erklärt, dass man gemessen daran Glück gehabt habe: Die amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg lag am Rande eines Industriegebietes. Es sei alles nach Plan gelaufen, von der Evakuierung und Entschärfung bis zum Abtransport.

    Sprengmeister entschärfen Bombe in Augsburg noch am Abend

    Sprengmeister Roger Flakowski und Torsten Thienert entschärften die Augsburger Fliegerbombe.
    Sprengmeister Roger Flakowski und Torsten Thienert entschärften die Augsburger Fliegerbombe. Foto: Berufsfeuerwehr Augsburg

    Nachmittags um 15.45 Uhr wurde der Blindgänger entdeckt, von dem zunächst nur ein Teilbereich zu erkennen war. Ein verdächtiger Gegenstand, angerostet und verdreckt, sagt Jakob. In so einem Fall schauten sich Spezialisten das dann genauer an und erst, wenn der Sprengmeister entscheidet, die Bombe zu entschärfen, werde damit an die Öffentlichkeit gegangen. Da laut Polizei nicht auszuschließen war, dass einer der beiden Zünder bei den Bauarbeiten beschädigt worden war, entschieden sich die beiden Sprengmeister Roger Flakowski und Torsten Thienert für eine Entschärfung noch am Abend.

    Daraufhin wurden alle Gebäude in einem Radius von 500 Metern um den Fundort an der Pöttmeser Straße geräumt. Gemeldet sind dort lediglich 130 Anwohner, sodass sich auch nur wenige in der kurzfristig eingerichteten Sammelstelle bei der DJK Lechhausen einfanden. Gegen 22.15 Uhr war die Evakuierung abgeschlossen, gegen 22.45 Uhr die Bombe entschärft.

    Großeinsatz in Augsburg: Bombe wurde mit einer Säge zerlegt

    Die Zünder seien entfernt und die Bombe abtransportiert worden, sagt Polizeisprecher Jakob. Das übernahm der Kampfmittelräumdienst Tauber, der Stützpunkte in ganz Deutschland hat. Die Bombe sei an einem sicheren Ort mit einer speziellen Säge zerlegt worden, informiert Andreas Heil, Betriebsleiter der Firma Tauber in Bayern. Wo genau, sagt er nicht, damit keine „Touristen“ kommen. Der Sprengstoff werde herausgenommen und in Brennöfen vernichtet, der Stahl als Altmaterial wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt.

    Stichwort: Luftangriffe, Fliegerbomben, Blindgänger

    Immer wieder wurden im Zweiten Weltkrieg deutsche Städte von Flugzeugen der Allierten bombardiert. Dabei kamen verschiedene Fliegerbomben zum Einsatz - die zum Teil immer noch als Blindgänger im Boden liegen.

    Wissenschaftler gehen davon aus, dass den Fliegerangriffen auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg zwischen 300.000 und 600.000 Menschen zum Opfer fielen.

    Sprengbomben explodierten in der Regel beim Aufschlag am Boden oder durch einen Zeitzünder etwas später. Ihr Ziel war vor allem die Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur.

    Splitterbomben wurden gegen sogenannte weiche Ziele eingesetzt, also Menschen und ungepanzerte Fahrzeuge. Ihre Sprengkraft war geringer, durch die Splitterwirkung allerdings waren sie nicht minder tödlich.

    Luftminen besaßen einen besonders hohen Sprengstoffanteil und damit eine besonders hohe Sprengkraft. Sie sollten Häuser abdecken, damit anschließend Brandbomben die Häuser entzünden können.

    Brandbomben oder Stabbrandbomben hatten die Aufgabe, Häuser zu entzünden. Durch sie entstanden die berüchtigten Feuerstürme, in denen zehntausende Menschen - etwa in Hamburg und Dresden - den Tod fanden.

    "Christbäume" wurden zynisch die Leuchtmittel genannt, die von Flugzeugen an Fallschirmen abgeworfen wurden, um den nachfolgenden Bombern die Einsatzziele zu markieren.

    Die Stadt Augsburg wurde zwischen 1940 und 1944 mehrfach zum Ziel von Luftangriffen. Dabei starben insgesamt 730 Menschen.

    Experten gehen davon aus, dass 10 bis 20 Prozent der im Krieg abgeworfenen Bomben Blindgänger waren, also nicht explodierten.

    Die Entschärfung von Blindgängern ist durchaus gefährlich. Auch Tote waren dabei schon zu beklagen. Besonders gefährlich sind dabei Bomben mit Langzeitzündern, da die Säurezünder kaum berechenbar sind.

    Fliegerbombe in Augsburg: Oberbürgermeister dankt Einsatzkräften

    Im Einsatz waren nach Angaben der Stadt Augsburg etwa 60 Polizeikräfte, 60 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Augsburg und der Freiwilligen Feuerwehren sowie circa 20 Mitarbeiter des Rettungsdienstes. Oberbürgermeister Kurt Gribl dankt ihnen am Tag nach dem Großeinsatz, die Einsatzkräfte leisteten ihm zufolge eine „super Arbeit“. „Immer wieder haben wir nun Einsätze nach dem Fund von Fliegerbomben und man könnte fast meinen, dass diese mittlerweile Routine sind“, äußert er sich. Doch jeder Einsatz habe seine Besonderheiten, ob 100 Menschen in Sicherheit zu bringen seien oder 50.000 bei der Weihnachtsbombe.

    Das Industriegebiet sei als Fundort ideal, sagt Polizeisprecher Jakob. „Mitten in der Stadt hätten wir mehr zu tun gehabt.“ Dort lebten in einem Radius von 500 Metern deutlich mehr Menschen.

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