Er weicht in diesen Tagen nur selten von ihrer Seite. Wo Eva Weber in der Stadt auftaucht, um zu erklären, warum sie die neue Oberbürgermeisterin werden will, ist Richard Goerlich nicht weit. Auch an diesem Abend, als im Hotel Alpenhof „die drei W“ vor den Mitgliedern des Bundes der Selbstständigen diskutieren. „Die drei W“ – so werden die Favoriten für die Wahl genannt, Eva Weber (CSU), Sozialdemokrat Dirk Wurm und Martina Wild von den Grünen. Goerlich sitzt ganz hinten im Saal. Er schaut viel auf sein Handy. Nachrichten checken, die sozialen Netzwerke im Blick behalten. Und er wirkt zufrieden damit, wie sich „seine“ Kandidatin vorn auf dem Podium schlägt.
Goerlich, 49, ist ein bekanntes Gesicht in Augsburg. Er hat schon in vielen Bereichen gearbeitet. Er war Journalist, Gastronom, städtischer Beauftragter für Popkultur – und zuletzt der persönliche Assistent von OB Kurt Gribl (CSU). Er ist in der Stadt bestens vernetzt. Nun arbeitet er als Wahlkampfmanager von Eva Weber an einem neuen Projekt. Daran, Gribls Wunsch-Nachfolgerin ins Amt zu bringen. Er steckt wesentlich hinter der Strategie für den Wahlkampf, er ist Webers „Spindoctor“, der hinter den Kulissen die Fäden zieht. Und das offensichtlicher, als dies die Wahlkampfmanager bei der SPD oder den Grünen tun. Goerlich spricht offen über seine Rolle.
Mit Kurt Gribl zog die Augsburger Agentur in den ersten Wahlkampf
Er sitzt an einem großen Besprechungstisch in einem Gründerzeithaus an der Konrad-Adenauer-Allee. Hier hat die Agentur Team M&M ihren Sitz. Daniel Melcer, 50, Chef der Agentur, ist dabei. Die beiden kennen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten. Sie verantworten den Wahlkampf der CSU in Augsburg. Melcers Agentur bestritt 2008 den ersten Wahlkampf. Kurt Gribl war damals noch ein No-Name, von der CSU als „Mister X“ aus dem Hut gezaubert. Nicht wenige sahen in ihm einen Verlegenheitskandidaten, weil kein prominenter Kopf der Union gegen Amtsinhaber Paul Wengert, SPD, antreten wollte.
Melcer übernahm mit seiner Agentur Gribls Wahlkampf. „Wir wurden angefragt, haben ihn zu uns eingeladen, und er hat uns überzeugt“, erzählt Melcer. Die erste politische Kampagne der Agentur wurde zu einem Erfolg, Gribl gewann in der Stichwahl. Richard Goerlich war damals schon dabei. Er war zu der Zeit als Szenegastronom und Veranstalter aktiv und half dabei, ein kulturpolitisches Programm zu erarbeiten.
Richard Goerlich wurde zu einem engen Vertrauten des OB
Goerlich wurde nach der gewonnen Wahl der städtische Popkulturbeauftragte und mit der Zeit ein enger Vertrauter des OB. Er managte Gribls Wahlkampf zur Wiederwahl im März 2014 und war ab 2015 auch dessen persönlicher Referent. Von diesem städtischen Posten ließ er sich voriges Jahr beurlauben. Aktuell hat er quasi zwei Vollzeitjobs – als Wahlkampfmanager und als Geschäftsführer der CSU-Stadtratsfraktion. Viel zu Hause ist er nicht. Und wenn, dann sei er gedanklich oft trotzdem im Wahlkampfmodus, sagt er. Es kann sein, dass er mitten in der Nacht mit Daniel Melcer Handynachrichten austauscht oder morgens um fünf aufsteht, weil ihm etwas Wichtiges einfällt. „Das ist so bei Wahlkämpfen. Und es ist ja eine begrenzte Zeit.“ Spätestens Ende März, nach einer möglichen Stichwahl, ist es vorbei.
Dass er nach Gribls Wahlkampf nun auch den von Eva Weber managt, war für ihn eine leichte Entscheidung. Es passe menschlich, sagt er. Und er sei von ihren Qualitäten als Kandidatin überzeugt. So sieht es auch Melcer. Er hat inzwischen eine Reihe von Wahlkämpfen mit bestritten, auch außerhalb von Augsburg.
Melcer sagt, dass die Chemie zwischen einem Kandidaten und der Agentur stimmen müsse. „Wir haben auch schon Anfragen abgelehnt, weil es nicht gepasst hat.“ Was genauso wichtig sei: „Der Bewerber muss das Amt wollen.“ Wenn er diesen Siegeswillen nicht ausstrahle, sei auch die beste Strategie nutzlos. Ohnehin könne man keinen idealen Kandidaten „entwerfen“, und das dann einer Person als Rolle überstülpen. Unter Beobachtern des Augsburger Wahlkampfs heißt es derzeit immer wieder, Eva Weber wirke fast schon zu makellos. Melcer sieht das anders. Eine gute Kampagne sorge dafür, den Charakter und die Persönlichkeit zu transportieren und zu vermitteln. Täuschen können man die Menschen nicht. Viele seien heute durch Instagram und Facebook schließlich selbst Profis in der Inszenierung.
Ganz zu Beginn ihrer Arbeit mit Eva Weber haben Melcer und Goerlich eine Reihe von Augsburgern eingeladen. Auch Leute, von denen sie wussten, dass sie der CSU kritisch gegenüberstehen. Sie sollten Stärken und Schwächen von Weber nennen. Daraus wurde eine Liste, die die Kandidatin zu sehen bekam. „Das ist nicht unbedingt angenehm“, sagt Goerlich. Aber wichtig. Denn im Wahlkampf komme es vor allem darauf an, keinen gravierenden Fehler zu machen. Man könne noch so tolle Konzepte und Wahlprogramme machen. Am Ende sei es ein Fehler, ein falscher Satz etwa, der alles zunichtemachen könne. Auch die Konkurrenten von SPD und Grünen wurden so analysiert.
Es bleibt ein Geheimnis, welche Schwächen sie bei Eva Weber identifiziert haben
Welche Schwächen sie bei Eva Weber festgestellt haben, verrät Goerlich nicht. Er lächelt freundlich im Gespräch, wirkt dabei entspannt, scherzt. Und doch behält er genau die Kontrolle darüber, was er kommunizieren will – und was nicht. Stark sei Eva Weber im direkten Kontakt, sagt Goerlich. Deshalb setzte man auf Formate, die dazupassen. „Grill die Weber“ hieß eine Veranstaltungsreihe, bei der die Kandidatin voriges Jahr zum Grillen und Diskutieren zu Vereinen und Institutionen kam. Im Pop-up-Store der CSU in der Maximilianstraße gibt es ebenfalls Diskussionsrunden. Auf einem Podium stellt sich Eva Weber Zweiergesprächen mit Besuchern. Goerlich sagt: „Wir würden so ein Format nicht wählen, wenn wir nicht wüssten, dass sie es kann.“
Und Goerlich selbst? Ist er mit der Rolle in der zweiten Reihe zufrieden oder zieht es ihn auf die politische Bühne? Es gibt Spekulationen, er könne im Fall eines Wahlsiegs von Eva Weber auf einen Referentenposten in der Stadtregierung wechseln. Etwa als Chef eines Mobilitätsreferats, das nach dem Willen der CSU neu gebildet werden soll. Andere wiederum sagen, Goerlich sei eher nicht unter den großen Favoriten für ein Referentenamt. Er könne ja auch, wie bei Gribl, Webers persönlicher Referent werden. Goerlich kennt die Gerüchte. Er sagt nur: „Über ungelegte Eier spricht man nicht.“ Dass er an einer Fernuni Politikwissenschaft studiere, habe aber nichts mit den kolportierten Ambitionen auf ein Referat zu tun. Und erst mal müsse Weber die Wahl gewinnen. Alles andere sei bis dahin zweitrangig.
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