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Augsburg

08.09.2020

Mit Maske und Schultüte: So erleben Kinder ihren ersten Schultag

Lehrerin Lucia Beck hält die erste Unterrichtsstunde in der Klasse 1c der Hans-Adlhoch-Schule.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die Eltern dürfen Erst- und Fünftklässler zwar in die Schule, aber nicht in den Unterricht begleiten. Für die coronabedingten Maßnahmen gibt es viel Verständnis.

Dienstagvormittag, kurz nach 9 Uhr vor der Hans-Adlhoch-Schule in Pfersee: Auf der Straße warten Eltern, bis sie ihre Erstklässler aus der 1a wieder in Empfang nehmen dürfen. Im Schulhof, wo ein Plakat alle "Herzlich willkommen" heißt, fiebern Familien dem Moment entgegen, bis sie in die Aula zur Begrüßung der Klasse 1c dürfen. Sie müssen warten, bis die B-Klässler diese Zeremonie hinter sich gebracht haben - und Hausmeister Hans Tonch die letzte der drei ersten Klassen ins Haus bittet. Noch steht die sechsjährige Emma draußen und hält ihre Schultüte mit dem Einhorn fest umklammert.

Dass der Schulbeginn in diesem Jahr wegen Corona anders ausfällt, findet ihre Mutter Christine Profeta nicht schlimm. Sie ist froh, dass der erste Schultag überhaupt stattfinden könne. "Wir haben eine größere Tochter und haben dadurch alles mitgekriegt", spielt sie auf die Herausforderungen wochenlangen Homeschoolings an.

Start in Pferseer Hans-Adlhoch-Schule: Begrüßung im Halbstundentakt

Drinnen in der Aula wartet Rektorin Sabine Stahl-Schnitzler bereits auf Emma, ihre Mitschüler und deren Familien. Während sie in früheren Jahren alle Erstklässer gemeinsam begrüßte, ist sie diesmal dreimal im Halbstundentakt gefordert - damit die Gruppen überschaubar bleiben und alle die Abstandsregeln einhalten können. Noch eine Änderung gibt es: Die Abc-Schützen nehmen auf Bänken ganz vorne Platz, ihre Eltern setzen sich weiter hinten hin. Der Auftakt dauert nur wenige Minuten. "Ihr seid eine Raketenklasse, die startet bald durch. Seid ihr bereit zum Abflug? Dann müssen eure Eltern jetzt ganz tapfer sein."

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Mustergültig im Gänsemarsch und mit Mund-Nasen-Schutz macht sich die Klasse 1c mit Lehrerin Lucia Beck auf, passiert die Aula, steigt ein paar Stufen hinauf und steuert ihr Zimmer an. Die Mädchen und Buben legen ihre Schultüten in die Mitte des Raums und suchen sich einen Platz. "Ihr dürft jetzt eure Maske runtertun und sie an den Haken an eurem Tisch hängen", sagt Beck. Ausführlicher will die Lehrerin an diesem Vormittag auf das Thema Corona nicht eingehen. "Das hat morgen noch Platz, jetzt sollen die Kinder erst mal ankommen."

Die Augsburger Lehrerin Lucia Beck hat selbst einen Erstklässler zu Hause

Rasch gelingt es Beck, Emma und ihren 19 Mitschülern beim gemeinsamen Betrachten der Schultüten die Scheu zu nehmen. Kein Kind scheint traurig zu sein, dass die Eltern aus Platzgründen nicht dabei sein können. Auch die Lehrerin musste an diesem Morgen mit einer Trennung fertig werden - als Mama eines Erstklässlers in der Schule vor dem Roten Tor. Nur ganz kurz sei sie dabei gewesen, habe alles Weitere ihrem Mann überlassen und sei dann nach Pfersee gefahren - um ihre 1c kennenzulernen. Sie ist froh, dass die Grundschüler nur auf den Wegen eine Maske tragen müssen, nicht aber im Unterricht. Sie selbst legt den Schutz immer dann an, wenn sie zu einem Kind geht, um ihm etwas zu zeigen oder zu erklären.

Während die Klasse 1c noch Namensschilder bemalt, stehen die Eltern im Schulhof bereit. Sie zücken Smartphones und Kameras, um den Moment festzuhalten, wenn ihr Schulkind herauskommt. Emma freut sich, ihre Eltern und ihre große Schwester wiederzusehen. "Es war schön in der Schule", sagt sie. Schön soll der Tag für die Sechsjährige auch enden. "Nach dem Gottesdienst gehen wir nach Hause und bestellen etwas zum Essen, weil es im Restaurant keinen Platz mehr gab", verrät Mutter Christine Profeta.

Für Rektorin Stahl-Schnitzler ist um 10.30 Uhr der erste Schultag noch nicht vorbei. Eines kann sie jedoch bereits sagen: "In den ersten Klassen hat es noch nie so reibungslos geklappt wie heuer. Bislang mussten wir nach dem gemeinsam Auftakt immer die Klassen sortieren, das ist in diesem Jahr weggefallen."

Augsburger Schulamt: Erster Schultag verlief ohne besondere Vorkommnisse

Bildungsreferentin Martina Wild verbrachte den Dienstagmorgen in der Grundschule Inningen - nicht dienstlich, sondern als Mutter der Erstklässlerin Laura. Die Grünen-Politikerin berichtet von einem ähnlichen Szenario wie im Pfersee. "Es war alles sehr gut organisiert. " An den Grund- und Mittelschulen in Augsburg sei der erste Schultag ohne besondere Vorkommnisse verlaufen, teilt Schulamtsleiter Markus Wörle mit. Verstöße gegen die Maskenpflicht habe es nicht gegeben, auch keine Demonstrationen von Maskengegnern. Die Schulen haben laut Wörle den Auftakt unterschiedlich organisiert. Teilweise wurde offenbar auf einen gestaffelten Beginn verzichtet. Wie Eltern, auch von Erstklässlern, unserer Zeitung berichten, ist es dadurch mancherorts gerade im Eingangsbereich sehr eng zugegangen.

 

Am Jakob-Fugger-Gymnasium wird deshalb die Begrüßung der Fünfklässler in den Schulhof verlegt. Kurz nach 8 Uhr verteilen sich Eltern mit ihren Kindern vor dem Eingang zur Aula, Väter machen Fotos mit ihren Smartphones - alle tragen einen Mund-Nasen-Schutz. Angelika Felber, Schulleiterin am Jakob-Fugger-Gymnasium, begrüßt am Treppenaufgang die neuen Schüler. "Eine Begrüßung im Schulhof - das gab es noch nie", spricht sie in das Mikrofon. Die vielen Veränderungen seien dem Coronavirus geschuldet. Sie sei schon gespannt, wie alles funktionieren werde. Sie freue sich aber auch sehr. "Seit März hatten wir keinen normalen Schulalltag mehr. Ich bin froh, dass es nun wieder anders ist." Nun befinden sich wieder alle Schüler im Präsenzunterricht an der Schule - von Normalität kann aber nicht gesprochen werden.

Schulen in Augsburg wollen die Gruppen entzerren

Die Schüler aller Klassen verteilen sich vor Schulbeginn an fünf verschiedenen Eingängen. "Die Klassen wurden aufgeteilt. So können wir die Schülerströme entzerren, und die Schüler haben weniger Kontakt." Traditionell beginnt das Jakob-Fugger-Gymnasium ohnehin etwas später mit dem Unterricht als andere Schulen. An dem Gymnasium geht es um 8.10 Uhr los. Daneben wurden die Pausen versetzt. Unter-, Mittel- und Oberstufe haben nun zu unterschiedlichen Uhrzeiten ihre große Pause. Der Pausenhof wurde in drei Sektoren aufgeteilt. Das hat Konsequenzen: Für die Erstellung des Stundenplans haben Angelika Felber und ihr Team in diesem Jahr besonders lange gebraucht. "Wir haben außerdem allein 150 Lehreraufsichten in einer Woche. Das musst erst einmal organisiert werden."

Die Fünftklässler und ihre Eltern wurden am Jakob-Fugger-Gymnasium erstmals auf dem Schulhof begrüßt.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Die 100 Fünftklässler werden am Dienstag in zwei Schichten empfangen. Zuerst die Klassen a und b, etwas später dann c und d. Nach der Begrüßung im Hof gehen die Schüler mit ihren Klassenlehrern in ihre Klassenzimmer, später treffen sie nochmals ihre Eltern in der Aula. Unterstufenbetreuerin Andrea Eltner hat Mappen zusammengestellt, die sie den Schülern und ihren Eltern überreicht. "Darin befinden sich ein Bleistift vom Jakob-Fugger-Gymnasium, Schülerausweis, Informationen über Förderangebote, Kontakt zu den Beratungslehrern, Log-in für das Elternportal und auch Informationen, wie man sich im Krankheitsfall zu verhalten hat", sagt sie.

Obwohl vieles anders ist, sind Eltern froh, dass es so ist wie es ist. Von Elisabeth Pfleger besuchen nun beide Söhne die Schule. Jona ist in die achte Klasse gekommen und froh, dass er nun seine Freunde wieder alle auf einmal sieht. "Moritz startet heute in der fünfte Klasse. Er ist gespannt, wie seine Lehrerin ist und wer alles in seine Klasse kommt", berichtet die Mutter. Die coronabedingten Vorgaben wären dagegen gar kein Thema gewesen. Jutta Bundschuh vom Elternbeirat findet die Maßnahmen an der Schule nicht übertrieben. "So schützen wir uns ja gegenseitig." Ihr Sohn Sebastian besucht nun die Q12 und sei ebenfalls vor allem froh, alle seine Schulkameraden wiederzusehen. Jutta Bundschuh: "Er hat gar kein Probleme mit der Maske. Im Gegenteil."

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