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Kommunalwahl in Augsburg: Mobbing mit Fake-Accounts? Vorwürfe gegen OB-Kandidat Hummel

Kommunalwahl in Augsburg

Mobbing mit Fake-Accounts? Vorwürfe gegen OB-Kandidat Hummel

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    Dem OB-Kandidaten Peter Hummel droht juristischer Ärger: Der Politiker der Freien Wähler sieht sich Vorwürfen gegenüber. Es geht unter anderem um den Verdacht der Beleidigung.
    Dem OB-Kandidaten Peter Hummel droht juristischer Ärger: Der Politiker der Freien Wähler sieht sich Vorwürfen gegenüber. Es geht unter anderem um den Verdacht der Beleidigung. Foto: Silvio Wyszengrad

    Dem OB-Kandidaten der Freien Wähler, Peter Hummel, droht juristischer Ärger. Nach Informationen unserer Redaktion ermittelt die Polizei gegen ihn – unter anderem wegen des Verdachts der Beleidigung. Es geht dabei auch um den Vorwurf, dass Hummel Personen unter falschem Namen im Internet diffamiert haben soll. Mindestens zwei Augsburger haben sich an die Ermittlungsbehörden gewandt.

    Die Augsburger Staatsanwaltschaft bestätigt auf Anfrage, es gebe Ermittlungen wegen des Verdachts von „Ehrverletzungsdelikten“. Es gilt die Unschuldsvermutung. Doch auch unabhängig von der strafrechtlichen Beurteilung der Vorwürfe könnte der Fall für Hummel und die Freien Wähler in Augsburg Folgen haben.

    Der Hintergrund des Falls ist komplex, zumal mehrere Augsburger dem OB-Kandidaten Cybermobbing vorwerfen, die Sachverhalte aber teils unterschiedlich gelagert sind. Zuletzt hatte die Gruppierung „Wir sind Augsburg“, kurz WSA, Hummel im Zusammenhang mit dem Austritt der Stadtratskandidatin Marcella Reinhardt aus dem Verein genannt und von einer „gezielten Diffamierungskampagne“ gegen die WSA gesprochen. Nach Facebook-Posts des WSA-Kandidaten Guido Fiedler , in denen dieser unter anderem an Hummels Adresse schrieb, er wolle ihn „mal persönlich stellen, egal wo“, erstattete der Journalist seinerseits Strafanzeige gegen Fiedler wegen Bedrohung. Um Hummel gibt es derzeit viel Wirbel, gerade in den sozialen Medien. Er ist als OB-Kandidat einer Gruppierung, die in Bayern immerhin den stellvertretenden Ministerpräsidenten stellt, stark im Fokus.

    Wahl in Augsburg: Ermittlungen gegen Freie-Wähler-Kandidat Hummel

    Eine Augsburgerin, die vergangenes Jahr Strafantrag bei der Polizei gestellt hat, ist Andrea Röder, Leiterin eines Verlages. Sie war früher bei den Freien Wählern aktiv, trat 2014 auf der Stadtratsliste an und geriet damals, wie sie sagt, mit Peter Hummel in Konflikt, der ebenfalls auf der Liste stand. Sie wurde im vergangenen Jahr in Facebook-Posts eines mittlerweile wieder gelöschten Profils namens „Florian P. *“ als „Rechtsradikale“ und als „untervögelt“ verunglimpft.

    Bereits vor einigen Jahren hatte ihr Arbeitgeber eine rätselhafte E-Mail einer gewissen „Franziska S. *“ erhalten. „Franziska S.“ schrieb darin, dass Röder „seit Wochen auf dem Portal Facebook gegen Menschen auf der Flucht“ agiere. Und kündigte an: „Wir werden mit dem Unternehmen, in dem ich tätig bin, die Geschäftsverbindung beenden, sollte sich dieses Verhalten fortsetzen.“ Für welches Unternehmen die angebliche Verfasserin tätig sein wollte, schrieb sie nicht.

    Dennoch eine bedrohlich klingende E-Mail; Röder sagt, eine solche Nachricht an einen Arbeitgeber hätte für sie unter anderen Umständen durchaus Konsequenzen haben können. Sie vermutet Peter Hummel hinter den Profilen „Florian P.“ und „Franziska S.“ – ein Verdacht, den die Polizei aufzuklären versucht. Die Beamten ermitteln in dem Fall nach Informationen unserer Redaktion durchaus mit Nachdruck und haben in der Angelegenheit zuletzt einige Zeugen befragt.

    Eigenartige Verbindungen zwischen Social-Media-Profilen

    Tatsächlich gibt es zwischen den Profilen „Florian P.“, „Franziska S.“ und dem OB-Kandidaten Peter Hummel Verbindungen, die eigenartig wirken. Der Name "Franziska S.“ tauchte etwa 2017 in mehreren E-Mails auf, die damals die Vorstandsebene der Freien Wähler in Stadt und Landkreis beschäftigten. Anfang 2017 erhielt ein früheres Vorstandsmitglied der Freien Wähler eine E-Mail einer Person, die sich „Franziska S.“ nannte und behauptete, als „freie Autorin in Passau“ tätig zu sein und „ein Feature über die Freien Wähler in Bayern“ vorzubereiten, also einen journalistischen Beitrag. Sie fragte das Vorstandsmitglied nach Interna. Im Zuge des E-Mail-Verkehrs zwischen den beiden setzte die vorgebliche Autorin einmal einen anderen Namen ans Ende der Nachricht: Peter Hummel . Ein Versehen? Oder war der heutige OB-Kandidat hier für einen kommunalpolitischen Machtkampf unter falschem Namen unterwegs und hatte kurzzeitig seine Rolle vergessen?

    Wie aus Unterlagen deutlich wird, die unserer Redaktion vorliegen, musste sich Hummel daraufhin jedenfalls Fragen stellen; insbesondere der heutige Landtagsabgeordneter Fabian Mehring hakte offenbar kritisch nach. Die Antwort von Hummel wirft Fragen auf: Hummel schrieb an die Führungsetage der Freien Wähler, seine „Journalistenkollegin Franzi S.“ sei seine „Recherche-Sparringspartnerin“, sie übernehme Recherchen für ihn, bei denen er aus bestimmten Gründen nicht mit eigenem Namen auftreten könne. Auch er, Hummel , übernehme solche Jobs für andere, „das ist völlig normales Tagesgeschäft im investigativen Journalismus“. Durch ein Versehen habe die „Franzi“ in einer E-Mail, die er als Vorlage geschickt habe, seinen Namen nicht ersetzt.

    Hummel sieht in allem kein Problem, wie aus den E-Mails hervorgeht. Zumal die „Franzi“ auch ihre Telefonnummer für Rückfragen hinterlassen habe.

    Offenbar überprüfte niemand bei den Freien Wählern diese E-Mail von Hummel allzu genau, dabei klingt sie fragwürdig. Zum einen ist die von ihm beschriebene Praxis, jemand anderen für Recherchen vorzuschicken, im Journalismus alles andere als Usus, zum anderen ist es unserer Redaktion nicht gelungen, „Franziska S.“ aufzuspüren; sie scheint keine Spuren hinterlassen zu haben. Ungewöhnlich in Zeiten des Internets, ungewöhnlicher noch für eine „freie Autorin“, die eigentlich für Auftraggeber erreichbar und auffindbar sein müsste. Sie scheint nicht zu existieren.

    Die in einer E-Mail angegebene Handynummer der „Franziska S.“ gehört jedenfalls einer Augsburger Illustratorin, die sich aktuell auf Nachfrage einigermaßen erstaunt darüber äußert, wie sie dort hingelangt sein könnte. Ungewöhnlich wäre ohnehin, dass ein Freie-Wähler-Mitglied einen investigativen Artikel über die Freien Wähler recherchiert; Journalisten bemühen sich eigentlich, solche Interessenskonflikte zu umgehen.

    Vorwürfe gegen Peter Hummel: Eine seltsame Episode um "Franziska S."

    Die Episode um „Franziska S.“ stellt möglicherweise kein justiziables Verhalten dar – zeigt aber, dass der Vorwurf, Hummel würde mit falschen Profilen agieren, nicht völlig ohne Anhaltspunkte ist. Der Name „Franziska S.“ taucht zudem noch in mindestens zwei weiteren Zusammenhängen um Hummel auf. Einmal kommentiert eine Person dieses Namens einen Artikel des Journalisten, der 2006 auf Focus Online erschien. „Wow, was für eine wunderbare Geschichte“, schreibt sie. Eine Person mit diesem Namen meldete sich zudem 2016 bei einem Augsburger Publizisten, der mal einen Rechtsstreit mit Hummel hatte und verlor. Sie gab in dem Fall an, eine freie Lektorin zu sein und bekundete Interesse an einem Manuskript, das just Gegenstand des Rechtsstreits des heutigen OB-Kandidaten der Freien Wähler und des Publizisten gewesen war.

    Der Publizist erhob im September 2019 Cybermobbing-Vorwürfe gegen Hummel auf Facebook – daraufhin meldete sich offenbar „Florian P.“ aus Augsburg bei ihm – jener Account, der die Verlagsleiterin Röder als „untervögelte Rechtsradikale“ bezeichnet hatte. „P.“ ist nicht nur an Details des Streites interessiert, sondern offenbart auch eine Verbindung zu Hummel, mit dem er in Kontakt zu stehen scheint. Auch in dem Fall ist es unserer Redaktion nicht gelungen, einen „Florian P.“ in dieser Schreibweise und in Augsburg ausfindig zu machen.

    Zwischenzeitlich ließ Hummel dem Publizisten gerichtlich untersagen, die Vorwürfe zu verbreiten; ein Hauptsacheverfahren steht vermutlich noch aus. Peter Hummel sagt auf Anfrage, er wolle sich zu der Beleidigungsanzeige gegen ihn nicht äußern, da die Ermittlungen nicht abgeschlossen seien. Er arbeite aber „niemals mit Fake-Profilen, bei denen eine fremde Identität kopiert wird“, sondern in seinem Beruf „allenfalls im Bereich der investigativen Recherche mit einem Pseudonym“. Auf diese hatten Hummel zufolge in der Vergangenheit auch Mitarbeiter Zugriff. „Manche Artikel veröffentliche ich ebenfalls unter einem Pseudonym, was für Autoren durchaus üblich ist.“ Kontaktdaten von „Florian P.“ und „Franziska S.“ kann oder will er nicht nennen.

    Seine Mitarbeiterin von damals, Franziska S. , „möchte sich nicht äußern“, sagt Hummel . „Sollte sie einen Fehler gemacht haben, tut es ihr leid. Sollte sie eine Straftat begangen haben, muss dies aus meiner Sicht von den Behörden ermittelt werden.“ *Namen gekürzt

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