Die Titania-Therme ist seit Mitte September fast menschenleer. Dort, wo sonst Badegäste entspannen und Kinder im Wasser toben, herrscht Ruhe. Nach dem Fund von Legionellen-Bakterien sind Arbeiter beschäftigt, das Bad zu reinigen. Für das Erlebnisbad ist die Situation fatal. Andere Bäder in der Region dagegen profitieren, weil Gäste ausweichen. Am deutlichsten spüren das die Königstherme in Königsbrunn und das Alte Stadtbad in der Augsburger Innenstadt.
20 Prozent mehr Besucher in der Königstherme
Um etwa 20 Prozent sei der Besuch der Königstherme in den zurückliegenden zwei Wochen angestiegen, sagt Betriebsleiter Dietrich Gehle mit. „Da sind viele darunter, die mit einer Clubkarte der Titania-Therme jetzt in die Königstherme kommen.“ Beide Erlebnisbäder am Stadtrand von Augsburg werden von der Starwaters GmbH mit Sitz in Stuttgart betrieben. Um den erhöhten Andrang – der, wie Gehle betont, auch von der aktuellen feucht-kalten Witterung gefördert wird – zu bewältigen, hat das Unternehmen deshalb einige Mitarbeiter aus Neusäß nach Königsbrunn abgezogen. Das sei allerdings ein geringer Teil der etwa 60 Beschäftigten der Titania-Therme, stellt Starwaters-Geschäftsführer Uwe Deyle klar. Der überwiegende Teil habe Urlaub genommen oder sei derzeit in Kurzarbeit.
Im Alten Stadtbad in Augsburg ist der Andrang in der Sauna so groß, dass Gäste schon klagen. „Ich habe eine Beschwerde bekommen, dass es am Sonntag in der Sauna so eng war“, sagt Werner Steierberg vom Bäderamt. Während sich die Gästezahlen in den reinen Schwimmbädern der Stadt nach der Schließung des Titania nicht veränderten, gingen sie im Alten Stadtbad nach oben. Kamen im September 2011 täglich im Schnitt noch gut 40 Gäste sind es aktuell gut 52. An guten Saunatagen sind es bis zu 100. Neben den Problemen im Titania sieht Steierberg einen zweiten Grund für das Plus – das Dampfbad hat wieder eröffnet und der Eisbrunnen ist neu.
"Wir haben zu wenig Personal"
Die Freude in der Stadt ist allerdings nicht ungetrübt, denn ausgerechnet jetzt musste das Sport- und Bäderamt die Öffnungszeiten kürzen. Am Wochenende öffnet die Sauna erst um 10 statt um 8 Uhr und hat wie üblich bis 18 Uhr auf. „Wir haben zu wenig Personal“, begründet Werner Steierberg den Schritt.
Der Grund sind Krankheitsfälle, aber vor allem Urlaubstage, die abgebaut werden müssen. Nach einem Urteil hätten Angestellte unter 40 Jahren – „davon haben wir viele“ – nachträglich mehr Urlaub bekommen. Weil im Sommer kaum Tage abgebaut werden könnten, müsse das bis Jahresende geschehen. Danach, sagt Steierberg, können sich die Saunafreunde wieder auf längere Öffnungszeiten freuen. Auch einige Bäder im Landkreis Augsburg spüren derzeit einen Aufschwung. „Ich habe den Eindruck, dass wir etwas mehr Besucher haben“, sagt Klara Simon, Leiterin der Bäderabteilung im Gersthofer Rathaus. „Aber viel macht auch das Wetter aus.“ Ein Neusässer Verein, der um eine Belegungszeit bat, bekommt im Gersthofer Hallenbad nun „Nachbarschaftshilfe“, sagt sie. Auch in Diedorf wurden bereits Anfragen von Neusässer Gruppen für das dortige Hallenbad registriert, sagt Kämmerer Herbert May. „Aber die bringen wir leider nicht unter.“
60 Kilometer bis ins Unterallgäu
Andere Badegäste fahren derzeit noch weiter weg – sogar rund 60 Kilometer bis ins Unterallgäu. Jörg Wund, Geschäftsführer der Therme Bad Wörishofen, hat festgestellt: „Ein Blick auf den Parkplatz zeigt über 20 Prozent Augsburger Kennzeichen. Dieser Wert liegt deutlich über dem normalen Anteil an Augsburger Fahrzeugen, sodass wir davon ausgehen, dass Gäste des Titania die Wörishofer Südsee für sich entdeckt haben.“