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Augsburg

26.03.2020

Vier Bewohner in Augsburger Altenheim sind an Corona erkrankt

Im AWO-Seniorenheim an der Promenadestraße in Göggingen haben sich drei Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt, auch eine weitere Bewohnerin im betreuten Wohnen hat sich infiziert.
Bild: Klaus Rainer Krieger

In einem Altenheim in Augsburg haben sich vier Senioren mit dem Coronavirus angesteckt. Fast die Hälfte des Pflegepersonals musste unter Quarantäne.

Es war wohl nur eine Frage der Zeit. Nun haben sich auch Bewohner eines Augsburger Altenheims mit dem Coronavirus angesteckt. Wie die Arbeiterwohlfahrt bestätigt, wurden drei Senioren im Heim in Göggingen positiv auf das Virus getestet, außerdem eine Seniorin im benachbarten betreuten Wohnen. Das hat weitreichende Folgen für die Betroffenen, aber auch alle anderen Bewohner und das Pflegepersonal.

Corona: Eine Frau muss ins Krankenhaus

Der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Schwaben, Heinz Münzenrieder, sagte, die Senioren seien vor einigen Tagen von einem Mediziner untersucht worden. Er bestätigte darüber hinaus, dass der Arzt keine Schutzkleidung getragen haben soll. Die betroffene Seniorin sei so schwer erkrankt, dass sie in eine Klinik gebracht werden musste. Die drei Männer hätten Symptome, seien aber kein Notfall. Sie müssen nun in ihren Zimmern bleiben. Dort werden sie durch eine Zugangsschleuse von Pflegerinnen und Pflegern betreut, die Schutzkleidung und Schutzmasken tragen.

Vier Bewohner in Augsburger Altenheim sind an Corona erkrankt

Wie groß ist damit das Risiko für die anderen Heimbewohner? Münzenrieder sagte, „die drei betroffenen Männer sofort in ein Krankenhaus zu geben, ist keine Lösung“. Das Pflegepersonal kenne die Bewohner mit ihren Handicaps gut. Eine neue Umgebung sei für Hochbetagte dagegen sehr schwierig. „Wir sind gut ausgestattet und fachlich aufgestellt“, so der AWO-Vorsitzende. Alle Heimbewohner seien gut aufgehoben und gut versorgt.

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Bild: Annette Zoepf

Coronakrise hat Folgen für das Seniorenheim in Augsburg

Trotzdem gibt es in der Coronakrise für alle Bewohner im AWO-Heim immer weiterreichende Einschränkungen. Wie in anderen Seniorenheimen gilt ein weitreichendes Besuchsverbot. Das soll mehr Sicherheit schaffen, erschwert aber auch den Kontakt zu Angehörigen. Auf Empfehlung der Behörden gilt seit einer guten Woche auch noch die Regelung, dass alle 71 Bewohner des AWO-Seniorenheims in Göggingen auf ihren Zimmern bleiben müssen. „Wir versorgen die Angehörigen deshalb regelmäßig mit Informationen“, sagte Heimleiter Holger Reppening.

Auch auf das Pflegepersonal hat Corona im AWO-Heim enorme Auswirkungen. 18 Mitarbeiter, die mit den Infizierten Kontakt hatten, mussten unter Quarantäne gestellt werden. Das war fast die Hälfte der Pflegerinnen und Pfleger. Innerhalb kürzester Zeit mussten Mitarbeiter aus dem Urlaub und aus freien Tagen zurückgeholt werden, um den Betrieb im Seniorenheim aufrecht erhalten zu können. Einige der Beschäftigten kamen aus anderen Augsburger AWO-Heimen. Münzenrieder sagt jedoch, aus einem früheren Corona-Fall in einem Heim in Kempten sei die Arbeiterwohlfahrt auf dieses Szenario vorbereitet gewesen. Notfalls gebe es noch mehr Einrichtungen in Schwaben, aus denen man Personal zusammenziehen könnte.

Wo sonst bei bestem Wetter tausende Menschen unterwegs sind, schafft die Corona-Pandemie eine beklemmende Szenerie.: Augsburg ist menschenleer, Augsburg ist eine Geisterstadt.
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Bild: Klaus Rainer Krieger

Pfleger sollen bald wieder arbeiten

Dass es soweit kommt, danach sieht es momentan nicht aus, meinte Münzenrieder. Die Pfleger unter Quarantäne sollen am Samstag wieder zum Einsatz kommen, wenn sie keine Symptome zeigen und negativ getestet wurden. Das sei mit den Behörden so vereinbart. Alle Beteiligten seien sehr kooperativ, freut er sich.

Generell zählen alte Menschen zur Risikogruppe, für die eine Corona-Infektion besonders gefährlich sein kann. In Augsburg hat die Pandemie nun ein weiteres hochbetagtes Opfer gefordert. Am Mittwoch wurde der zweite Coronavirus-Todesfall in Augsburg bestätigt. Nach Angaben des Gesundheitsamts handelt es sich bei dem 88-jährigen Mann um den Partner der am Sonntag verstorbenen Patientin. Diese war 90 und hatte Vorerkrankungen. Wie zu erfahren war, starben beide in den Wertach-Kliniken in Bobingen. Zuvor hatten sie in einer häuslichen Gemeinschaft gelebt. Insgesamt wurden bislang 108 in Augsburg wohnhafte Personen positiv auf das Coronavirus getestet.

Wie sieht es in Heimen der Stadt aus?

Wie ist die Lage in den städtischen Seniorenheimen? Sozialreferent Stefan Kiefer sagte, bislang gebe es keinen positiv auf Corona getesteten Bewohner. Derzeit seien auch keine Mitarbeiter unter Quarantäne. „Das schließt aber nicht aus, dass es noch so kommt.“ Das Wesen des Virus liege in seiner Ausbreitung. Die Altenhilfe der Stadt sei darauf vorbereitet, einen größeren Personalausfall in den Heimen aufzufangen. Für fünf Einrichtungen gebe es ein umfangreiches Risikomanagement. Alle Mitarbeiter müssen vor Dienstantritt prüfen, ob sie symptomfrei sind und im Zweifel lieber zu Hause bleiben. Bei der Aufnahme von neuen Bewohnern wird das Krankheitsbild genau geprüft. Im Seniorenzentrum Servatius wurde in der geschlossenen Tagespflege ein zusätzlicher, getrennter Bereich für Neuaufnahmen geschaffen.

Wie verändert sich die Arbeit von Journalisten in Zeiten des Coronavirus? In einer neuen Folge unseres Podcasts geben wir einen Einblick.

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27.03.2020

Leider benutzt keiner in diesen Altenheimen die Schutzkleidung. Die Heimleitung hat dem Pflegepersonal sogar explizit verboten Mundschutz zu tragen. Es sieht so aus, ob sie warten nur, bis so etwas passiert. Deswegen ist es nur die Frage der Zeit, bis wir die gleiche Situation in jedem Altenheim haben... :(

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