Als Kurt Gribl sich im Dezember 2018 entschloss, nicht mehr als Oberbürgermeister zu kandidieren, zog er zwei Frauen ins Vertrauen: Mit seiner Ehefrau Sigrid besprach er die Entscheidung, dann informierte er Bürgermeisterin Eva Weber über den Entschluss – verbunden mit der Frage, ob sie sich die Kandidatur zutraue.
Was folgte, war eine choreografierte Stabübergabe. Die Partei erfuhr im März 2019 zeitgleich mit der Öffentlichkeit vom Rückzug und davon, dass Weber ihren Hut in den Ring wirft. Es wäre nach Gribls Rückzug auch ohne dessen massive Unterstützung aller Wahrscheinlichkeit nach auf Weber als OB-Kandidatin hinausgelaufen, aber so konnte die Partei fast gar nicht mehr anders, als sie auf den Schild zu heben, und tat es auch ohne Murren.
Das Vorgehen damals habe dazu gedient, der Partei ein Nachfolgegerangel zu ersparen, sagte Gribl offen. Faktisch regelte er seine Nachfolge – natürlich vorbehaltlich des Wählerwillens – selbst. Weber, so war von den Linken unmittelbar danach zu hören, stehe im Grunde für ein „Weiter-so“ der CSU, wenn auch in anderen Händen.
Kommunalwahl Augsburg: Wie viel Kurt Gribl steckt wirklich in Eva Weber?
Wie viel Kurt Gribl steckt wirklich in Eva Weber? Wenn Politiker ihren Nachfolger selbst aussuchen, dann kann das auch danebengehen. In Gersthofen gerieten sich Alt-Bürgermeister Siegfried Deffner und sein von ihm aufgebauter Nachfolger Jürgen Schantin vor Jahren massiv in die Haare. In Augsburg sei im Fall eines Wahlsiegs von Weber eine derartige Konstellation „überhaupt nicht vorstellbar“, sagt ein Oberer aus der CSU.
Vermutlich hat er recht. Denn einerseits ist es Gribl, so ist es in der Politik einhellig zu vernehmen, kaum zuzutrauen, dass er sich nach dem Ende seiner Amtszeit im Mai noch in die Augsburger Kommunalpolitik einmischen wird. Und andererseits wollte Gribl ja erklärtermaßen kein Abziehbild von sich selbst als CSU-OB-Kandidat installieren. Die Herausforderungen der Zeit seien andere als bei seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren, sagte er – neben persönlichen Überlegungen – mit zur Begründung für seinen Amtsverzicht.
Trotz ihrer politischen Sozialisation in der Gribl-Regierung sagt Weber, manches anders machen zu wollen. „Jede Zeit hat ihren Politikstil“, sagt sie und geht in homöopathischen Dosen auf Distanz, etwa bei der „Semmeltaste“, die Gribl nach seiner Wahl einführte. Gribl habe für die Augsburger Infrastruktur vieles auf den Weg gebracht, sagt Weber. Die Herausforderungen der kommenden Jahre sehe sie eher darin, das Zusammenleben in der Stadt zu moderieren.
Diese Ausrichtung, die sich vor allem in der Tonlage des Wahlprogramms und abgestuft in den Inhalten wiederfindet, dürfte neben der mäßigen Kassenlage auch mit der vermeintlichen Neuerfindung der CSU auf Landesebene zu tun haben: weiblicher, jünger, liberaler, ökologischer, gerade in den Großstädten. Gribl hätte als Amtsinhaber wohl keine schlechten Chancen auf eine dritte Amtszeit gehabt und volle Rückendeckung aus der Münchner Parteizentrale genossen – aber wenn schon ein anderer Kandidat, dann einer, der für das neue Außenbild der CSU stehen kann.
Eva Weber war die engste Vertraute Kurt Gribls
Gleichzeitig war Weber in den vergangenen sechs Jahren die wohl engste politische Vertraute Gribls in der Stadtregierung. Als Kämmerin machte sie die politischen Vorhaben wie Theater- und Schulsanierung (samt der dafür nötigen Rekordverschuldung) möglich. Gribl sagte zuletzt einmal, Weber sei auch bei einigen der schwierigsten Entscheidungen in der vergangenen Amtszeit eine verlässliche Beraterin gewesen.
Bei all solchen Äußerungen, platziert zu Wahlkampfzeiten, steckt natürlich auch eine Absicht dahinter, aber wahr ist, dass zwischen Gribl und Weber aus der zu Ende gehenden Regierungsperiode nie Uneinigkeiten überliefert sind. Ohne dass das Bild vom Ziehvater passen würde (schon weil der Altersunterschied von 13 Jahren zu gering ist), kann man Gribl als Webers Mentor bezeichnen.
Er hatte die Referatsjuristin vor mittlerweile zehn Jahren als Wirtschaftsreferentin im Augsburger Stadtrat vorgeschlagen, vor sechs Jahren schlug er sie auch als Bürgermeisterin vor und rückte sie – auch bedingt durch sein Engagement im Städtetag und im CSU-Vorstand – in die erste Reihe, wenn er selbst mal nicht da war.
Bei Sitzungen im Stadtrat übernahm Weber immer wieder vertretungsweise die Sitzungsleitung. Wie eng das Verhältnis zwischen Gribl und ihr ist, fällt erst richtig auf, wenn man sich ansieht, wie distanziert Gribl und der Dritte Bürgermeister Stefan Kiefer (SPD) all die vergangenen Jahre miteinander umgegangen sind.
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