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Auch in Göggingen und Haunstetten gibt es jetzt Stolpersteine

Augsburg

„Ihr mit eurem Hitler könnt's mir am Arsch lecken“: Kostete dieser Satz einem Augsburger das Leben?

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    Josef Röll ist eines der Opfer des Nationalsozialismus, das jetzt einen Stolperstein bekommen hat. Er wurde in der Bahnstraße in Göggingen verlegt.
    Josef Röll ist eines der Opfer des Nationalsozialismus, das jetzt einen Stolperstein bekommen hat. Er wurde in der Bahnstraße in Göggingen verlegt. Foto: Marcus Merk

    Vor Häusern in Haunstetten und Göggingen erinnern jetzt zwei neue Stolpersteine an Menschen, deren Leben durch das NS-Regime zerstört wurde. Die kleinen Messingtafeln im Gehweg holen dabei Schicksale zurück ins öffentliche Bewusstsein, die jahrzehntelang kaum sichtbar waren. Für beide Stadtteile sind es die ersten Stolpersteine überhaupt. Im Stadtgebiet Augsburg gibt es zahlreiche Orte, an denen Stolpersteine liegen. Jetzt wird unter anderem an einen Mann erinnert, der ein überzeugter Gegner der Nazi-Herrschaft war.

    In Haunstetten erinnert ein Stolperstein in der Königsbrunner Straße an Heinrich Dürrwanger. Der 1891 im Ries geborene Arbeiter kam schon früh nach Königsbrunn und später nach Haunstetten. Er arbeitete unter anderem bei den Martini-Werken und war seit 1918 Mitglied der SPD. Der Historiker Robert Dürr beschreibt ihn als überzeugten Regimegegner mit einer „starken roten“ Haltung.

    Zum Verhängnis wurde Dürrwanger eine Äußerung in der Umkleide seines Betriebs. Als Kollegen über eine Rede Adolf Hitlers sprachen, sagte er laut den überlieferten Aussagen: „Ihr mit eurem Hitler könnt’s mir am Arsch lecken.“ Kurz darauf wurde er denunziert und von der Gestapo verhaftet.

    Vorgeworfen wurden ihm „Betriebsstörung“, „Verunglimpfung“ und die „schmähliche Beleidigung Hitlers und des Deutschen Reiches“. Nach seiner Haft kam es zu einem tödlichen Betriebsunfall. Dürr verweist dabei auf Akten, in denen NS-Funktionäre zuvor angekündigt hätten, man müsse den „Betriebsstörer“ zur Ruhe bringen.

    Die Schicksale von NS-Opfern sollen sichtbar gemacht werden

    Der zweite Stolperstein in Göggingen erinnert an Josef Röll. Der gebürtige Lechhauser arbeitete ab 1933 bei einem Kohlehändler in Göggingen. Bei der schweren körperlichen Arbeit erlitt er einen folgenreichen Unfall: Ein Pferd traf ihn mit einem Hufeisen am Kopf. Danach kam er zunächst ins Krankenhaus und später in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee. Im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde wurde er schließlich in eine Tötungsanstalt deportiert und ermordet.

    Organisiert wurden die Verlegungen von der Stolperstein-Initiative Augsburg und Umgebung. Die Initiative engagiert sich seit Jahren dafür, die Schicksale von NS-Opfern sichtbar zu machen und Erinnerung direkt in den Alltag der Menschen zurückzuholen. Die Stolpersteine werden jeweils vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Opfer verlegt. Bundesweit geht das Projekt auf den Künstler Gunter Demnig zurück. In Augsburg erinnern bereits zahlreiche Stolpersteine an verfolgte Juden, politische Gegner des NS-Regimes und Opfer der sogenannten „Euthanasie“.

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