Bei der Beurteilung der Infektionslage setzt das Gesundheitsamt auch auf Daten aus dem Augsburger Abwasser. Die dortige Virenkonzentration weist aktuell laut Stadt auf steigende Inzidenzzahlen in den kommenden Tagen hin. Die Abwasseranalysen erfolgen im Rahmen einer Pilotstudie, welche in Deutschland an ausgewählten Standorten umgesetzt und durch den Bund gefördert wird. In Augsburg läuft das Projekt mit der TU München seit August 2020. Am Sonntag lag der Inzidenzwert in Augsburg bei 1862,9. Die Tendenz zeigt seit einigen Tagen nach oben.
Laut Stadtentwässerung lasse sich die Infektionslage inzwischen "recht gut" über das Abwassermonitoring abbilden. "Dabei zeigen die Zahlen aus den Abwasserbefunden das Infektionsgeschehen mit gewissem Vorlauf von etwa fünf bis sieben Tagen an, weshalb es als Werkzeug für eine kurzfristige Prognose über steigende oder fallende Inzidenzen genutzt werden kann." Wie Studienleiter Jörg Drewes von der TU München erklärt, erfasse das Monitoring auch "Infizierte, die einen milden Verlauf haben, sich aber keinem PCR-Test unterziehen und damit nicht in der offiziellen Statistik auftauchen."
Abwasser: Schätzung der Zahl der Corona-Infizierten nicht möglich
Aufgrund der Abwasserdaten sei aktuell mit weiter steigenden Inzidenzen zu rechnen, teilt die Stadtentwässerung mit. Eine direkte Abschätzung der Zahl an infizierten Personen in Augsburg sei anhand der Abwasserdaten nicht möglich.
Dafür nennt Professor Drewes zwei Gründe: "Das liegt daran, dass das Ausscheideverhalten bei Infektionen mit unterschiedlichen Varianten stark variiert. Hinzu kommt, dass sich die Ausscheidelast im Verlauf der Infektion ändert. Daher kann man eine bestimmte Virenlast nicht einem Infizierten zuordnen." Das Augsburger Abwasser wird bereits seit einiger Zeit im Rahmen eines Pilotprojekts auf die Belastung mit Coronaviren untersucht.