Die Einsatzkräfte wussten sich in dem kurzen Augenblick offenbar nicht mehr anders zu helfen. Als der 22-Jährige laut Polizei mit einem Messer auf die Beamten losging, wurde auf ihn geschossen. Der Vorfall am Dienstagnachmittag in einer Asylunterkunft im Lechhauser Industriegebiet hat, wie berichtet, für Aufsehen gesorgt. Der Angreifer kam verletzt ins Krankenhaus. Bevor es zum Schusswaffengebrauch gegen ihn kam, hatten die Beamten wohl versucht, den Ostafrikaner mit einer Waffe zu stoppen, die von der Augsburger Polizei das erste Mal eingesetzt wurde.
Die Polizei war in die Gemeinschaftsunterkunft der Regierung von Schwaben gerufen worden, weil dort ein Besucher einen Mitarbeiter mit einem Messer bedroht haben soll. Der Mann befand sich offenbar in einem psychischen Ausnahmezustand und hatte sich bereits selbst mit dem Messer Wunden zugefügt. Als er wohl dazu ansetzte, sich weiter mit dem Messer zu verletzen, versuchten die Polizeikräfte, ihn mit einem sogenannten Distanz-Elektro-Impulsgerät davon abzuhalten. Der Versuch zeigte wohl nicht den erhofften Erfolg. Als der Mann mit dem Messer auf die Polizisten losging, wurde auf ihn geschossen. Die Polizei in Nordschwaben verfügt erst seit wenigen Monaten über das Distanz-Elektro-Impulsgerät (DEIG), wie Sprecherin Christina Meissl auf Nachfrage erzählt.
Die Polizei in Nordschwaben hat die Waffe noch nicht lange
Seit vergangenem September steht demnach das DEIG der Einsatzhundertschaft des Polizeipräsidiums Schwaben Nord als Einsatzmittel zur Verfügung. Die Einsatzhundertschaft unterstützt unter anderem die Dienststellen bei Bedarf. Die Polizeihauptkommissarin erklärt, wie die Waffe, ähnlich einem Taser, funktioniert. "Beim Einsatz des DEIG werden zwei Pfeile auf das polizeiliche Gegenüber geschossen, die mit Kabeln mit dem Gerät verbunden sind. Sobald die Pfeile die Person treffen, schließt sich der Stromkreis und der Betroffene ist für fünf Sekunden bewegungsunfähig."
Um diese Wirkung zu erzielen, sei aber kein direkter Kontakt der Pfeile mit dem Körper nötig. "Ein Abstand von bis zu rund fünf Zentimetern zur Körperoberfläche reicht völlig aus." Das Distanz-Elektro-Impulsgerät käme insbesondere gegen hoch aggressive, körperlich überlegene oder unter Drogen stehende Gewalttäter infrage, wenn andere Maßnahmen erfolglos blieben. Neben Pfefferspray sei es ein weiteres milderes Mittel zum Schusswaffengebrauch, meint die Sprecherin. Bei dem Einsatz in der Asylunterkunft in Lechhausen sei das DEIG zum ersten Mal eingesetzt worden.
Augsburger Staatsanwaltschaft und LKA ermitteln
Zuvor war es in drei anderen Fällen lediglich zur Androhung aus dem Holster gezogen worden - da jedoch mit Erfolg, wie Meissl sagt. Warum der tatsächliche Gebrauch der elektrischen Waffe am Dienstag offenbar keine Wirkung zeigte, kann die Polizeisprecherin nicht sagen. Sie verweist auf die laufenden Ermittlungen in dem Fall.
Das Bayerische Landeskriminalamt untersucht unter der Leitung der zuständigen Staatsanwaltschaft Augsburg die Rechtmäßigkeit des polizeilichen Schusswaffengebrauchs. Es ist ein übliches Vorgehen in solchen Fällen. In Augsburg kommt es selten vor, dass Polizisten schießen. Der verletzte 22-Jährige wurde am Uniklinikum operiert, laut Polizei und Staatsanwaltschaft befand er sich zu keiner Zeit in Lebensgefahr.
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