Im zweiten und dritten Stock der Augsburger Karstadt-Filiale ist das Flair von Warenhaus nicht mehr vorhanden. Stattdessen finden Kundinnen und Kunden leere Regale, Teile der Flächen sind mit einem rot-weiß gestreiften Flatterband abgesperrt und stehen als Symbol für das Ende einer Ära. Auf den verbliebenen Tischen mischen sich die Sortimente - Bademode trifft auf Spielwaren und Bettwäsche auf Geschirr. Es sieht mehr nach Luxusflohmarkt aus, als nach Warenhaus. Am 24. August ist letzter Verkaufstag. Bis dahin mischen sich in den vier Etagen fröhliche Schnäppchenjäger, wehmutige Kundschaft und trautrige Mitarbeitende.
Eine Kundin in einem langen Sommerkleid streift etwas verloren durch die Regale im dritten Stock. Sie wollte sich in der bisherigen Haushaltswarenabteilung nach einer Spülmaschine umsehen. Gefunden habe sie bislang keine, erzählt sie. Vermutlich seien sie schon alle weg. „Dass es mit dem Ausverkauf so schnell geht, hätte ich nicht gedacht“, zeigt sie sichtlich überrascht und geht weiter. Zwei Wochen vor Schließung sind viele Sortimente schon deutlich ausgesucht, auch bei der Bettwäsche braucht es Glück, will man noch die passende Größe finden. „Sie müssen einfach etwas Zeit mitbringen“, kommentiert eine ältere Dame und klappt weiter ein Paket nach dem anderen um, um doch noch das passende zu ergattern.
Schnäppchenjäger nutzen bei Karstadt in Augsburg Rabatte bis 70 Prozent
Viele Kundinnen und Kunden kommen derzeit wegen der Ausverkaufspreise zu Karstadt nach Augsburg. Auf unzähligen bunten Schildern werden Rabatte bis 70 Prozent angekündigt. Da wird die Marken-Pfanne oder die hochwertige Outdoorjacke zum Schnäppchen - zur Freude ihrer neuen Besitzer, die erfreut mit ihrer „Beute“ an die Kasse gehen. Doch es gibt auch wehmütige Kundschaft - so wie die 22-jährige Hannah. Ihr Opa habe bei Karstadt gearbeitet, sie selbst sei schon als Kind immer wieder im Laden gewesen, erzählt sie. Weil sie gerne näht, sei später die Kurzwarenabteilung zum beliebten Ablaufpunkt geworden. Heute wolle sie sich umsehen, ob sie noch etwas brauchen könne. „Es ist schon schade, dass es Karstadt bald nicht mehr gibt“, sagt sie.
Auch für die Beschäftigten rückt der Abschied näher. Mit ihnen ins Gespräch zu kommen, um über die Stimmung zu sprechen, ist schwierig. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus sind mittlerweile rar gesät. Einige der Kollegen hätten bereits neue Stellen gefunden, ist seitens der Belegschaft zu hören, dazu sei Urlaubszeit. Die Mitarbeitenden, die man trifft, sind in ihren Äußerungen zurückhaltend. Manche erzählen dann aber doch, ihnen gehe der Abschied nahe. „Ich war gerne hier“, sagt beispielsweise eine der Beschäftigten. Wie viele Mitarbeitende derzeit noch bei Galeria Karstadt in Augsburg sind, ist offen, vor Ort will man keine Zahlen nennen, zuletzt war von etwa 80 Beschäftigten die Rede gewesen. Die Arbeitsagentur erfahre erst Ende August, Anfang September, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch keine neue Stelle gefunden haben, heißt es auf Anfrage.
Aldi bleibt auch nach Auszug von Karstadt im Untergeschoss
Für die Kundinnen und Kunden ist dieser Tage allerdings weniger die Zukunft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Thema. Sie fragen sich vielmehr, wie es mit der Immobilie weitergehen wird, wenn Karstadt ausgezogen ist. Der Immobilienbesitzer will, wie berichtet, im Untergeschoss - wo Aldi als Mieter auch nach der Warenhaus-Schließung weiter bleiben wird - im Erdgeschoss sowie im ersten Stock wieder Einzelhandel ansiedeln. Für die Etagen darüber wird noch nach der passenden Nachnutzung gesucht. Ideen gibt es mehrere. Unter anderem könnte der Platz für eine Schule genutzt werden.
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