Ausflugsgaststätten und Biergärten sind keine Erfindung der Neuzeit. Vor dem Zeitalter von Fernsehen und Social Media waren sie notwendige Orte der Begegnung für die Bevölkerung – der Platz, an dem die Fäden zusammenliefen, sagt die Vorsitzende des Haunstetter Kulturkreises, Jutta Goßner. Auf der Suche nach Kulturspuren im Augsburger Stadtwald haben die geschichtsbegeisterten Haunstetter auch verschwundene Wirtshäuser entdeckt. Und Orte, die mit ihrem gastronomischen Ursprung heute so gar nichts mehr zu tun haben.
"Sehr oft gab es selbst in einem kleinen Dorf, wie auch in Haunstetten und der Meringerau (Siebenbrunn), mehrere Wirtshäuser", weiß Goßner. Daneben entstanden im unmittelbaren Umkreis der Städte, auch Augsburgs, ab dem 18. Jahrhundert Ausflugs- und Gartenwirtschaften, die vor allem am Wochenende zu geselligen Ausflügen einluden. Für die Besucher waren insbesondere die im Vergleich zu den Augsburger Wirtshäusern niedrigen Getränkepreise besonders attraktiv, erklärt sie. Die Forscherinnen und Forscher des Kulturkreises haben die Gasthäuser nicht gesucht. "Wenn man sich mit Siebenbrunn und dem Siebentischwald beschäftigt, stolpert man zwangsläufig darüber", sagt Kulturkreismitglied Gisela Mahnkopf.
Das beliebte Jägerhaus in Siebenbrunn ist zwar immer noch geschlossen – es ist aber gar nicht das erste Jägerhaus in Haunstetten. Das um 1600 erstmals erwähnte Jägerhaus ("Bayerhäusl") an der heutigen Krankenhausstraße lag im altbayerischen Gebiet, im damaligen Ausland, und diente den bayerischen Jägern als Dienstsitz mit beliebter Gaststätte samt Gutshof. Der "Statt Weeg" führte durch den Wald nach Augsburg und ein Weg über mehrere Bäche führte nach Haunstetten. Durch eine Stiftung von Georg Käß konnte die Gemeinde Haunstetten 1897 das Anwesen erwerben und in ein Gemeindekrankenhaus umbauen. Die Schankerlaubnis wurde auf das zweite Jägerhaus (an der Bgm.-Widmeier-Straße) übertragen. Nach dem Abriss 1969 wurde sein Bauschutt zum beliebten Rodelberg. Unweit steht nun das heutige Uniklinikum Süd.
Gastwirtschaft zu den sieben Brunnen: 1877 kaufte Georg Meister vom damaligen Fabrikbesitzer Höppl im Unterdorf (auch Fabrikdorf oder Kolonie genannt) den Grund für die Gaststätte "Fabrikwirt". Gartenhaus, Kegelbahn und Schießstand kamen 1893 hinzu. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb 1938 die Stadt Augsburg die Gastwirtschaft und verpachtete sie bis 1974 an eine Augsburger Brauerei. 1974 wurde der Gasthausbetrieb eingestellt, 1977 beschloss der Augsburger Stadtrat die Absiedelung des Ortsteils Siebenbrunn-Ost, ab 1978 erfolgte der Abriss wegen des Trinkwasserschutzes.
Siebentisch-Gaststätte: Die Gastwirtschaft war seit 1602 eine städtische Holzwarte, der Holzwart durfte an sieben Tischen Gäste bewirten. Nach und nach entwickelte sie sich zu einem beliebten Ausflugsziel. Ab 1920 gab es sogar Straßenbahnanschluss! 1924 wurde der "Stempflesee", ein naturnahes Parkgewässer, gleich bei der Siebentisch-Gaststätte am Waldrand angelegt. 1944 zerstörten Luftangriffe die Gaststätte, das Gelände wurde aufgeforstet.
Hochablass-Gaststätte: Durch das furchtbare Hochwasser 1910 wurde die 1898 von Stadtbaurat Friedrich Steinhäußer (1852-1929) westlich des Wehres errichtete Gaststätte vollständig zerstört. Dieses Hochwasser überflutete auch weite Teile Haunstettens, beispielsweise das Gemeindekrankenhaus und das Elektrizitätswerk, sowie Siebenbrunn. 1914 wurde die Gaststätte durch den Augsburger Stadtbaurat Otto Holzer (1874-1933; er war auch der Erbauer der Schule in Siebenbrunn) neu errichtet. Sie blieb weiterhin ein beliebter Ort für Festivitäten und rauschende Faschingsbälle. 1979 wurde sie wegen des Trinkwasserschutzes abgerissen.
Siebenbrunnenbad: 1804 eröffnete der Arzt Karl Friedrich Niethammer (seit 1787 in Augsburg ansässig, gestorben 1809) in der Meringerau eine Badeanstalt samt Gutshof mit Schankerlaubnis. Nach seinem Tod führte seine Witwe es noch einige Jahre weiter. Der Badebetrieb wurde nach einiger Zeit eingestellt und das Gut entwickelte sich immer mehr zum Ausflugslokal. Der letzte Besitzer Philipp Ulrich aus Deiningen verkaufte es 1905 der Stadt Augsburg, die es dann verpachtete. 1981 ließ es die Stadt Augsburg wegen des Trinkwasserschutzes abbrechen und das Gelände renaturieren.
Gaststätte des Garnisonsschießplatzes, später "Zum Harrer": 1886 ging der Garnisonsschießplatz im Haunstetter Wald in Betrieb. Seine Gaststätte war anfangs nur dem Militär vorbehalten. Unter dem Pächter, dem Schießplatzaufseher und Feldwebel Michael Harrer, entwickelte sie sich seit den 1930er-Jahren zum beliebten Ausflugslokal mit schattigem Biergarten. Viele Siebenbrunner waren hier zu Gast, da die Preise angeblich niedriger als in Haunstetten waren. Als die US-Army in den 1980er Jahren den Schießplatz aufgab, verschwand auch die Gaststätte. Nur noch einige Kastanien erinnern an sie im heutigen Naturschutzgebiet.