Die Abgabestelle nahe der Augsburger Kahnfahrt ist bei Anwohnern des Viertels beliebt: Neben einem Altkleidercontainer stehen dort weitere Container für Glasflaschen. An den Anblick von leeren und teils kaputten Flaschen, die oft vor den überfüllten Containern liegen, hat man sich in den zurückliegenden Jahren gewöhnt. Jetzt aber gibt es ein anderes Ärgernis: Immer mehr Sperrmüll wird illegal an den diversen Sammelpunkten in der Stadt abgelagert. Jemand hat einen nicht mehr benötigten Stuhl abgestellt, Elektroschrott liegt am Boden, die Container selbst sind überfüllt. Illegal entsorgter Sperrmüll wird zu einem immer größer werdenden Problem im Stadtgebiet, was nun Konsequenzen haben soll.
Die Stadt Augsburg kündigt jetzt verstärkte Kontrollen an. Zudem möchte sie gegen überführte Müllsünder strenger vorgehen. Diese Reaktion kommt nicht von ungefähr: In den zurückliegenden drei Monaten wurden 180 Fälle von illegaler Entsorgung aktenkundig, es folgten bereits Strafanzeigen in zweistelliger Höhe.
Anwohner in der Jakobervorstadt schimpft über Müllsünder
Die härtere Vorgehensweise der Stadt findet Zustimmung bei einem Mann, der regelmäßig seinen Hund an der Oblatterwallstraße in der Jakobervorstadt spazieren führt. "Über Dinge, die hier nichts an den Containern zu suchen haben, ärgere ich mich maßlos", sagt er. Da auch einige Menschen das Viertel als Durchfahrtsroute nutzen, müsste der Übeltäter gar nicht in der Nachbarschaft wohnen, spekuliert der Mann: "Ich sehe auch das Problem, dass andere Menschen sich vom abgestellten Sperrmüll anstiften lassen." Wo Sperrmüll liege, könnte weiterer Abfall folgen.
Die Stadt bestätigt auf Anfrage, dass sie die Wut des Anwohners nicht überrascht. Es gebe vermehrt Klagen über illegal entsorgten Sperrmüll. Diese Entwicklung bestätigt auch der Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb (AWS), der sich um die Müllentsorgung kümmert. Die Beschäftigten nehmen auf ihren Touren wahr, wo überall illegal Müll abgelegt ist. Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) liefert aktuelles Zahlenmaterial: Von Anfang September bis Ende November seien insgesamt 200 Fälle gemeldet worden. Mitunter waren es mehrere Personen, die unabhängig voneinander auf einen Fall einer Ablagerung hinwiesen. In der Summe waren es 180 Einzelfälle.
Die Praxis zeigt: Illegal entsorgter Sperrmüll liegt neben Wertstoffinseln, in Wohngebieten und teils auf Wiesen und im Wald. Erben ist froh, dass Bürger sich darüber aufregen und die Stadt informieren: "Die eingehenden Meldungen zeigen, dass die Augsburgerinnen und Augsburger sensibilisiert sind und mit den Meldungen einen wichtigen Beitrag für eine saubere Stadt leisten." Die Stadt lässt unbeantwortet, wie sie vorgeht, um Müllsündern auf die Spur zu kommen. Werden die Ermittler erst fündig, können rechtliche Schritte eingeleitet werden. Erben: "Seit September wurden rund 100 Hinweise auf die Identität möglicher Verursacher gesichert."
In den zurückliegenden drei Monaten gab es 70 Anzeigen gegen Müllsünder
Bei diesen genannten 100 Fällen habe es insgesamt 70 Strafanzeigen gegeben, sagt Erben: "Aufgrund der unzureichenden Beweislage konnten in 30 Fällen keine rechtlichen Schritte eingeleitet werden." Die Höhe der Geldbuße ist abhängig von Art und Umfang des rechtswidrig abgelegten Sperrmülls. Verhängte Geldbußen drehen sich um mehrere hundert Euro, können aber auch bis zu 2500 Euro betragen. Entsprechende Schilder seien an Wertstoffinseln angebracht, heißt es beim AWS.
Umweltreferent Erben hat kein Verständnis für Müllsünder. Er weist darauf hin, dass es unkomplizierte Wege gebe, Sperrmüll zu entsorgen. Sperrige Abfälle und große Elektrogeräte (eine Kante größer als 50 Zentimeter) können kostenfrei und ohne Terminvereinbarung an Wertstoff- & Servicepunkten abgegeben werden. Zwei Adressen im Stadtgebiet werden aufgeführt.
Wertstoff- & Servicepunkte Johannes-Haag-Straße, Holzweg und Unterer Talweg: Dienstag und Mittwoch: 8 bis 12 und 13 bis 15 Uhr; Donnerstag: 8 bis 12 und 13 bis 18 Uhr; Freitag und Samstag: 8 bis 12 und 13 bis 15 Uhr: Montag geschlossen
Wertstoff- und Servicepunkt Oberer Auweg: Montag bis Freitag: 8 bis 12 und 13 bis 16 Uhr; Samstag 9 bis 12 Uhr
Zudem ist die Abholung von Sperrmüll über eine Terminbuchung beim Kundencenter des AWS telefonisch unter 0821 / 324 4884 oder per Formular auf der Homepage unter aws.augsburg.de/sperrmuell möglich. Darüber hinaus kann der Service zur Terminbuchung einer Sperrmüllabholung auch auf der AWS Abfallplaner-App komfortabel genutzt werden.