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Augsburg: Jugendgruppen beschäftigen die Polizei auf dem Plärrer in Augsburg

Augsburg

Jugendgruppen beschäftigen die Polizei auf dem Plärrer in Augsburg

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    Die Polizei ist mit vielen Beamten auf dem Osterplärrer im Einsatz - bestimmte Jugendgruppen haben sie besonders im Blick.
    Die Polizei ist mit vielen Beamten auf dem Osterplärrer im Einsatz - bestimmte Jugendgruppen haben sie besonders im Blick. Foto: Annette Zoepf

    Samstagabend am Seiteneingang zum Plärrer. Es ist nach 20 Uhr. Wer jünger als 16 Jahre ist, darf jetzt nicht mehr alleine auf den Festplatz. Vier Jugendliche, sie tragen alle dunkle Kapuzenjacken und eine Bauchtasche, probieren es dennoch. Sie werden von den Sicherheitsleuten am Eingang gestoppt. Als es Diskussionen gibt, eilt sofort eine Gruppe von Polizisten hinzu. Die Beamten stellen sich den Jugendlichen in den Weg und bilden einen Kreis um sie. Ein Beamter richtet eine Videokamera auf das Geschehen. Niemand soll die Kontrolle jetzt stören; und im Zweifel soll alles dokumentiert sein.

    Szenen wie diese gibt es derzeit öfter auf dem Osterplärrer. Die Polizei zeigt massiv Präsenz, erstmals wird das Gelände auch mit Videokameras überwacht. Besonders im Blick haben die Beamten dabei Jugendgruppen, die der Polizei auch außerhalb des Plärrers Probleme bereiten. Einige sind auffallend jung, auch Zehn-, Elf- oder Zwölfjährige gehören zu den Gruppen. Und der Respekt vor der Polizei ist meist nur gering.

    Polizist Jörg Eisele verschafft sich mit Hilfe der Videoüberwachung einen Überblick über die Situation auf dem Osterplärrer.
    Polizist Jörg Eisele verschafft sich mit Hilfe der Videoüberwachung einen Überblick über die Situation auf dem Osterplärrer. Foto: Michael Hochgemuth

    Die Kontrolle am Plärrereingang läuft relativ ruhig ab. Nur einmal zieht ein Beamter kräftig an den Händen eines Jugendlichen – der hatte nicht reagiert, als der Polizist ihn aufgefordert hatte, die Hände aus den Taschen zu nehmen. Ähnlich ist es am Freitagabend, dieses Mal am Hintereingang in Richtung Wertach. Dort fangen Beamte eine größere Gruppe Jugendlicher schon auf der anderen Straßenseite ab, noch ehe sie den Eingang erreichen. Es folgen ein paar Diskussionen, dann ziehen sie wieder ab. Nicht immer bleibt es so ruhig. Vor allem am Osterwochenende hatten die Beamten immer wieder Mühe, ihre Kontrollen durchzuziehen. Es gab das, was Polizisten "Rudelbildung" nennen. Es bildeten sich Gruppen von 20, 30 Jugendlichen, die sich einmischten, beschwerten und die Kontrollen störten. Die Beamten mussten die Jugendlichen teils abdrängen und wegschieben. Immer wieder hörten sie Sätze wie: "Von Dir lass' ich mir nichts sagen".

    Plärrer in Augsburg: Ärger mit Betrunkenen hält sich für die Polizei in Grenzen

    Der Polizeibeamte Jörg Eisele ist seit Jahren auf dem Plärrer im Einsatz. Er ist mitverantwortlich für den Betrieb der Plärrerwache. Dass sich die Wut der Jugendlichen teils so gegen die Beamten richtete, war für ihn neu. Ärger mit Betrunkenen in den Bierzelten gebe es – trotz des großen Ansturms und abgesehen von einzelnen Ausnahmen – eher weniger. Dafür hatte die Polizei nun mehr mit den Jugendgruppen zu tun - vor allem in den ersten Plärrertagen. Die Augsburger Polizei warnt schon seit einiger Zeit vor der Entwicklung. Polizisten haben in den vergangenen Jahren viele Erkenntnisse zu teils kriminellen Jugendgruppierungen gesammelt. So sollen in der Stadt etwa 300 Personen in Jugendgruppen sein. Größte Gruppierung sind die "54er" aus Oberhausen, die Polizei rechnet ihnen etwa 150 Mitglieder zu. Die Gruppen definieren sich über ihre Stadtteile, 54 steht für die beiden letzten Ziffern der Postleitzahl.

    Eine Gruppe von Polizeibeamten kontrolliert mehrere Jugendliche vor dem Plärrer-Eingang.
    Eine Gruppe von Polizeibeamten kontrolliert mehrere Jugendliche vor dem Plärrer-Eingang. Foto: Jörg Heinzle

    Längst nicht alle in den Gruppen sind oder werden straffällig, das betont man bei der Polizei. Allerdings ist das Risiko größer – denn Ermittlungen deckten zuletzt auch kriminelle Aktivitäten auf, darunter Drogenhandel in größerem Stil. Mädchen oder Frauen, heißt es von der Polizei, seien die Ausnahme, über 90 Prozent seien männlich. Viele haben einen Migrationshintergrund – aber es ist nicht eine bestimmte Gruppe, es sind viele verschiedene Nationalitäten. Martialische Rollenmuster aus Rap-Songs haben für sie eine große Bedeutung, unter den Jugendlichen gelte oft das Recht des Stärkeren. Das zeigt sich auch auf dem Plärrer. Immer wieder schubsen oder boxen sich die Jugendlichen – meist wirkt es eher als ein Ritual oder ein freundschaftliches Kräftemessen, doch für Außenstehende ist das nur schwer einzuschätzen. Ein Karussellbetreiber meint: "Solche größeren Gruppen können dafür sorgen, dass sich Familien weniger wohlfühlen auf dem Platz." Einige Rückmeldungen dazu habe er von Stammgästen bekommen.

    Erstmals gibt es eine Videoüberwachung auf dem Plärrer-Volksfest in Augsburg

    Dass Rivalitäten unter den Gruppen nicht nur Spaß sind, zeigen auch die Funde, die Sicherheitsleute und Polizisten auf dem Plärrer gemacht haben. Mehrere Messer wurden bisher entdeckt. Ein zehnjähriger Junge hatte ein Springmesser dabei – "zur Verteidigung", wie er erklärte. Das Mitführen von Messern ist auf dem Plärrer verboten. Damit bei den Einlasskontrollen weniger unentdeckt bleibt, hat die Stadt die Zahl der Sicherheitsleute deutlich aufgestockt. Eine Hilfe bei der Arbeit ist für Polizisten auch die Videoüberwachung, die es erstmals gibt. In der Plärrerwache laufen die Live-Bilder von mehreren Kameras zusammen, die das Gelände im Blick haben. "So können wir frühzeitig sehen, wo sich etwas anbahnen könnte", sagt Jörg Eisele. Beamte könnten sich in der Nähe positionieren – und einen Konflikt verhindern, noch ehe er richtig ausbricht. Die Aufnahmen werden für zwei Wochen gespeichert. Das kann bei der Aufklärung von Straftaten helfen. Denn die Bilder sind so gut, dass man einzelne Personen erkennen kann.

    Generell, betont auch Polizist Eisele, sei der Plärrer ein weitgehend friedliches Fest. Besucher könnten sich sicher fühlen. Wenn, dann gebe es Rivalitäten bei den Jugendgruppen eher untereinander. Teil des Sicherheitskonzeptes ist es auch, dass "Plärrer-Verbote" verhängt werden können gegen jene, die sich nicht an die Regeln halten. Rund ein halbes Dutzend dieser Verbote wurden bereits ausgesprochen. Die Betroffenen dürfen den Osterplärrer nicht mehr besuchen. Nicht mehr dabei sein zu können – für manche ist das schon die größte Strafe.

    Der aktuelle Plärrer ist auch Thema in unserem Podcast "Augsburg, meine Stadt". Dort haben wir BRK-Kreisbereitschaftsleiter Martin Eigl über die Erlebnisse der ehrenamtlichen Sanitäter auf dem Plärrer gesprochen. Hier können Sie die Folge anhören:

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