Die Sanierung des Theaters wird deutlich teurer werden als ursprünglich veranschlagt. Die Stadt stellte am Mittwoch den aktuellen Kostenstand vor. Ganz am Anfang war von 186 Millionen Euro die Rede gewesen, wovon etwa die Hälfte über staatliche Zuschüsse finanziert wird. Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) stellte am Mittwoch nun verschiedene Szenarien für die weitere Sanierung vor: Im günstigsten Fall käme die Stadt bei der angepeilten Fertigstellung 2026 auf 247 Millionen Euro, im ungünstigsten Fall auf 321 Millionen. Es war nicht das erste Mal, dass eine Kostensteigerung bekannt gegeben worden war.
Augsburg: Weitere Schulden wegen Theatersanierung?
Die Summen errechnen sich zum einen durch bisher schon eingetretene und prognostizierte Baupreissteigerungen, zum anderen durch eine deutliche Verteuerung des geplanten Neubaus für zweite Spielstätte, Verwaltung, Probenräume und Werkstätten. Weber sprach von einem in finanzieller Hinsicht „herausfordernden Sachverhalt“. Vermutlich werde man zu den bestehenden Theaterkrediten, an denen die Stadt bis zum Jahr 2039 zu zahlen hat, noch weitere Schulden aufnehmen müssen.
Die Stadt hatte bei der Verabschiedung des Projekts 2016 Kosten von 186,3 Millionen in den Raum gestellt, wobei schon damals gesagt wurde, dass sich die Theatersanierung durch die allgemeinen jährlichen Baupreissteigerungen wohl noch verteuern werde. Die Höhe der Preissteigerungen und was sie am Ende bedeuten könnte, ließ die Stadt aber offen – man habe keine Glaskugel, hieß es damals.
Was damals schon von Kritikern vorhergesagt wurde, liegt nun schwarz auf weiß vor. Die Stadt hat berechnet, dass allein die Baupreissteigerungen mit zig Millionen zu Buche schlagen werden. In den vier Jahren seit 2016 gab es teils Steigerungen von fünf Prozent jährlich. Für die kommenden Jahre hat die Stadt ausgerechnet, was bei 2,5 bzw. fünf Prozent jährlich am Ende als Summe stehen würde.
Auch abgespeckte Planung schafft keine Kostenbremse
Doch das macht nur einen Teil der Verteuerung aus. Denn während laut Stadt bei der Sanierung des Großen Hauses bisher alles im Kotenkorridor läuft, wird der geplante Neubau mit zweiter Spielstätte an der Volkhartstraße und Proberäumen, Werkstätten und Verwaltung an der Kasernstraße deutlich teurer. Vor einem Jahr war bekannt geworden, dass die Schätzkosten von 72 Millionen Euro nicht einhaltbar sind, unter anderem wegen höherer Grundwasserstände als angenommen und Brandschutzauflagen. Architekt Walter Achatz kam auf 125 Millionen Euro Kosten und bekam vom Stadtrat in der Folge den Auftrag, umzuplanen. Ziel: 92 Millionen Euro Kosten.
Doch nun steht fest: Das lässt sich trotz einer abgespeckten Planung nicht einhalten. „Man ist da schnell an Grenzen gestoßen“, so Merkle. Die von Achatz angedachte Einsparung bei Lüftung oder Bühnentechnik lasse sich nicht umsetzen. Andernfalls sei etwa absehbar, dass in der zweiten Spielstätte ständig dicke Luft herrschen würde. Am Ende stehen für den Neubau-Komplex nach jetziger Planung 115 Millionen Euro im Raum. Das Theater könne mit der Lösung leben, auch wenn sie abgespeckt ist.
Merkle nennt Preissteigerung beim Theater "erschreckend"
Sollte diese Variante umgesetzt werden, würden die künftigen prozentualen Baupreissteigerungen in absoluten Zahlen noch stärker durchschlagen. Merkle bezeichnete die Kostenschätzung als „erschreckend“. Mit dem Münchner Büro Achatz sei man dennoch zufrieden, so Merkle auf Nachfrage. Das Büro habe die Planungen von ersten Überlegungen zu konkreteren Plänen schrittweise konkretisiert. Dabei seien die Mehrkosten deutlich geworden.
Die Zahlen seien „für viele schockierend, aber sie sind seriös“, so Merkle. Im Nachhinein wäre es 2016 vielleicht besser gewesen, verschiedene Szenarien der künftigen Baupreissteigerung in konkrete Zahlen zu fassen und öffentlich zu machen, aber der Sachverhalt sei grundsätzlich jedem Stadtrat bewusst gewesen. Vor diesem Hintergrund habe die Stadt damals transparent gehandelt. Wie berichtet gab es damals auch ein Bürgerbegehren gegen die Theatersanierung, das sich gegen die Kreditfinanzierung wendete und Mehrkosten befürchtete, allerdings brachte es nicht die notwendige Zahl an Unterschriften zusammen.
Politischer Schlagabtausch in Augsburg erwartet
In der Stadtratssitzung in einem Monat sollen die Stadträte darüber entscheiden, wie es mit dem Neubau am Theater weitergehen soll. Bis dahin ist mit einem politischen Schlagabtausch zu rechnen. Die SPD hatte bereits im Wahlkampf gefordert, die aktuelle Interimsspielstätte am Gaswerk dauerhaft zu behalten, um so die Kosten für den Neubau-Komplex zu reduzieren. Allerdings müsste die Stadt dann dauerhaft Miete zahlen.
Weber sagte am Mittwoch, weiterhin zur Lösung mit einem zentralen Standort in der Innenstadt zu stehen. Beim Theater handle es sich um eine kulturelle Institution, die für künftige Generationen da sein werde und den Stellenwert der Kultur in der Metropole Augsburg dokumentiere. Als Nächstes stünden Gespräche mit dem Freistaat an, der einerseits Fördergeber ist und andererseits zur Hälfte der Hausherr, da das Staatstheater von Stadt und Freistaat gemeinsam betrieben wird. Sollten weitere Kredite aufgenommen werden müssen, so Weber, werde die Stadt darauf achten, genug Geld für andere Aufgaben zur Verfügung zu haben.
Lesen Sie hier den Kommentar von Nicole Prestle: Theater: Die Stadt steht vor einem Dilemma
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