Die Hallen in der Dasinger Straße 11 am Rande des Lechhauser Industriegebiets wirken unscheinbar. Auf Hochtechnologie weist zumindest äußerlich nicht viel hin. Doch an diesem Ort arbeiten rund 350 Menschen an Entwicklungen der Zukunft. Seit 2006 ist hier der Hersteller von Antriebssystemen, die Rolls-Royce-Group, tätig. Sie baut und testet vor Ort Gasaggregate, die bei Kunden zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt werden – sei es als Gaskraftwerk, Notstromaggregat oder Blockheizkraftwerk. Demnächst liefert der Standort Augsburg seinen ersten Motor für den Betrieb eines Blockheizkraftwerks aus, der zu 100 Prozent mit Wasserstoff betrieben wird. Er geht an ein Pilotprojekt in Duisburg. Rolls-Royce hat mehrere Millionen in den Standort Augsburg gesteckt, um hier die Wasserstofftechnologie weiter voranzutreiben. Indirekt unterstützen die Aktivitäten vor Ort auch die Energiewende für Augsburger Bürgerinnen und Bürger.
Der Standort von Rolls-Royce in Augsburg gehört zu Sparte Power Systems, einem von drei Geschäftsfeldern der Rolls-Royce-Group, die schon seit vielen Jahren unabhängig von der bekannten Luxusautomarke agiert. In Augsburg werden Gasverbrennungsmotoren, die aus dem Motorenwerk in Friedrichshafen geliefert werden, mit einem Generator kombiniert und dann auf kundespezifische Anforderungen angepasst und getestet. „Hier müssen Standortbedingungen, klimatische Bedingungen oder die genauen Einsatzzwecke der Motoren beachtet werden“, erklärt Standortleiter Tobias Schnell. Die Aggregate kämen überall dort zum Einsatz, wo Strom oder Wärme oder im Idealfall beides als Blockheizkraftwerk gebraucht werde. Klassische Einsatzgebiete seien unter anderem Schwimmbäder oder energieintensive Industrien, etwa die Textilindustrie. Oder auch der Einsatz als Biogasaggregat in der Landwirtschaft.
Rolls-Royce testet in Augsburg wasserstofffähige Motoren
Ende des Jahres liefert Rolls-Royce Augsburg eines seiner Aggregate nach Duisburg, wo es künftig als Blockheizkraftwerk den Binnenhafen mit Strom und Wärme versorgen soll. Es geht um das Pilotprojekt „enerPortII“. Im Duisburger Hafen entsteht das größte Containerterminal im europäischen Hinterland und das Erste, das mit Einsatz von Wasserstoff komplett klimaneutral arbeiten wird. Die beiden Rolls-Royce-Motoren werden entsprechend zu 100 Prozent mit Wasserstoff betrieben. In Augsburg gibt es hierfür den passend ausgestatteten Prüfstand, der Testläufe ermöglicht. Zehn Millionen Euro sind zuletzt in den Standort investiert worden – unter anderem in die Wasserstoff-Infrastruktur und Lagermöglichkeiten für den Treibstoff. „Nahezu täglich erreicht uns ein Lkw mit einer entsprechenden Lieferung“, erzählt Tobias Schnell. Das ursprüngliche Vorhaben, grünen Wasserstoff einzusetzen, sei allerdings nicht umsetzbar gewesen.
Die 100-Prozent-Wasserstoffmotoren seien bislang nicht als Serienproduktion angedacht, „Es fehlt noch an der entsprechenden Nachfrage“, so Schnell. Allerdings: Alle Gasverbrennungsmotoren von Rolls-Royce seien bereits wasserstofffähig, also darauf ausgelegt, einmal mit einer Beimischung von 25 oder mit 100 Prozent Wasserstoff betrieben werden zu können. „Hier müssen wir uns entsprechend positionieren und vorn dabei sein. Hier bestehen auch Ansprüche aufseiten der Kunden“, erzählt Schnell. Prognosen, wie schnell und in welchem Umfang sich der Einsatz von Wasserstoff durchsetzen wird, käme dem Blick in die Glaskugel gleich. Viel hänge von politischen Entscheidungen ab, schätzt Schnell ein. Noch sei mit der Entwicklung entsprechender Aggregate kein Geld verdient, man gehe in bestimmten Maße ein Risiko ein. „Das trifft aber auch die Mitbewerber.“ Neben Wasserstoff würden auch andere alternative Treibstoffe in Augsburg getestet. Darunter Biogas oder synthetische Kraftstoffe.
Rolls-Royce Augsburg speist künftig Abwärme ins Fernwärmenetz ein
So wie Rolls-Royce versucht, seine Produkte umweltfreundlicher zu machen, will es auch den eigenen ökologischen Fußabdruck als Unternehmen verbessern. Am Standort Augsburg werde schon heute durch die Testläufe in den Prüfständen fünfmal so viel Strom produziert, wie man selbst benötige. Den Überschuss speise man ins öffentliche Netz ein. Künftig soll auch die Abwärme, die bei den Motorentests entsteht, genutzt und für das Fernwärmenetz der Stadtwerke zur Verfügung gestellt werden. „Wir können so pro Jahr etwa 500 Haushalte mit Wärme versorgen“, so Schnell. Bislang werfe man diese Energien einfach weg. Das könne und wolle man sich mit Blick auf die Energiewende nicht mehr leisten.
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