Augsburg: SPD legt Konzept für eine „Fugger-Promenade“ vor
Augsburg
SPD legt Konzept für eine „Fugger-Promenade“ vor
Die Fuggerstraße ist seit etwa 15 Jahren ein ungestalteter Nicht-Ort in der Augsburger Innenstadt. Die Stadt will einen schrittweisen Umbau, der SPD geht das nicht weit genug.
Die Illustration zeigt die umgestaltete Fuggerstraße nach einem Entwurf der Architekten Eberhard Wunderle und Sebastian Berz mit insgesamt vier Baumreihen und verbreiterten Gehwegen.Foto: Winhard 3d
Die SPD unterstützt einen Entwurf der Architekten Eberhard Wunderle und Sebastian Berz (er ist zugleich Vorsitzender der Alt-Augsburg-Gesellschaft). Wunderle, der das Konzept des „autofreien Kö“ vor 15 Jahren miterdacht hatte, hatte schon damals im Zuge der Innenstadt-Verkehrsumlegung einen ähnlichen Entwurf wie jetzt für die Fuggerstraße vorgelegt, der auch beschlossen wurde. Umgesetzt wurde er allerdings nie.
Die Fuggerstraße ist aktuell eine überbreite Asphaltschneise, nachdem sie ihre Funktion als Hauptverkehrsstraße im Zuge des Innenstadtumbaus vor etwa 15 Jahren verloren hat.Foto: Anna Kondratenko
Die damalige Planung hätte nämlich zunächst die Fällung aller Bäume vor einer Neupflanzung vorgesehen und in der Umsetzung mehr als zehn Millionen Euro gekostet. Weil das politisch und finanziell schwierig geworden wäre, schob die Stadt das Vorhaben jahrelang vor sich her. Baureferent Steffen Kercher, der vor zweieinhalb Jahren seinen Posten antrat, entwickelte schließlich die Idee mit der Musterstrecke. Die alte Planung sei wegen der Baumfällungen nicht umsetzbar. Um mal ins Machen zu kommen und nicht neue Planungsschleifen zu drehen, schlug Kercher die Musterstrecke vor, ohne einen erneuten Wettbewerb auszuschreiben. Zur Frage, ob sie auch bei Gefallen in der Bürgerschaft zum Ende des Versuchs wieder komplett abgebaut werden muss, herrscht Unklarheit. Erst bejahte die Stadt die Frage mit Blick auf Leitungen im Boden eindeutig, zuletzt wurde angedeutet, dass das doch nicht ganz klar sei. Die Bäume sollen aber in jedem Fall zunächst in Pflanzkübeln kommen und erst in einem zweiten Schritt dauerhaft gepflanzt werden.
SPD Augsburg: „Die Zeit der Provisorien ist vorbei“
Sowohl das geplante scheibchenweise Vorgehen als auch die städtische Planung halten die beiden Architekten und die SPD aber für Humbug. „Die Zeit der Provisorien in der Fuggerstraße ist jetzt mal vorbei“, so Freund. Es gebe nun eine Planung, zu der man auch die Meinung der Bürgerschaft abfragen könne, statt mit Pflanzkübeln zu experimentieren. Auch das Argument der Stadt, dass Illustrationen von Planungen teuer seien und bei den 300.000 Euro gegengerechnet werden müssen, sei nicht stimmig. Der Augsburger Innenarchitekt Helmut Winhard, der sich auf Visualisierungen spezialisiert hat, sagt, er habe der Stadt zu Beginn der politischen Debatten über die Musterstrecke kostenlos Illustrationen angeboten, ohne dass eine Reaktion gekommen wäre. Daraufhin habe er den jetzt vorgelegten Entwurf von Wunderle/Berz visualisiert.
Laut Freund werde man geschätzt 15 bis 20 Millionen Euro in die Hand nehmen müssen (abzüglich einer Städtebauförderung), aber eine Aufwertung und Belebung der Innenstadt sowie mehr Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel durch zusätzliche Bäume beginne genau an dieser Stelle. „Da ist es am Leichtesten, etwas zu tun“, so Freund.
Fuggerboulevard in Augsburg: Bis zu 60 neue Bäume
Laut Wunderle würde es auf 45 Neupflanzungen von Bäumen durch die neuen Alleereihen hinauslaufen. Wenn man die Fläche vor dem Patrizia-Firmensitz dazunehme, wären es 60 Neupflanzungen. Im Gegensatz zu alten Planungen würden die Bestandsbäume nun nicht gefällt werden, um eine einheitliche Kronenhöhe zu bekommen. „Heute hat sich die Einstellung zu Bäumen gewaltig geändert“, so Wunderle. Einen Höhenversatz müsse man in Kauf nehmen. Wunderle betonte, es gehe ihm um eine „friedliche Planung“, die alle Interessen von Verkehrsteilnehmern berücksichtigt, und keine Konfrontation mit der Stadt. Sein Vorstoß sei mit Architektenverbänden und Interessengruppen abgestimmt. Berz, der als Vorsitzender der Alt-Augsburg-Gesellschaft ein Bürgerbegehren für mehr Stadtgrün ankündigt (wir berichteten), betonte, dass nur Bäume ab einer gewissen Größe das Klima vor Ort durch Schattenwurf und Verdunstung beeinflussen können. Die Musterstrecke mit ihrem durchgehenden Grünstreifen zwischen den Bestandsbäumen, der die Nutzung des Schattens durch Passanten erschwert, sei keine Klimainsel. Nötig sei eine fundierte Planung, die nun vorliegt. „Provisorien sind gelebte Unentschlossenheit“, so Berz.
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