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Debatte: Als wäre es schon immer so gewesen

Debatte

Als wäre es schon immer so gewesen

Stefan Krog
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    Im Jahr 1965 war der Martin-Luther-Platz (der Goldschmiedbrunnen stand damals noch weiter östlich) noch für Autos befahrbar, genauso wie die Annastraße im Hintergrund.
    Im Jahr 1965 war der Martin-Luther-Platz (der Goldschmiedbrunnen stand damals noch weiter östlich) noch für Autos befahrbar, genauso wie die Annastraße im Hintergrund. Foto: Sammlung Häußler

    Als die Stadt Augsburg 1967 als eine der ersten deutschen Städte damit begann, eine Fußgängerzone in der Annastraße einzurichten, gab es erst einmal Gegenwind: Die Fußgängerzone werde Umsatzeinbußen bringen, die Belieferung werde schwierig und überhaupt könne man sich das alles nicht vorstellen, hieß es von Geschäftsleuten. Gekommen ist es anders: Die Annastraße, deren Gehsteige ohnehin zu schmal geworden wären, ist seit Jahrzehnten die teuerste Ladenlage in Augsburg, die Passantenfrequenzen sind dort - abgesehen von der kurzen Maxstraße, die in den 90er Jahren zur Fußgängerzone wurde - die höchsten in Augsburg. Dass sie höher sein könnten, steht auf einem anderen Blatt - die Fußgängerzone ist aber nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.

    Der Martin-Luther-Platz ist seit Jahrzehnten Bestandteil der Fußgängerzone, vor gut zehn Jahren erneuerte die Stadt das Pflaster und gestaltete ihn um.
    Der Martin-Luther-Platz ist seit Jahrzehnten Bestandteil der Fußgängerzone, vor gut zehn Jahren erneuerte die Stadt das Pflaster und gestaltete ihn um. Foto: Anna Kondratenko

    Die Diskussion über Fußgängerzonen und Verkehrsberuhigung ist zuletzt wieder aufgelebt, nachdem die Maximilianstraße nach dem rechtlich gescheiterten und inhaltlich nur teils überzeugenden Fußgängerzonenversuch jetzt in ganzer Länge leicht umgestaltet werden soll, die Hallstraße zum verkehrsberuhigten Bereich werden soll und auch in der Altstadt am Vorderen Lech ein kleines Stück Fußgängerzone entstehen könnte (auch wenn inzwischen feststeht, dass der Durchgangsverkehr in der Altstadt eher ein imaginäres Problem ist).

    Das Verdrängen des Autos als stadtdominierender Faktor geschah in Augsburg bisher auf behutsame Weise. Am radikalsten waren die Fußgängerzonenausweisungen in den 60er und 70er Jahren und die Altstadtsanierung in den 80er Jahren mit Verkehrsberuhigung gleich eines ganzen Viertels. Danach beschränkte sich die Stadt auf einzelne Straßenzüge, etwa im Zuge des Kö-Umbaus mit dem autofreien Kö in den 2010er Jahren. Von einer systematischen Benachteiligung des Autos kann man nicht sprechen: Verkehr wurde verlagert statt eingeschränkt, mit der Schleifenstraße entstand vorher eine Umgehungsstraße, die das alles erst möglich machte. Und der Wegfall von Parkplätzen etwa am Ernst-Reuter-Platz oder im Annahof wurde begleitet von neuen Tiefgaragenbauten entlang der Fuggerstraße (Annahof, Patrizia), die die Streichungen überkompensierten.

    Die Projekte für die kommenden Jahre sehen vor, den Bahnhofsvorplatz neu zu bauen, wo Parkplätze künftig stärker an den Rand geschoben werden als es bei dem Vorgängerplatz, der im Zuge des Tunnelsbaus weichen musste, der Fall war. Ansonsten wird sich Verkehrsberuhigung in den Stadtteilen niederschlagen - der Platz vor St. Michael in Pfersee wird vom Parkplatz zum Stadtteilplatz, der Platz vor dem Grünen Kranz in Lechhausen (früher auch ein Parkplatz) bekommt nun seine Endform, die Hofackerstraße in Haunstetten wird von der überbreiten Straße womöglich zum baumbestandenen Stadtteilzentrum. Verkehrsberuhigung muss per se und nicht überall gut sein, an bestimmten Stellen ist sie aber nötig, auch wenn man es sich heute noch schwer vorstellen kann. Der Blick in die historischen Fotos zeigt aber - nach ein paar Jahren sieht es aus, als wäre es schon immer so gewesen.

    Fotos zeigen: Wo die Autos in Augsburg verdrängt wurden

    Der Bereich Konrad-Adenauer-Allee/Fuggerstraße hatte früher auf Höhe des Augsburger Königsplatzes zwei Fahrspuren für Autos. Seit 2014 ist diese Verkehrsachse nur noch für Radler und Fußgänger freigegeben.
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    14 Bilder
    Das Thema Verkehrsberuhigung ist mit Maximilianstraße und Altstadt stärker in den Mittelpunkt gerückt. Vorher- und Nachher-Bilder zeigen, wie Verkehrssituationen in Augsburg bereits verändert wurden.
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