Im Jahr 1965 war der Martin-Luther-Platz (der Goldschmiedbrunnen stand damals noch weiter östlich) noch für Autos befahrbar, genauso wie die Annastraße im Hintergrund. Foto: Sammlung Häußler
Als die Stadt Augsburg 1967 als eine der ersten deutschen Städte damit begann, eine Fußgängerzone in der Annastraße einzurichten, gab es erst einmal Gegenwind: Die Fußgängerzone werde Umsatzeinbußen bringen, die Belieferung werde schwierig und überhaupt könne man sich das alles nicht vorstellen, hieß es von Geschäftsleuten. Gekommen ist es anders: Die Annastraße, deren Gehsteige ohnehin zu schmal geworden wären, ist seit Jahrzehnten die teuerste Ladenlage in Augsburg, die Passantenfrequenzen sind dort - abgesehen von der kurzen Maxstraße, die in den 90er Jahren zur Fußgängerzone wurde - die höchsten in Augsburg. Dass sie höher sein könnten, steht auf einem anderen Blatt - die Fußgängerzone ist aber nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.
Der Martin-Luther-Platz ist seit Jahrzehnten Bestandteil der Fußgängerzone, vor gut zehn Jahren erneuerte die Stadt das Pflaster und gestaltete ihn um. Foto: Anna Kondratenko
Das Verdrängen des Autos als stadtdominierender Faktor geschah in Augsburg bisher auf behutsame Weise. Am radikalsten waren die Fußgängerzonenausweisungen in den 60er und 70er Jahren und die Altstadtsanierung in den 80er Jahren mit Verkehrsberuhigung gleich eines ganzen Viertels. Danach beschränkte sich die Stadt auf einzelne Straßenzüge, etwa im Zuge des Kö-Umbaus mit dem autofreien Kö in den 2010er Jahren. Von einer systematischen Benachteiligung des Autos kann man nicht sprechen: Verkehr wurde verlagert statt eingeschränkt, mit der Schleifenstraße entstand vorher eine Umgehungsstraße, die das alles erst möglich machte. Und der Wegfall von Parkplätzen etwa am Ernst-Reuter-Platz oder im Annahof wurde begleitet von neuen Tiefgaragenbauten entlang der Fuggerstraße (Annahof, Patrizia), die die Streichungen überkompensierten.
Das Thema Verkehrsberuhigung ist mit Maximilianstraße und Altstadt stärker in den Mittelpunkt gerückt. Vorher- und Nachher-Bilder zeigen, wie Verkehrssituationen in Augsburg bereits verändert wurden.
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