Ein Baubeginn für den westlichen Gleisanschluss des Bahnhofstunnels scheint in Bälde nicht absehbar: Zwar ist schon seit Jahren bekannt, dass der Bahnhofstunnel bei der 2024 geplanten Inbetriebnahme der unterirdischen Straßenbahnhaltestelle zum Thelottviertel noch ohne Gleise dastehen wird, doch die Regierung von Schwaben dämpft gut zwei Jahre nach dem Start des Planfeststellungsverfahrens Hoffnungen auf eine allzu schnelle Genehmigung. Von der Behörde des Freistaats heißt es auf Anfrage, dass derzeit noch offene Fragen zum Projekt zu klären seien.
Dabei sei man auch auf die Zuarbeit der Stadtwerke als Antragstellerin angewiesen. Eine zeitliche Perspektive nennt die Regierung von Schwaben nicht. Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza hatte zuvor in einem Interview bei a.tv seine Hoffnung ausgedrückt, dass es schon in einigen Wochen ein positives Ergebnis geben werde.
Linie 5: Auch Augsburg war nicht mit allen Details glücklich
Bei der Straßenbahntrasse, die im Bereich Thelottviertel je nach Fahrtrichtung durch unterschiedliche Straßen laufen soll (stadtauswärts über Rosenau- und Pferseer Straße, stadteinwärts über Perzheim- und Hörbrotstraße), war von Anfang an klar, dass die Genehmigung kompliziert wird. Sie läuft durch dicht bebautes Gebiet mit stark befahrenen Straßen und Kreuzungen, vor Ort gibt es Widerstand bei manchen Anliegern und Anliegerinnen. Überraschend: Auch von Ämtern der Stadt Augsburg selbst kamen im Zuge des Genehmigungsverfahrens noch relativ viele Anmerkungen zum Projekt, das die eigene Tochter plant. Zuletzt wurde im laufenden Genehmigungsverfahren vom Bauausschuss des Stadtrats eine Ampel an der Einmündung Hörbrot-/Perzheimstraße beschlossen, um die Sicherheit für Radler zu erhöhen.
Absehbar ist auch: Sollte die Regierung von Schwaben für den Bau auf der beantragten Trasse grünes Licht geben, wird es Klagen von Anliegern und Anliegerinnen geben. Die Stadtwerke hatten in der Vergangenheit das Jahr 2026 als möglichen Fertigstellungszeitpunkt für den West-Gleisanschluss in den Raum gestellt. Die Strecke selbst ist nur wenige Hundert Meter lang, was einen relativ schnellen Bau bedeuten würde, zumal Feinplanungen auch parallel zu einem Gerichtsverfahren vorangetrieben werden könnten. Doch ohne Genehmigung stehen die Dinge einstweilen.
Linie 5 in Augsburg: Bau in mehreren Schritten
Die Stadtwerke würden den Bahnhofstunnel zunächst an die bestehenden Gleise der Linie 6 in der Pferseer Straße anbinden, damit auch die Tramlinie von und nach Stadtbergen durch den Tunnel fahren kann (die Linien 3 und 4 könnten die Tunnelhaltestelle aufgrund der Wendeschleife schon ab 2024 nutzen). Den darüber hinausgehenden Gleisabschnitt bis zur Ackermannbrücke für die neu geplante Linie 5 würden die Stadtwerke zunächst noch nicht bauen, auch wenn er genehmigt wäre. Grund: Wie es ab der Ackermannbrücke auf der Linie 5 bis zur Uniklinik weitergeht, ist noch offen. Bekannt ist nur, dass die Trasse entlang der Bgm.-Ackermann-Straße laufen soll – ob rechts, links oder in der Mitte ist nicht festgelegt, ebenso wenig, wie die Kreuzungen mit der B17 und der Kriegshaberstraße umgestaltet werden. Die Opposition forderte zuletzt schon, sich Gedanken über Übergangslösungen zu machen, weil 2030 keine Perspektive auf Fertigstellung besteht. Tatsächlich könnte ein Thema werden, die Buslinie 32 zu verstärken.
Grundsätzlich halten Stadtwerke und Stadt an dem Projekt fest, das auch im Zusammenhang mit der Auslastung der Millioneninvestition Bahnhofstunnel zu sehen ist. Allerdings ist auch klar, dass es sich noch sehr lange hinziehen wird – auf Jahreszahlen, wann zur Uniklinik eine neue Tramlinie fährt, will sich niemand festnageln lassen. Abgesehen von den planerischen Schwierigkeiten dürfte es für die Stadtwerke angesichts der Verwerfungen auf dem Energiemarkt auch nicht einfacher werden, die Investition zu stemmen, zumal parallel hohe Millionenbeträge in die Energiewende investiert werden müssen.
Weitere Linienverlängerungen, vorrangig bei der 1er von Lechhausen zum Hochzoller Bahnhof bzw. von Lechhausen in die Hammerschmiede sind grundsätzlich vorgesehen, aber momentan in noch weiterer Ferne. In der Bürgerversammlung im November wurde zuletzt vorgeschlagen, eine Verlängerung bis nach Hochzoll-Süd/Kuhsee zu prüfen. Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle (CSU) sagt, man werde sich im Zuge des Nahverkehrsplans Gedanken darüber machen. Zunächst komme aber der Ausbau der Linie 5.
Was wird am Augsburger Hauptbahnhof gebaut? Welche Vorteile sollen Reisende bald haben? Und wie viel kostet das Mega-Projekt "Bahnhofstunnel"? Unser Video zeigt, wie die Bauarbeiten am Hauptbahnhof Augsburg vorankommen und was geplant ist.