Augsburg ist eine Großstadt – und das ist sie natürlich auch nachts. Doch während tagsüber Konsens darüber besteht, dass die Innenstadt von vielen Besuchern profitiert, wünschen sich viele Anwohner nachts vor allem eines: Ruhe. Zwischen Nachtökonomie und dem Bedürfnis der Anwohner nach ungestörtem Schlaf herrscht ein starker Widerspruch. Eine Herausforderung für die Stadtverwaltung, aber auch für Gastronomen und Clubbetreiber.
Im Sommer 2021 hatten Generation Aux und die Grünen unter dem Titel "Stadt nach Acht" eine gemeinsame Initiative im Stadtrat eingebracht, um die Weiterentwicklung der Innenstadt und der Stadtteile voranzutreiben. "Andere Städte zeigen, dass es frische Ideen braucht, um die Innenstädte auch nachts zu einem Ort der friedlichen Begegnung weiterzuentwickeln, ohne sich immer weiter nur auf die bereits bestehenden Abläufe und Angebote zu fokussieren. Gerade jetzt, wo sich der Wandel der Städte und Innenstädte immer schneller vollzieht, müssen wir flexibel und schnell agieren, wenn es um innovative Ideen und neue Konzepte geht", hatte Generation Aux-Vorstand Raphael Brandmiller damals erklärt.
Immer wieder wird von Gastronomen und Clubbesitzern beklagt, dass die Menschen nicht mehr so gerne nachts zum Feiern in die Stadt kommen. Gleichzeitig sei es schwierig, neue Angebote zu schaffen, ohne ein Problem mit dem Lärmschutz zu bekommen. "Die Befindlichkeiten und die Aufgeregtheit der Anwohner haben nach Corona eher noch zugenommen", beobachtet Gastronom und Chef der Augsburger Club- und Kulturkommission, Sebastian Karner. Es könne aber nicht sein, dass Dinge im Nachtleben, die vor Corona völlig selbstverständlich waren, jetzt auf einmal mit Rücksicht auf die Anwohner nicht mehr möglich sein sollen. "Wenn jemand ein gutes Projekt startet, kommt schnell 'der eine Anwohner' und dann war's das", kritisiert Karner. Dabei lobt er aber ausdrücklich die Verwaltung, die mit Augenmaß bemüht sei, einen Ausgleich zwischen den Interessen zu schaffen.
Weniger Party in Augsburg: Lärmschutz und Corona als Ursache
Für Gastronom Harry Winderl ist das Ausbleiben der Gäste vor allem ein Image-Problem der Stadt. Der Kunde kaufe nur Erfolg. "Bürger und Besucher suchen Entspannung und Abstand von den Problemen, die wir alle weltweit haben. Augsburgs angespannte Atmosphäre mit vielen neuen Verboten unserer schwarz-grünen Regierung, mit hunderten von Demonstrationen und einem nun gefühlt 1000 Tage währenden Klimacamp sprechen da nicht für sich." Auch angesichts unverändert großer Parkprobleme und endloser Baustellen falle diese Entspannung schwer. "Neben allen wirtschafts- und sozialen Themen sollte endlich wieder Freude und Lebenslust möglich sein, die uns Menschen doch auch ausmachen", findet Winderl. Augsburg könne eine wunderschöne Stadt sein. Veranstaltungen wie Plärrer, Christkindlesmarkt, Sommernächte oder zum Beispiel Events wie der Medienpreis zeigten, dass es nicht an den Besuchern liegt. "Sie kommen, wenn sie dürfen und nicht ausschließlich reglementiert werden", so der Gastronom.
Ordnungsreferent Frank Pintsch ist in ständigem Austausch mit den Akteuren der Nachtökonomie. "Das Augsburger Nachtleben und eine attraktive Nachtkultur und -ökonomie gehören sowohl zu einer lebenswerten und attraktiven Großstadt mit Universität und Hochschule als Kulturzentrum als auch zu Augsburg als starker Wirtschaftsstandort mit großer Industrie und Messe. Das ist unstreitig und wird auch vonseiten der Stadtspitze und in meinem Fall als Ordnungsreferent bestmöglich unterstützt und gefördert" sagt er.
Nachtleben: Anwohner in Augsburg dürfen sich auf den Lärmschutz verlassen
Das Thema "Stadt nach Acht" sei grundsätzlich im Wirtschafts- und Kulturreferat verortet und werde vom Ordnungsreferat unterstützt. Zentral und alleine zielführend sei es, die Anliegen sowohl des Nachtlebens als auch der Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zum Ausgleich zu bringen. Er weist aber auch darauf hin, dass Lärmschutzregelungen Bundesrecht sind und sich die Bürger darauf verlassen dürften, dass diese eingehalten werden. Der in dieser Diskussion oft genutzte Ausdruck, man müsse sich ein stückweit "zum Lärm bekennen" sei griffig, aber in seiner Kürze falsch und werde von ihm nicht unterstützt, so Pintsch.
Das Ordnungsreferat sei aktuell vor allem mit seiner Innenstadtmanagerin in der Innenstadt unterwegs und baue eine "Präventionsgruppe Nacht" auf, die das bereits entstehende Sicherheits- und Präventionskonzept für die Innenstadt weiter vorantreiben werde. "Die Innenstadtmanagerin ist dabei nicht nur – und das ist für mich sehr wichtig – auf die Maximilianstraße beschränkt, sondern bearbeitet bestmöglich die Herausforderungen der ganzen Innenstadt." Dazu gehörten auch – ganz aktuell – die Auswirkungen des Plärrers auf die Innenstadt und die Entwicklung, dass ein friedlicher und sicherer Plärrer auch den Nachhauseweg und die Innenstadt mit den Clubs betreffe, so der Ordnungsreferent.