Die Traueranzeige seiner Familie endet mit den Worten: „Wir wünschen ihm einen friedvollen Landeplatz, wo auch immer.“ Wer Horst Haßold kannte, versteht diesen letzten Abschiedsgruß. Als leidenschaftlicher Ballonfahrer hatte sich Haßold über Augsburg und die Region hinaus einen Namen gemacht. Über 500 Mal fuhr er durch die Lüfte und erlebte dabei einige Abenteuer. Kurz vor seinem 100. Geburtstag am 15. Februar 2025 sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion gut gelaunt, er könne sich noch eine Ballonfahrt vorstellen. Nun hat Horst Haßold seine letzte Reise angetreten. Ein Nachruf auf einen Mann, der in jungen Jahren die grausame Seite des Lebens erfahren musste, und trotzdem immer ein positiver Mensch war – mit einer großen Leidenschaft.
Horst Haßold sagte von sich, er sei ein „Sonntagskind“. Dabei hatte der Augsburger, der 1925 geboren war, im Zweiten Weltkrieg Schreckliches erlebt. Als in der Nacht auf den 26. Februar 1944 große Teile Augsburgs in Schutt und Asche gelegt wurden, befand er sich gerade bei der Grundausbildung an der Nordseeküste. Haßold erhielt zehn Tage „Bombenurlaub“. Sein Elternhaus am Klinkerberg war stark beschädigt.
So kam der Augsburger Horst Haßold zum Ballonfahren
Als Kriegsgefangener kam er nach Schottland, konnte im Januar 1948 nach Deutschland heimkehren. Haßold zählte nicht zu den Zeitzeugen, die über Kriegserlebnisse nicht sprechen wollten. Vielmehr war es ihm wichtig, seine Erinnerungen an die Kinder weiterzugeben, wie er mal sagte. Doch war er auch ein Mensch, der gerne nach vorne blickte. Auf seine Leidenschaft, das Ballonfahren, stieß er später über seine Ehefrau.
Diese hatte nach dem Tod ihres Vaters die Ballonfabrik Augsburg übernommen. 1957 machte das Ehepaar gemeinsam den Pilotenschein. Ab da war es um Horst Haßold wohl geschehen. Er ging so oft in die Luft, wie er konnte. „Durch die Fabrik hatte ich immer eine Ausrede zum Ballonfahren, weil ich die Ballone ja zeigen musste“, erklärte er mit einem Augenzwinkern. Die Routen über die Alpen mochte er wegen des atemberaubenden Bergpanoramas am liebsten. 25 Mal überquerte er die Alpen. Im Heißluftballon überstand Haßold auch mal eine brenzlige Situation.
Als der Mann aus Augsburg mit dem Heißluftballon hängen blieb
In Italien blieb er nahe des Comer Sees in einer Stromleitung hängen. Während der Ballon auf einem Zaun landete und umkippte, fing er Feuer. Haßold und zwei italienische Journalisten mussten hinausspringen. Bis auf einen Bluterguss kam er glimpflich davon. Bei über 500 Ballonfahrten fand er, das sei eine gute Quote. Haßold hatte ein eigenes Rezept, um alt zu werden.
Zwar habe er nie geraucht, aber viel wichtiger war für ihn, dass er immer positiv und optimistisch war. Das erleichtere das Leben, war er überzeugt. Von den jungen Menschen wünschte er sich „etwas mehr Schwung und Optimismus“. Horst Haßold ist am 18. Juli gestorben. „Mit Freude und Dankbarkeit denken wir zurück an seine Feier zum 100. Geburtstag zusammen mit Freunden und der Familie“, heißt es in der Traueranzeige.
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