Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten
Innenstadt
Icon Pfeil nach unten

Cannabis Social Club in Augsburg: Die Vorbereitungen laufen

Augsburg

Die Vorbereitungen für einen Cannabis Club in Augsburg laufen

  • |
  • |
  • |
    Für Club-Mitglieder wird es bald Cannabis in Augsburg geben.
    Für Club-Mitglieder wird es bald Cannabis in Augsburg geben. Foto: Matthias Balk, dpa (Symbolbild)

    Der Bundestag hat die kontrollierte Freigabe von Cannabis in Deutschland beschlossen. Ab dem 1. April soll der Besitz von bis zu 50 Gramm der Droge für Erwachsene straffrei werden, auch der Eigenanbau ist ab dann in bestimmten Grenzen erlaubt. Geschäfte, in denen Cannabis einfach gekauft werden kann, wird es nur vereinzelt in ausgewählten "Modellregionen" geben. Das bedeutet: In den meisten Gegenden Deutschlands wird es nur zwei legale Wege geben, um an Cannabis zu kommen. Den privaten Anbau und sogenannte "Cannabis Social Clubs", die voraussichtlich ab dem 1. Juli starten dürfen. Obwohl in einigen Punkten noch Klärungsbedarf herrscht, gibt es vielerorts bereits konkrete Planungen für die "Anbauvereinigungen" – so auch in Augsburg.

    Die Regeln für die Cannabis-Clubs sind dabei deutschlandweit dieselben. Die maximal 500 Mitglieder müssen volljährig sein und ihren Wohnsitz im Inland haben. Sie sind für den Anbau verantwortlich und dürfen das Cannabis nur untereinander zum Eigenkonsum abgeben – an einem Tag höchstens 25 Gramm Cannabis je Mitglied und im Monat maximal 50 Gramm. Die Clubs sind als nicht kommerzielle Vereine zu organisieren und brauchen eine Erlaubnis, die befristet gilt. 

    Cannabis Social Club Augsburg: Prävention ist sinnvoll

    Obwohl die Cannabis-Clubs keinen Gewinn erwirtschaften dürfen, steht hinter einem der ersten in der Stadt das Unternehmen Hanf.com, die in ganz Deutschland Hanf-Bioläden betreiben und auch in Augsburg mit zwei Filialen vertreten sind. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt Alex Cerveny, stellvertretender Geschäftsführer von Hanf.com, die Beweggründe: "Klar, wir sind ein Unternehmen, aber wir sind auch Konsumenten und kämpfen auch schon seit vielen Jahren für die Legalisierung. Warum sollten wir uns also nicht dafür stark machen, dass jetzt eine funktionierende profitfreie Infrastruktur für Konsumenten und Patienten aufgebaut wird?"

    Zudem glaube er nicht, dass die Cannabis-Clubs die endgültige Lösung seien. Früher oder später würde der Gesetzgeber Laden-Geschäfte erlauben und dann profitiere man vom Wissen wie etwa beim Anbau. Dennoch sieht er das aktuell geplante Gesetz als einen "Schritt in die richtige Richtung" an. Vor allem die vorgeschriebenen Präventionsmaßnahmen hält er für sinnvoll. So muss jeder Verein ein Gesundheits- und Jugendschutzkonzept erstellen und einen Sucht- und Präventionsbeauftragten benennen, der sich schulen lassen und regelmäßige Auffrischungsschulungen machen muss. Zudem sollen für 18- bis 21-Jährige monatlich höchstens 30 Gramm mit maximal zehn Prozent des berauschenden Stoffs Tetrahydrocannabinol (THC) zulässig sein.

    Cannabis-Club in Augsburg will Gras für 6 Euro pro Gramm verkaufen

    Kritisch blickt Cerveny auf die Übergabe-Regelungen, die besagen, dass Club-Mitglieder ihr Cannabis lediglich vor Ort abholen dürfen. Dies erschwere den Zugang für körperlich beeinträchtigte Menschen, denen er gerne Lieferungen anbieten würde. Eine Kontrolle der Personalien mit amtlichem Ausweis und Mitgliedsausweis müsse ohnehin stattfinden. Zudem bemängelt er das Konsumverbot innerhalb der Club-Räumlichkeiten. So fehle der soziale Aspekt und auch eine entsprechende Betreuung von Erstkonsumenten sei so kaum machbar.

    Froh ist Cerveny über die erlaubte Trennung von Abgabestellen und Anbauflächen. Ohne diese wären Clubs in größeren Städten wegen der hohen Mieten gegenüber dem Schwarzmarkt nicht konkurrenzfähig. Es sei ohnehin schwierig mit den strengen Auflagen zu Anbau, Transport und Lagerung einen attraktiven Preis zu erreichen. In den aktuellen Planungen läge der Gramm-Preis bei sechs bis sieben Euro und damit unter den üblichen zehn Euro auf dem Schwarzmarkt. Jedoch kann das Cannabis in Clubs nicht einfach nach den Gramm-Preisen bezahlt werden. Die Mitglieder müssen laut Gesetz einen Mitgliedsbeitrag zahlen. Damit dieser nicht für alle gleich ist – egal, wie viel sie konsumieren – plant der Club in Augsburg einen Grundbeitrag von 15 bis 25 Euro mit einer zusätzlichen Gebühr, die sich nach der abgenommenen Menge Cannabis richtet.

    Auch sonst laufen die Planungen auf Hochtouren. "Wenn alles klappt, wird die Abgabestelle sehr nah am Bahnhof sein", verrät Cerveny. Die Anbauräumlichkeiten werden außerhalb der Stadt liegen. Interessierte können sich auf der Webseite seines Unternehmens für eine Mitgliedschaft voranmelden. Offizielle Zusagen könne er bisher nicht machen, schließlich ist das Gesetz noch nicht beschlossen. Zwar hat der Bundestag dafür gestimmt, aber auch der Bundesrat wird sich am 22. März noch mit der Legalisierung beschäftigen. Da es sich bei dem Gesetz aus dem Gesundheitsministerium aber nicht um ein sogenanntes Zustimmungsgesetz handelt, kann es vom Bundesrat nicht gestoppt werden. Möglich wäre aber, dass das Vorhaben durch eine Anrufung des Vermittlungsausschusses noch einmal verzögert wird.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden