Für den neunjährigen Maximilian Uhe ist dieser Abend ein ganz besonderes Erlebnis. Gemeinsam mit seiner Mutter Sandra besucht er zum ersten Mal einen Zirkus. Die Karten für die Vorstellung des Circus Barelli haben die beiden von Freunden erhalten, die kurzfristig verhindert waren. Obwohl die Familie am nächsten Tag in den Urlaub fährt, nutzen sie die Gelegenheit, das Programm zu sehen, das nun noch bis 14. Juni in Augsburg zu sehen sein wird. Denn nach einem schwierigen Start in Augsburg war das Besucherinteresse auf der ersten Station der Tournee deutlich gestiegen. Was also fasziniert die Menschen an dem Spektakel im Grand Chapiteau?
Circus Barelli in Augsburg: Das Todesrad sorgt für Nervenkitzel
Schon bei der ersten Darbietung fiebert Maximilian mit. Die „Brothers Rivera“ am Todesrad sorgen für Nervenkitzel und der Junge verfolgt jede Bewegung mit großen Augen. Auch seine Mutter lässt sich von der Atmosphäre mitreißen. Bis zur Pause reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt. Besonders beeindruckt zeigt sich Maximilian von der orientalischen Dressurnummer mit vier Kamelen und vier weißen Araberhengsten von Franz Barelli.
Die Begeisterung führt die beiden auch in die Tierschau während der Pause, für die ein Eintrittspreis von fünf Euro verlangt wird. „Ich finde es gut, dass man sieht, wie die Tiere gehalten werden“, sagt Sandra Uhe. Ihr Sohn freut sich besonders über die beiden Babykamele. „Die durfte man streicheln und die waren richtig flauschig.“ Für Mutter und Sohn steht fest: Der Besuch hat sich gelohnt. „Die Preise sind absolut gerechtfertigt. Man sieht ja, welche Kosten hier zu bewältigen sind. Und andere Unternehmungen bekommt man schließlich auch nicht zum Nulltarif“, sagt Sandra Uhe.
Circus in Augsburg: „Einmal im Jahr kann man sich das leisten“
Ähnlich sehen es Silvia und Mustafa Aça aus Gersthofen. Sie zählen mittlerweile zu den Stammgästen. „Wir sind immer da, wenn der Zirkus in der Stadt gastiert. Das sind abwechslungsreiche und unterhaltsame Abende“, erzählen sie. Die Eintrittspreise halten sie für angemessen. „Einmal im Jahr kann man sich das leisten“, meint Mustafa Aça. Zwar seien Getränke und Snacks nicht gerade günstig, doch der Gesamteindruck überwiege. Besonders begeistert hat die beiden der Roboterhund, der neu ins Programm aufgenommen wurde.
„Zirkus ist mitreißend und abwechslungsreich“
Trotz solcher positiven Rückmeldungen steht die Zirkusbranche vor erheblichen Herausforderungen. Streamingdienste, Freizeitparks, Kinos, Gaming-Angebote und soziale Medien konkurrieren heute um die Aufmerksamkeit der Menschen. Gleichzeitig steigen die Kosten für Personal, Transport und Infrastruktur kontinuierlich. Um neue Besucher zu gewinnen, setzt die Familie Barelli auf Freikartenaktionen, Flyer und Sonderveranstaltungen. „Nachdem es zunächst gut gelaufen ist, haben wir in Augsburg verlängert. Aber die große Hitze hat sich deutlich auf die Besucherzahlen ausgewirkt“, berichtet Ramona Barelli, Mutter der 21-jährigen Zirkuschefin Ashely Barelli. Viele Gäste nutzen Freikarten und buchen anschließend bessere Plätze hinzu. „Zehn bis fünfzehn Euro beträgt dieser Aufpreis dann“, sagt Barelli. Wer sich das nicht leistet, sitzt mit seiner Karte weiter entfernt von der Manege im oberen Teil des Zeltes. Gerade die Nähe zum Geschehen macht aber für viele den besonderen Reiz aus.
An diesem Abend finden rund 100 Besucher den Weg ins Zelt. Darunter auch Lisa Nikolenko aus Nürnberg, die derzeit ihren Freund in Augsburg besucht. „Ein Kinoabend kostet ebenfalls Geld. Aber Zirkus ist mitreißend und abwechslungsreich“, sagt sie. Beeindruckt zeigt sie sich vor allem von den Leistungen der Artistinnen und Artisten. „Das Training dahinter ist enorm anspruchsvoll, auch wenn alles so leicht aussieht.“ Sie findet: Der Eintritt hat sich gelohnt.
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