Mit gemischten Gefühlen blickt die Familie Barelli auf das Gastspiel im vergangenen Jahr auf dem Gögginger Festplatz zurück. Nach einem Diebstahl am vorherigen Spielort in Mannheim war es finanziell schon schwierig, in Augsburg angekommen sorgten zunächst hochsommerliche Temperaturen dafür, dass die Menschen das Freibad dem Grand Chapiteau vorzogen. Teilweise mussten Vorstellungen komplett gestrichen werden, weil kein einziger Zuschauer gekommen war. „Erst am Ende, als es wieder kühler war, ist es gut gelaufen“, sagt Ashley Barelli. Und trotzdem sind sie in diesem Jahr wieder nach Augsburg gekommen.
Gleich zum Auftakt ihrer großen Sommertournee, mit ihrem brandneuen Programm. Knapp 60 Artisten, daneben Pferde und Kamele, umfasst der Tross, der bis 25. Mai mit dem imposanten rot-weißen Zelt auf dem Areal an der Holzbachstraße, gleich gegenüber dem Plärrer, gastiert. Diesmal, wie Ashley Barelli sagt, in seiner vollen Größe. Im vergangenen Jahr habe man in Göggingen aufgrund des begrenzten Platzes nicht alles aufbauen können. „Deshalb wollten wir in diesem Jahr wieder nach Augsburg kommen, weil wir hier noch einmal alles zeigen möchten“, sagt sie.
Seit eineinhalb Jahren führt die 21-Jährige als Direktorin den Zirkus ihrer Familie. Sie ist im Zirkuswagen aufgewachsen, steht selbst mit den Hula-Hoop-Reifen in der Manege. Nach dem Schulabschluss machte sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau und ja, gesteht sie, ganz kurz habe sie auch mal überlegt, ob ihre Zukunft nicht doch woanders liegt. Damals, zu Coronazeiten. Doch dann siegte ihre Liebe zum Zirkus.
Zirkus in Augsburg: Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben
Sorgenfreier wäre ein Leben im Büro vermutlich gewesen. Denn auch das diesjährige Gastspiel in Augsburg ist nicht so gestartet, wie es sich die Familie gewünscht hätte. Angefangen bei der Plakatierung, die man nicht auf städtischem Grund habe anbringen dürfen, über Probleme mit dem Heizölhändler und bei der Suche nach einem Tierarzt. Auch die Besucherzahlen blieben bisher erneut hinter den Erwartungen zurück.
Ashleys Mutter, Ramona Barelli, sagt, man spüre, dass die Menschen stärker auf Geld schauen müssen. „Das sehen wir auch bei der Gastronomie. Viele verkneifen sich die Popcorn oder bringen ihr eigenes Essen mit.“ Tickets für den Zirkus, der, außer am Montag, täglich zwei Vorstellungen bietet, gibt es regulär ab 30 Euro für einen Erwachsenen, am Spardienstag für 10 Euro. Doch die Barellis sind überzeugt: Die Show mit Liveorchester ist es wert. „Wir haben so viele Menschen, die sich danach begeistert bei uns melden“, sagt Ramona Barelli. „Das Programm in diesem Jahr ist ganz anders als letzten Sommer“, sagt ihre Tochter.
Circus Barelli in Augsburg: Fliegende Menschen, Magie und ein Roboterhund
So habe man dieses Mal unter anderem die fliegenden Menschen aus Chile verpflichtet, die in schwindelerregenden Höhen den dreifachen Salto Mortale zeigen. Für Nervenkitzel sorgt daneben das Todesrad, magische Momente kreiert ein Zauberer, der schon in Las Vegas auf der Bühne stand. In der Manege steht daneben erstmals auch ein Roboterhund. Der, sagt Ashley Barelli, begeistere vor allem die jungen Besucher. „Das ist das, was gerade am meisten auf Instagram gepostet wird.“
Damit der Zirkus überleben kann, müsse man mit der Zeit gehen, sagt sie. Trotzdem wolle man die Wurzeln nicht vergessen. Die präsentiert die Familie stolz im Museum mit über 100 Jahre alten Schätzen. Sie zeugen von der Glanzzeit des Zirkus. Von der Zeit, als die Männer noch mit Krawatte auf den Rängen saßen, wie ihr Großvater heute noch erzählt. Die Barellis, sie hoffen darauf, dass die Augsburger sich noch ein Herz für den Zirkus fassen. „Ich habe Zuversicht“, sagt Direktorin Ashley Barelli. „Die brauche ich und daran halte ich mich fest.“
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