Die Freien Wähler in Augsburg demontieren sich selbst
Kommentar
Die Freien Wähler in Augsburg demontieren sich selbst
Beim gescheiterten bürgerlichen Bündnis für die Kommunalwahl in Augsburg wurden entscheidende Fragen zu spät geklärt. Das scheint sich nun innerhalb der Partei zu wiederholen.
In Augsburg kracht es aktuell in der Führungsspitze der Freien Wähler. Foto: Matthias Balk/dpa
Auch schlechte Nachrichten mögen gut sein, um im Gespräch zu bleiben. Doch was die Freien Wähler in den vergangenen Monaten geliefert haben, übersteigt das verträgliche Maß. Da war erst das Platzen des Bündnisses aus FW, FDP und Pro Augsburg, das mit vollmundigen Ansagen angetreten war. Es hätte dem Kommunalwahlkampf eine andere Akzentuierung verpasst, weil das bürgerliche Lager abseits der CSU womöglich eine kritische Masse erreicht hätte. Stattdessen zerlegte sich das Bündnis über die Frage, wie stark man sich der CSU als Partner andienen soll, unter gegenseitigen Beschimpfungen selbst.
Freie Wähler in Augsburg: Schaden in der öffentlichen Wahrnehmung ist sicher
Nun sind die Freien Wähler im zweiten Schritt dabei, sich zu demontieren. Wie beim Bündnis werden entscheidende Fragen – etwa wie man mit Stadtrat Peter Hummel nach seiner Verurteilung wegen einer unter falschem Namen im Internet geäußerten Beleidigung verfährt – spät geklärt. Egal, welches Lager bei der Nominierungsversammlung als Sieger hervorgeht – Schaden in der öffentlichen Wahrnehmung ist sicher. Mit inhaltlichen Aussagen im Wahlkampf haben sich die Freien Wähler bisher nicht hervorgetan. Das gilt auch für die anderen Parteien. Doch die seit Monaten ständig wiederholte „Schwarz-Grün kann es nicht“-Rhetorik wirkt angesichts des Streits in den eigenen Reihen überheblich.
Es spricht einiges dafür, dass neben dem Erneuerungskurs auch persönliche Reibereien und Machtfragen ausschlaggebend sind für das, was sich da gerade abspielt. Sollte es am Mittwoch zum Knall kommen, aus dem die Parteiführung beschädigt hervorgeht, wäre das auch für den Bezirksvorsitzenden und Digitalminister Fabian Mehring ein Misserfolg. Bisher haben die Freien Wähler auf dem Land ihre Stammwählerschaft. Die Großstädte am Beispiel von Augsburg für die FW aufzuschließen, ist Mehrings Projekt.
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