Seit über zwei Wochen gilt ein Bergsteiger aus Augsburg als vermisst. Christoph M. war am 20. September in Italien im Bereich des Monte-Rosa-Massivs zu einer Tour aufgebrochen. Er kehrte davon, wie bereits berichtet, nicht mehr zurück. Inzwischen haben Einsatzkräfte eine Spur des 58-Jährigen gefunden. Nicht nur das. Am Samstag entdeckten Retter den Hund des Augsburgers am Bergmassiv im Schnee. In der Familie des Vermissten geht man vom Schlimmsten aus.
Als Christoph M. nicht mehr von der Bergtour zurückkam, habe man trotzdem noch einen Rest Hoffnung gehabt, ihn lebend zu finden, erzählt sein Bruder Martin M. gegenüber unserer Redaktion. Die Hoffnung ist inzwischen verloren. Am vergangenen Samstag, also zwei Wochen nach dem Aufbruch des Augsburgers, haben Einsatzkräfte von einem Hubschrauber aus einen schwarzen Fleck im weißen Schnee bemerkt. Wie sich herausstellte, handelte es sich um den Hund „Elfie“ des 58-Jährigen. Das Tier hatte in den zwei Wochen ohne Nahrung und bei Kälte überlebt. „Er war sehr aggressiv gegenüber den Rettungskräften. Sie versuchten, ihn mit Futter zu beruhigen, aber das war nicht genug. Ein Tierarzt musste mit Beruhigungsmitteln eingreifen, damit er sich erholt“, schildert Simone Bobbio, Sprecher der Alpinrettung in der norditalienischen Region Piemont.
Suche nach Augsburger Bergsteiger im Monte Rosa-Massiv: Spur führt zu Biwak
Der Bergrettung zufolge führten die Spuren des Hundes in Richtung eines Abgrundes. Es wird vermutet, dass M., Inhaber und Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens im Landkreis Aichach-Friedberg, dort verunglückt ist. Laut Bobbio haben seit dem Verschwinden des Augsburgers die Wetterverhältnisse die Suche erschwert. Es schneie immer wieder. „Der Körper war nicht zu sehen. Er wird längst von Schnee bedeckt sein.“ Christoph M.s letzte Spur führte zum Marinelli Biwak, einer gemauerten Schutzhütte an der Ostwand auf einer Höhe von knapp über 3000 Metern. Sie hat keinen Strom, ist nicht bewirtschaftet und bietet Bergsteigern am Gebirgsmassiv Unterschlupf. Laut Martin M. haben Bergretter im Gästebuch der Hütte einen Eintrag seines Bruders vom 20. September gefunden.
„Darin hat er seinen Namen und das Datum geschrieben und, dass er am nächsten Tag wieder absteigen will. Wir vermuten, dass er am 21. September verunglückt ist.“ Der Schock in der Familie sei riesengroß. M. erzählt, dass sein Bruder am Donnerstag, 19. September, von Augsburg aufgebrochen war, um bei einer Orchesterprobe in der Schweiz mitzuwirken. Am selben Tag sei er noch in die Ferienwohnung am Lago Maggiore gefahren, um am darauffolgenden Tag zu der Wanderung aufzubrechen. „Er sagte nicht, wohin er wollte, nur, dass er eine Übernachtung plane und am Samstag zurückkehre. Er wollte am Sonntag wieder in Augsburg sein.“ Das war nicht der Fall.
Ehefrau hat bei Polizei Augsburg ihren Mann als vermisst gemeldet
Vor lauter Sorge sei die Ehefrau des Vermissten am Montag zur Augsburger Polizei gegangen. Während in Italien Rettungskräfte informiert wurden, startete die Familie am Lago Maggiore selbst eine private Suchaktion, verteilte Plakate mit einem Bild des Vermissten. Martin M. selbst war es, der am Samstag, 28. September, schließlich das Auto seines Bruders in der Gemeinde Macugnaga fand, wie er erzählt. Trotz der großangelegten Suche nach dem Bergsteiger, unter anderem mit Hubschrauber und Drohnen, blieb er spurlos verschwunden. Den Suchenden kamen die widrigen Wetterverhältnisse mit Schneefällen in die Quere, sie zwangen die Einsatzkräfte immer wieder zu Pausen. Laut Martin M. sei die Suche nun abgebrochen worden.
Seinen Bruder beschreibt er als erfahrenen Bergsteiger, der auch sonst viel Sport getrieben hat. Meist sei er mit anderen Menschen zu Touren aufgebrochen, aber an jenem Wochenende habe wohl keiner Zeit gehabt, ihn zu begleiten. Außer Hund Elfie. Der Vierbeiner sei inzwischen wieder daheim. „Er wird medizinisch versorgt, ob er überlebt, ist noch nicht sicher“, sagt Martin M. Der Schock in der Familie, er sitzt tief.
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