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Kevin Ahmadi: Der Autopfleger der Scheichs und Millionäre

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Warum Scheichs und Millionäre diesem Augsburger ihre Autos anvertrauen

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    Kevin Ahmadi vor einem Porsche 911 des Scheichs von Oman. Von Hand arbeitet er die abgegriffenen Armaturen des Luxusautos auf.
    Kevin Ahmadi vor einem Porsche 911 des Scheichs von Oman. Von Hand arbeitet er die abgegriffenen Armaturen des Luxusautos auf. Foto: Anna Kondratenko

    In der Tiefgarage der Motorworld in München schlägt das Herz jedes Auto-Enthusiasten höher. Luxusauto reiht sich hier an Luxusauto. In einer Box steht ein Lamborghini, daneben ein Bentley und mehrere McLaren. An vielen der Fahrzeuge wird gearbeitet. In einer Parknische kniet Kevin Ahmadi vor der geöffneten Türe eines Porsche und trägt ganz vorsichtig graue Farbe auf ein etwas angegriffenes Stück des Armaturenbretts auf. „Das ist ein Porsche 911, Modell 996, ein Einzelstück, das für den Scheich von Oman gebaut wurde“, erzählt Ahmadi. Die Begeisterung ist ihm anzuhören. Der Augsburger ist „Car Detailer“, ein Autoaufbereiter, der sich auf Luxusautos, Oldtimer und Flugzeuge spezialisiert hat. Im Münchner Erlebniszentrum hat er einen kleinen Arbeitsplatz eingerichtet, um seine Kunden vor Ort bedienen zu können.

    Wenn Kevin Ahmadi über Autos spricht, geht es schnell um Oberflächen, Strukturen und Details, die andere gar nicht wahrnehmen. Ein abgegriffenes Lenkrad, feine Risse im Leder, ein Brandloch im Teppich – für ihn sind das keine Makel, sondern Aufgaben. „Ich mache Reparatur, nicht Austausch“, sagt er. Was sich nicht ersetzen lässt, wird bei ihm wiederhergestellt. Schritt für Schritt, mit ruhiger Hand: reinigen, entfetten, spachteln, schleifen, lackieren. Am Ende sieht vieles aus, als hätte es die Gebrauchsspuren nie gegeben.

    Kevin Ahmadi: „Spezialist für alles, was mit Leder zu tun hat“

    Ahmadi ist 51 Jahre alt, geboren im Iran. Seit 2018 lebt er in Deutschland. Sein Weg hierher war kein geradliniger. „Ich hatte Probleme wegen dieses Regimes, dann musste ich fliehen“, sagt er knapp. Viel mehr möchte er dazu nicht erzählen. Wichtiger ist ihm, was danach kam. In Deutschland hat er sich ein neues Handwerk aufgebaut – eines, das mit seinem früheren Leben wenig zu tun hat. Im Iran betrieb er eine Walnussfarm. Heute arbeitet er mit Leder, Kunststoff und Stoffen, mit den Innenräumen von Autos, Flugzeugen und Schiffen.

    Gelernt hat er das sogenannte Car Detailing in Deutschland. „Ein wenig wie Aufbereitung, aber professioneller“, sagt er. Er arbeitete zunächst für andere Firmen, unter anderem auch an Fahrzeugen der Marke McLaren. Inzwischen ist er seit zwei Jahren selbstständig, mit seinem Augsburger Unternehmen „Picobello Cars“. Sein Schwerpunkt hat sich dabei immer weiter ins Interieur verlagert. „Ich bin Spezialist für alles, was mit Leder zu tun hat“, sagt er. Sitze, Lenkräder, Verkleidungen – alles, was im Innenraum verschleißt, kann er bearbeiten.

    Seine Kunden kommen oft aus dem gehobenen Segment. Oldtimer, Luxusfahrzeuge, inzwischen auch Privatflugzeuge. „Oldtimer mag ich mehr, wegen der Gefühle und der Geschichten“, sagt Ahmadi. Viele seiner Auftraggeber bleiben anonym, Diskretion gehört zum Geschäft. Aber einzelne Projekte bleiben ihm dennoch im Kopf. Etwa ein Alfa Romeo, dessen Innenraum komplett verschimmelt war. „Das ganze Leder, alles war voller Schimmel“, erinnert er sich. Der Wagen stand offenbar lange unbewegt. Ahmadi zerlegte Teile der Innenverkleidung, mischte die Farbe anhand geschützter Stellen neu an und arbeitete sich Schicht für Schicht vor. „Was ich gemacht habe, war sehr toll“, sagt er selbstbewusst – und zeigt Fotos vom Ergebnis, das wieder wie neu wirkt.

    So manch kleiner Schaden lässt sich nahezu unsichtbar beheben

    Die Technik dahinter ist aufwendig. Anders als viele vermuten, wird Leder im Auto nicht einfach gefärbt, sondern lackiert. „Die Arbeitsschritte sind ähnlich wie beim Autolack: reinigen, entfetten, spachteln, schleifen und dann lackieren“, erklärt Ahmadi. Kleine Schäden lassen sich so nahezu unsichtbar beheben. Ein Kratzer im Armaturenbrett, der für Laien kaum auffällt, kann für ihn zur Präzisionsarbeit werden. „Fünf Minuten, sieben Minuten – aber man muss es können“, sagt er.

    Der Porsche 911, Modell 996, ist ein unersetzliches Unikat. Er wurde extra für den Scheich von Oman gebaut.
    Der Porsche 911, Modell 996, ist ein unersetzliches Unikat. Er wurde extra für den Scheich von Oman gebaut. Foto: Anna Kondratenko

    Seine Aufträge bekommt er vor allem über Empfehlungen. „Mund zu Mund“, sagt er. Zufriedene Kunden bringen neue Kunden. Gerade in einer Stadt wie Augsburg, in der viele hochwertige Fahrzeuge unterwegs sind, funktioniere dieses Netzwerk.

    Sein aktuelles Projekt, der Porsche 911, ist kein Museumsstück, sondern wurde gefahren. Entsprechend sieht das Interieur aus. Ahmadi hat rund zwölf Stunden Arbeit investiert, verteilt auf zwei Tage. „Heute ist es fertig“, sagt er. Lenkrad, Armaturen, kleine Schäden in den Verkleidungen – alles überarbeitet, ohne den Charakter des Fahrzeugs zu verändern.

    Ähnlich arbeitet er auch an Flugzeugen – vor allem an Privatmaschinen. Die Aufgaben unterscheiden sich im Detail, das Prinzip bleibt gleich. „Das ist auch Interieur“, sagt er. Entscheidend ist, was der Kunde will – eine punktuelle Verbesserung oder eine komplette Überarbeitung.

    Was ihn antreibt, ist nicht nur die handwerkliche Präzision. Es ist auch der Wunsch, sich hier etwas Eigenes aufzubauen. „Ich möchte deutscher Bürger werden“, sagt Ahmadi. „Ich kann zeigen, ich bin gut integriert und ich bin etwas Positives für die Gesellschaft.“ Sein Weg dorthin war nicht einfach. Aber er hat ihn Schritt für Schritt selbst gestaltet – so wie seine Arbeit an den Oberflächen, die er wieder zum Leben bringt.

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