Kommentar: Kongressparkhaus: Ein Schachzug, der den Handlungsdruck erhöht
Kommentar
Kongressparkhaus: Ein Schachzug, der den Handlungsdruck erhöht
Es ist möglich, dass der begonnene Abriss gerichtlich gestoppt wird. Städtebaulich wäre das ein noch größeres Desaster als zuletzt. Es erhöht den Druck für eine Lösung.
Am Kongressparkhaus schafften Abrissbagger am Samstag unwiderrufliche Tatsachen, indem sie mit dem Abbruch begannen.Foto: Anna Kondratenko
Wer die Entwicklungen beim Kongressparkhaus in den vergangenen Jahren verfolgte, hat schon viele Wendungen erlebt. Den Durchbruch haben sie allesamt nicht gebracht, weil sie die Interessenkonflikte innerhalb der Eigentümergemeinschaft nicht gelöst haben und die Interessenlage zwischen Eigentümergemeinschaft und Stadt mehrmals gewechselt hat.
Auch nach dem begonnenen Abriss sind die Dinge erst einmal nicht so klar. Vermutlich am Montag wird das Amtsgericht via Eilentscheidung klären müssen, ob weiter abgerissen werden darf. Zweimal hat das Gericht den Abbruch, der mehrheitlich, aber eben nicht einstimmig in der Eigentümerversammlung beschlossen wurde, verboten. An der Grundkonstellation hat sich wenig geändert. Sollte das Gericht den weiteren Abriss stoppen, dann stünde statt einer Bauruine künftig eine halb abgerissene Bauruine am Rande des Wittelsbacher Parks.
Zum Vollabriss gibt es keine sinnvolle Alternative
Gleichwohl hat Spielberger mit seinem Schachzug, mit dem er hart am Wind segelt, die Gewichtungen verschoben, indem er Fakten geschaffen hat. Auch wenn der Abriss gerichtlich gestoppt werden sollte, ist die Frage, was mit der dann nicht mehr sanierbaren Ruine passieren soll. Etwas anderes, wie der Komplettabriss bleibt eigentlich nicht, auch wenn es unterschiedliche Auffassungen dazu gibt, was an dieser Stelle künftig entstehen soll. Womöglich – und vielleicht ist das das eigentliche Kalkül – sähe sich die Stadt gezwungen bzw. für sich den rechtlichen Spielraum eröffnet, einen Abriss anzuordnen, weil das halb abgerissene Gebäude im Gegensatz zum kompletten Parkhaus auf die Dauer als statischer Problemfall beurteilt werden müsste. Bisher sah die Stadt einen solch drastischen Eingriff in Privateigentum nicht veranlasst, weil sie im Parkhaus (anders als im unvollendeten Wohnungs-Überbau) keine konkrete Gefahr für die Allgemeinheit sah.
In jedem Fall hat sich mit dem Abrissstart der Druck erhöht. Das betrifft die Eigentümergemeinschaft und speziell Minderheitseigentümer Jürgen Wowra. Es betrifft aber auch die Stadtregierung, die bis Ende des Jahres für sich einen Kurs zum weiteren Vorgehen festlegen wollte. Ein Trümmerfeld am Parkrand – städtebaulich ein Desaster – stand bei den Szenarien bisher nicht zur Debatte.
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