Vor kurzem war Janina Fialkowska anlässlich ihres 75. Geburtstages zu Gast beim Leopold Mozart College of Music. Die Kanadierin präsentierte sich mit Galakonzert und Meisterkurs als Tastenvirtuosin und Pädagogin. Ebenfalls zum Jubiläum erschien ihre CD „Invitation à la valse“, worin sie sich der Magie des Dreiertaktes widmet. Sie tanzt sich sozusagen von den Klängen der Romantik und Spätromantik, über slawische und nordische Klangräume bis in das impressionistische Kabinett eines Maurice Ravel.
Janina Fialkowska spielt Schubert, Liszt, Grieg und mehr
Ausgangspunkt dieser „Aufforderung zum Tanz“ ist denn auch Carl Maria von Weber berühmtes Werk. Darin spielt Janina Fialkowska bildhaft mit den Gesten: Scheu und aufgeregt ist die Reaktion der Aufgeforderten, geschmeidig elegant der Tänzer, bis sie sich am Ende wieder zu entfernen scheinen. Es folgt eine Auswahl der „Valses sentimentales“ op. 50 von Franz Schubert, eine feine Perlenkette, worin es selig schwebend, teils keck und fröhlich, oder bäurisch-bürgerlich abläuft. Und diese scheinen die Grundlage zu sein, wovon sich Ravel inspirieren ließ.
Vorher aber „tanzt“ sich die Pianistin durch spätromantische, slawische und nordische Klangträume. Schubert geht in diesem Prozess fast bruchlos über in zwei „Valses“ von Frédéric Chopin mit seinen schon manirierteren Schlenkern, und den bizarr eingefangenen virtuosen Masken des „Valse-impromtu“ von Franz Liszt. Eine Mini-Valse von Edvard Grieg leitet über zum nordischen Kollegen Jean Sibelius. Dessen „Valse triste“ riskiert in Sekunden Ausflüge in tonale Grenzbereiche, löst diese Ballungen in charismatisch verklingender Traurigkeit wieder auf. Peter Tschaikowskys „Jahreszeiten“-Zyklus bringt dann im „Dezember“ einen nobel und sonor im Hell-Dunkel changierenden Walzer.
Sie entführt in Ravels Zaubergarten der „Valses nobles et sentimentales“
Zum Finale also und Höhepunkt dieser überaus anspruchsvollen, doch auch unterhaltsamen Walzer-Einladung wird man entführt in Maurice Ravels pianistischen Zaubergarten der „Valses nobles et sentimentales“ in acht Abschnitten. Hier zerlegt der Meister der Farbspiegelungen und des metrischen Versuchslabors die feinen Vorgaben der Schubert-Träume in ihre Gesten, lässt typische Assoziationen und Bewegungen nachschwingen, die Harmonien schärfen sich wie Splitter in einen Kaleidoskop, das an den Dadaisten Eric Satie, aber auch an den iberischen Schmiss von Emmanuel Chabriers „Espanol“ erinnert. Janina Fialkowskas Walzertraum ist ein pianistischer Leckerbissen.
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