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Zwei Brüder, eine musikalische Seele: Die Jussens verzaubern wieder beim Mozartfest

Klavier-Duo

Zwei Brüder - eine musikalische Seele: Die Jussens verzaubern wieder beim Mozartfest

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    Alle Augen und Ohren auf diese beiden: Die Jussen-Brüder auf dem Weg zur Verzauberung des Publikums in evangelisch St. Ulrich.
    Alle Augen und Ohren auf diese beiden: Die Jussen-Brüder auf dem Weg zur Verzauberung des Publikums in evangelisch St. Ulrich. Foto: Fabian Schreyer

    Wer die Jussen-Brüder noch nicht gekannt hatte, dem wurden sie spätestens im vergangenen Jahr in Augsburg zum Begriff – als sie nämlich in evangelisch St. Ulrich an zwei Klavieren die sogenannte „Atombombe“ der Musik, Strawinskys „Sacre du printemps“ zündeten und mit Ravels vergiftetem „La valse“ verknüpften. Das geschah denkwürdig und blieb – dem jetzigen demonstrativen Begrüßungsapplaus nach zu urteilen – in bester Erinnerung. „Lieblingsmenschen“, die Überschrift des diesjährigen Mozartfests, scheint geradezu maßgeschneidert für die beiden jungen Pianisten, die vorbildlich auch für ihre eigene Generation wirken: Indem sie so gut gelaunt wie ernsthaft musizieren und die vorgeführten Werke spannungsreich-energisch aufladen können. So etwas reißt alle mit, die Ohren haben zu hören.

    Diesmal aber brachten die zwei Niederländer zum Mozartfest keinen heidnischen Opferritus in den Sakralraum und keinen bitteren Tanz auf dem Vulkan. Diesmal waren es Werke von Komponisten, deren Schaffen wesentlich auch in der Kirchenmusik verankert ist: Mozart (katholisch), Bach (protestantisch). Und wieder ereignete sich an zwei komplett offenen Steinway-Flügeln das, was schon 2025 frappierte: die perfekte Verzahnung zweier offenbar seelenverwandter Interpreten, die Mozarts KV 242 - hier in einer Fassung für zwei Klaviere - betont agitato angehen, einem vollendeten Jeu perlé huldigen und zielstrebig dynamisieren. Gerade den Konzertgängern, die im hinteren Teil des Kirchraums ohne Sichtkontakt zum Altarraum hörten, musste im Mischen der beiden Klavier-Parts klar werden, wie nah Lucas und Arthur Jussens Spiel einem Amalgam gleichkommt. Zwei Brüder, zwei Herzen, eine musikalische Seele, ein tönender Klang.

    Am liebsten hätte man eine zweite Bach-Zugabe gehört

    Worauf Bachs Konzert für zwei Klaviere BWV 1060 mit gleichermaßen beflügeltem und atmendem Spiel folgte. Weder romantisierte das Klavier-Duo das Werk, noch ratterte es mechanistisch. Stattdessen gaben die Jussen-Brüder in den Ecksätzen beim Tempo immer wieder leicht nach und zogen es immer wieder leicht an, derart gleichsam ein Schwung holendes Perpetuum mobile imaginierend. Und im zweiten Satz, der hier mit Streicher-Pizzicati-Begleitung erklang, kam eine verspielte Note hinzu, die dann in der Zugabe der beiden wieder aufgegriffen wurde: nochmal Bach, aus der Kantate BWV 208, ein originell verziertes Arrangement. Am liebsten hätte man eine zweite derart sensible Zugabe gehört …  

    Aber nun stand ein großangelegter Abschied des begleitenden renommierten Orchesters an, der Academy of St. Martin in the Fields unter Leitung des Konzertmeisters. Hatte das Ensemble schon den Abend mit fünfzehn „Visions fugitives“ von Prokofjew in Streicher-Bearbeitung betörend farbenprächtig eingeleitet, so bestritt es nun auch den Kehraus. Was es mit Haydns „Abschieds-Sinfonie“ auf sich hat, war im (ansonsten eher dürftigen) Programmfaltblatt nachzulesen – und diese Programmatik setzten die britischen Musiker inszenatorisch und theatralisch unübersehbar um. Nach dem Kopfsatz, geradezu opernhaft-dramatisch von der Academy ausgeführt, nach ziseliertem Adagio und tänzerisch kreisendem Menuett also das nachdrückliche Finale: Die Musici wollen nach Haus. Und so erhebt sich einer nach dem anderen, verlässt sein Pult. Winkt ins Publikum, nimmt einen Schluck Wasser oder eine belegte Semmel. Einer, übermüdet, wird gar huckepack hinausgetragen. Haydn komponierte: Jetzt mache ich mal einen Punkt. Und das Orchester machte diesen Punkt – bis nur noch zwei vereinsamte Geigen untereinander flüsterten. Umso lauter der Applaus.

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