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Trialog der Religionen beleuchtet Integration und Bildung in Augsburg

Augsburg

Können die großen Religionen Solidarität und Miteinander?

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    Als Muslim in den Weihnachtsgottesdienst der Schule mitgehen? Was wäre da die Rolle von Islam-Lehrern an der Schule? Das war eines der Beispiel, über die in Augsburg christliche, jüdische und muslimische Religionspädagogen diskutierten.
    Als Muslim in den Weihnachtsgottesdienst der Schule mitgehen? Was wäre da die Rolle von Islam-Lehrern an der Schule? Das war eines der Beispiel, über die in Augsburg christliche, jüdische und muslimische Religionspädagogen diskutierten. Foto: Sebastian Willnow/dpa

    Solidarität, Miteinander, Zukunft – können Religionen das? Oder sind sie selbst Grundlage und Auslöser für scharfe Emotionalisierung und Konflikte? Unter dem Motto „Schulter an Schulter“ lud die Gesellschaft für Christliche Zusammenarbeit mit Elisabeth Naurath, Professorin für evangelische Theologie und Religionspädagogik, Selçen Güzel, Lehrbeauftragte für islamische Religionspädagogik der Uni Augsburg, und Michaela Rychla, Autorin und pensionierte Lehrerin für jüdische Religion in München, drei Pädagoginnen aus der Praxis aufs Podium.

    Pluralität, Dialogfähigkeit, Interreligiosität sind nicht nur akademisch leere Formeln oder theoretische Konzepte. Zwar war auch diese Runde freundlich, vorsichtig, umsichtig und ließ für Auseinandersetzungen um Auserwähltsein und Überlegenheitsgefühle der einen über die anderen Religionsanhänger keinen Raum. Doch das Podium war besetzt mit Expertinnen, die an der Basis arbeiten, direkt mit der jungen Generation der Schüler oder mit Studierenden, die als künftige Lehrer die wachsende Heterogenität und Hitzigkeit an Schulen zu managen haben.

    Jüdische Identität sei in einer säkularisierten Gesellschaft rückläufig

    Vor allem Michaela Rychla spricht Klartext, klagt, dass jüdischen Jugendlichen das Beten zu „uncool“ sei, dass jüdische Identität in einer säkularisierten Gesellschaft wie Deutschland – wie auch die Identifikation mit dem Christentum – rückläufig sei. „Wenn es keine Christen mehr gibt, will ich hier auch nicht mehr leben“, sagt Rychla, die als Kind in den 80er Jahren aus der Tschechoslowakei vor den „Bolschewiken“, wie sie sagt, floh.

    Mit Blick auf Letztere hat Elisabeth Naurath an der Universität Augsburg das Friedenspädagogische Zentrum für Interreligiöse Bildung gegründet, an dem auch Güzel lehrt. In dem dort zu belegenden Zertifikatsstudium sollen künftige Lehrer aller Fächer „religiös sprachfähig“ werden, damit sie an den Schulen interreligiöse Projekte durchführen können. „Es geht vor allem um emotionales Lernen. Dieses aktive Lernen mit den Schülern ist effektiv, um Vorurteile zum Beispiel gegenüber Muslimen oder Antisemitismus zu verhindern.“

    Muslimische Kinder machen tatsächlich Ausgrenzungserfahrungen

    Dass muslimische Kinder tatsächlich Ausgrenzungserfahrungen machen, weiß Selçen Güzel. Sie hat an verschiedenen Schulen als Islamlehrerin gearbeitet und eine Studie mit 30 Kindern vorgelegt, die alle angaben, auf verschiedene Arten Diskriminierung erlebt zu haben. Doch die aktive Abgrenzung ihrer Kinder durch die Eltern sei ein Problem. „Wenn bei einem Weihnachtsgottesdienst viele Kinder einer Schule nicht mitgehen dürfen, weil ihre Eltern das verboten haben, muss man auf diese zugehen, erklären, dass man nur zuhöre, dass nichts passiert, wenn man ein Kreuz anfasst“, sagt sie. Diese „Pioniers-Arbeit“ bei den muslimischen Eltern sei eine notwendige Grundaufgabe von Islamlehrern.

    Muslimische Kinder, erklärt sie weiter, brauchen einen Raum zur Selbstverortung, zur Infragestellung auch der im Islam sakrosankten Wahrheiten, auch des Koran. Dafür seien Moscheegemeinden zumeist nicht geeignet. Das staatlicherseits verordnete Modell für den islamischen Religionsunterricht in Bayern sieht sie als Zwischenlösung, die immerhin den Freiraum für Kinder biete, durch kritisches Hinterfragen zu mündigen, muslimischen Bürgern zu werden. Langfristig, so die promovierte Religionspädagogin müsse allerdings ein dem christlichen gleichgestellter, staatlich unabhängiger Islamunterricht mit demokratiegebildeten, muslimischen Lehrkräften her.

    Die rund 100 Interessierten überraschten die Organisatoren im Haus St. Ulrich, extra Bestuhlung wurde beschafft. Das zeigt: Debatten mit Praxisperspektive interessieren nicht nur akademisch, sie haben gesellschaftliche Relevanz.

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