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Psychische Ausraster: Polizei weist immer mehr Menschen ins Augsburger BKH ein

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„Wir sind jetzt schon am Limit“: Polizei weist immer mehr Menschen ins Bezirkskrankenhaus ein

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    Polizei und Rettungsdienst am Augsburger Königsplatz: Immer öfter werden Menschen mit psychischen Krisen von der Polizei ins Bezirkskrankenhaus gebracht.
    Polizei und Rettungsdienst am Augsburger Königsplatz: Immer öfter werden Menschen mit psychischen Krisen von der Polizei ins Bezirkskrankenhaus gebracht. Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

    Die Situation in der Wohnung in Lechhausen war offenbar so kritisch, dass die Polizisten den 27-Jährigen mit einem Taser – einer Elektroschockpistole – kurzzeitig außer Gefecht setzten. Der junge Mann war mit einem Messer bewaffnet und damit zuvor bei einem Streit auf seinen Mitbewohner losgegangen. Der Tatverdächtige befand sich laut Polizei in einem psychischen Ausnahmezustand. Ein gefährlicher Zustand, weil der Betroffene in dem Moment unberechenbar ist. Die Polizei brachte den Mann ins Augsburger Bezirkskrankenhaus. Es ist kein Einzelfall. Dem Ärztlichen Direktor des BKH, Prof. Alkomiet Hasan, bereitet eine Entwicklung große Sorge. Hasan schlägt deshalb Alarm.

    Täglich verschickt das Augsburger Polizeipräsidium Presseberichte über Unfälle, Fahrerfluchten oder Diebstähle. Häufig befinden sich in den Berichten auch Meldungen über Menschen, die die Kontrolle über sich verloren haben, die durchdrehen und sich oder Mitmenschen gefährden. Von Personen im „psychischen Ausnahmezustand“ ist dann die Rede, die Einsätze enden meist mit der Einweisungen ins Bezirkskrankenhaus. Dann begleiten ein oder mehrere Streifenwagen einen Krankenwagen, in dem sich der oder die Betroffene befindet, in die psychiatrische Klinik. „Die meisten Fälle von Akuteinweisungen sind bei uns Einweisungen durch die Polizei“, sagt Alkomiet Hasan. Er geht in diesem Jahr von einem traurigen Rekord aus.

    Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Augsburg: „1000-Marke leider überschreiten“

    Laut Hasan steigt die Zahl der Einweisungen nach Paragraf 12 im bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz, in dem die sofortige vorläufige Unterbringung durch die Polizei geregelt ist, seit Jahren. Im Jahr 2022 wurden ihm zufolge fast 600 Menschen aufgrund von Eigen- oder Fremdgefährdung ins Bezirkskrankenhaus eingewiesen, 2023 waren es bereits fast 750 Akuteinweisungen, 2024 wurden über 900 Fälle registriert. „Nach der aktuellen Hochrechnung werden wir dieses Jahr die 1000-Marke leider überschreiten.“

    Augsburg sei eine Stadt mit viel Drogen- und Alkoholkonsum

    Meist handle es sich um Menschen, die zu viel Alkohol und Cannabis konsumiert hätten. „Augsburg ist eine Stadt mit einem relevanten Drogenkonsum und eine Stadt, in der viel Alkohol getrunken wird. Das habe ich in keiner anderen Stadt, in der ich zuvor gearbeitet habe, so beobachtet“, berichtet der Ärztliche Direktor. Man könne nur spekulieren, warum immer mehr Menschen in psychische Ausnahmesituationen gerieten.

    Hasan Alkomiet leitet die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg und ist Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses.
    Hasan Alkomiet leitet die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg und ist Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses.

    Die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen, Wirtschaftskrise, Kriege - das alles könnten Faktoren seien, wie auch die Schwierigkeit vieler, adäquate Hilfe zu bekommen, so Hasan. Rastet ein Mensch psychisch aus, ist die Situation für alle Beteiligten herausfordernd. Auch für die Polizei, die alarmiert wird. „Menschen im psychischen Ausnahmezustand handeln oftmals sprunghaft und nicht rational“, sagt Polizeisprecherin Johanna Kruger. Die Beamten seien entsprechend geschult. Riskanter werde es, wenn Gegenstände wie Messer im Spiel seien.

    In der Regel seien mehrere Streifen im Einsatz, aber auch die Einsatzhundertschaft des Polizeipräsidiums unterstütze regelmäßig. Wenn nötig, könnten Spezialkräfte hinzugezogen werden. „Oberstes Ziel ist es, dass niemand zu Schaden kommt. Das betrifft vor allem auch die Person, welche sich im psychischen Ausnahmezustand befindet“, so Kruger.

    Polizei im Einsatz: 47-Jährige drohte mit Bombe in einem Hotel

    Einen größeren Einsatz hatte zuletzt ein 47-Jähriger im Juli in der Innenstadt ausgelöst. Der Mann hatte mit einer Bombe in einem Hotel gedroht. Die Polizei sperrte daraufhin die gesamte Halderstraße, Einsatzkräfte durchkämmten mit Sprengstoffsuchhunden das Gebäude. Teile des öffentlichen Nahverkehrs kamen zum Erliegen. Der Augsburger wurde schließlich gefasst. „Zum Zeitpunkt der Tat befand er sich offenbar in einem psychischen Ausnahmezustand“, hieß es damals von der Polizei über den Tatverdächtigen.

    Bombendrohung gegen Augsburger Hotel – die Bilder vom großen Polizeieinsatz

    Bombendrohung
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    20 Bilder
    Ein Anrufer hat in einem Hotel in der Augsburger Innenstadt Bombenalarm ausgelöst. Die Polizei rückte mit zahlreichen Einsatzkräften an.

    Die meisten Betroffenen seien zwischen 30 und 50 Jahre alt, sagt BKH-Direktor Hasan. Aber es gebe eine weitere Altersspitze. „Das sind die über 70-Jährigen.“ Er betont, dass in solchen Fällen meist Demenzkrankheiten ursächlich seien. „Auch Menschen mit Demenz können sich oder andere in Gefahr bringen. Bei einem Fall etwa lief eine Patientin nackt über eine mehrspurige Straße.“ Diese Patienten würden fast nie handgreiflich. Im Gegensatz zu anderen Akuteinweisungen. Da werde auch geschrien, geschlagen, getreten, gespuckt. Im Bezirkskrankenhaus wurden bereits entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Mitarbeiter getroffen.

    Im BKH Augsburg wurden Fluchtwege für Mitarbeiter geschaffen

    Wie Hasan berichtet, habe man in der Notaufnahme größere Wände für Mitarbeiter-Fluchtwege aufgerissen. Auch gebe es ein neues Notfallsystem. „Sobald ein Mitarbeiter zu Boden geht, etwa weil er angegriffen wird, geht ein Alarm los.“ Alkomiet Hasan sieht beim Thema Akuteinweisungen mit gemischten Gefühlen der Zukunft entgegen. „Die Entwicklung darf die nächsten drei Jahre nicht so weiter gehen. Wir sind strukturell jetzt schon am Limit.“

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