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Wie sich Haunstetter Wald und Siebentischwald unterscheiden

Augsburg

Kiefern im Süden, Mischwald im Norden – Augsburgs grüne Oasen könnten kaum gegensätzlicher sein

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    Das Mondschein-Geräumt ist eine der schnurgeraden Schneisen im Haunstetter Wald – entstanden bei der Waldflurbereinigung im Jahr 1765.
    Das Mondschein-Geräumt ist eine der schnurgeraden Schneisen im Haunstetter Wald – entstanden bei der Waldflurbereinigung im Jahr 1765. Foto: Wilfried Matzke

    Der Augsburger Stadtwald genießt seit 100 Jahren einen Schutzstatus. Bereits 1926 war ein großes Pflanzenschutzgebiet ausgewiesen worden. Mit dem Siebentischwald im Norden und dem Haunstetter Wald im Süden besteht der rund 22 Quadratkilometer große Stadtwald aus zwei unterschiedlichen Teilen. Es beginnt damit, dass der stadtnähere Siebentischwald viel stärker frequentiert wird und dadurch bekannter ist. Aber auch der Wald als solches ist verschieden.

    Im nördlichen Stadtwald dominiert Mischwald, im südlichen Stadtwald hingegen Kiefern- und Fichtenbestände. Auffällig sind auch die Unterschiede beim Wegenetz. Typisch für den Siebentischwald sind die im 19. Jahrhundert für Erholungszwecke geschaffenen geschwungenen Wege, teilweise getrennt für Spaziergänger, Radfahrer und Reiter. Im Gegensatz dazu findet man im Haunstetter Wald schnurgerade Wege, angelegt im 18. Jahrhundert für die Jagd- und Forstwirtschaft.

    Der größte Teil des Siebentischwaldes gehört bereits seit dem Jahr 1602 zur Stadt. Der Hauptteil des heutigen Haunstetter Waldes kam mit der Eingemeindung von Siebenbrunn 1910 zu Augsburg. Ein westlicher Streifen, der ehemalige Haunstetter Gemeindewald, ist erst seit der Eingemeindung 1972 Augsburger Territorium. Ursprünglich gehörte der Haunstetter Wald als Meringer Au zum Herzogtum und späteren Kurfürstentum Bayern. Dieses altbayerische Gebiet westlich des Lechs rührt daher, weil hier der Fluss im frühen Mittelalter ein bis zwei Kilometer weiter westlich verlief.

    Oberstjägermeister trieb Waldflurbereinigung in den Augsburger Wäldern voran

    Einst führten Pfade und nur wenige befahrbare Wege durch die urwüchsige Meringer Au. Die Einnahmen aus diesem Wald vor den Toren der Freien Reichsstadt Augsburg waren dem gegen ein Staatsdefizit kämpfenden Kurfürsten Max Joseph zu gering. Deshalb sollte die Jagd- und Forstwirtschaft mit einer systematischen Erschließung des Waldes profitabler werden. Im Jahr 1765 bekam die Meringer Au, also der Hauptteil des heutigen Haunstetter Waldes, sein jetziges Gesicht. Der Oberstjägermeister Graf von Preysing als damaliger kurfürstlicher Forstminister hatte diese erste bayerische Waldflurbereinigung vorangetrieben.

    So wurden in der Meringer Au schnurgerade Schneisen in einem 400-Meter-Raster „geräumt“, also freigeschlagen. In den Schneisen hat man befestigte Wege angelegt und jeweils mit dem Zusatz „Geräumt“ benannt. Außerdem wurden auf Anordnung des Oberstjägermeisters ertragreiche Kiefern und Fichten nachgepflanzt, um vom enormen Holzbedarf der Freien Reichsstadt Augsburg zu profitieren. Wohlhabende Reichsstädter durften gegen eine saftige Gebühr ihrem Jagdfieber frönen. Dabei wurde das Wild auf die Schneisen getrieben, direkt vor die Flinten der in Pferdekutschen sitzenden Jagdgäste.

    Die Waldabteilung Nr. 10 im städtischen Forstrevier 2 „Haunstetten“ heißt „Hundszwinger-Geräumt“. Zur Namensherkunft gibt es mehrere Theorien.
    Die Waldabteilung Nr. 10 im städtischen Forstrevier 2 „Haunstetten“ heißt „Hundszwinger-Geräumt“. Zur Namensherkunft gibt es mehrere Theorien. Foto: Wilfried Matzke

    Die 17 Wegenamen aus dem Jahr 1765 sind bis heute im Gebrauch. Die meisten Bezeichnungen hängen mit der Jagd zusammen, wie Pürsch-Geräumt (altdeutsch für Pirsch), Hirsch-Geräumt oder Mondschein-Geräumt. Mit dem Preysing-Geräumt wurde der kurfürstliche Oberstjägermeister verewigt. Die Bedeutung der Wegebezeichnungen ist nicht immer klar. So weist das Hundszwinger-Geräumt vielleicht darauf hin, dass hier Jagdhunde gehalten wurden. Aber es könnten auch im fünften Jahrhundert gegen die Hunnen errichtete Befestigungen gemeint sein.

    Die wertvollsten Flächen des Stadtwalds Augsburg liegen im Haunstetter Wald

    Eindeutig ist die Sache beim Langen-Geräumt, das mit 3,9 Kilometern als längster gerader Forstweg Schwabens gilt. Das Wasserhäusl-Geräumt bezieht sich auf eine Diensthütte der reichsstädtischen Wasserwarte im kurfürstlichen Wald, also im Ausland. Die Männer sorgten dafür, dass Quellwasser als Trinkwasser und abgeleitetes Lechwasser als Brauchwasser strikt getrennt nach Augsburg flossen. Auch dafür musste die Freie Reichsstadt viel Geld an die Kurfürsten zahlen. Dieses damalige Wassernutzungskonzept trug zum heutigen Unesco-Welterbe-Titel bei.

    Der nördlichste Geräumt-Weg, das Haunstetter-Geräumt, zweigt südlich von Siebenbrunn von der Siebenbrunner Straße ab. Hier entlang verläuft nunmehr die Grenze zwischen den städtischen Forstrevieren 1 „Siebenbrunn“ mit dem Siebentischwald und 2 „Haunstetten“ mit dem Haunstetter Wald. Im Revier 2 dienen die Wegenamen auch zur Bezeichnung der Waldabteilungen. So heißt die Waldabteilung Nr. 10 „Hundszwinger-Geräumt“. Mit den Schneeheide-Kiefernwäldern, den Heideflächen und den Quellfluren liegen die wertvollsten Flächen des Naturschutzgebietes „Stadtwald Augsburg“ mehr im Haunstetter Wald.

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