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Wie zwei Augsburger Ballonfahrer deutsche Meister werden wollen

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„Ein Logenplatz am Himmel“: Zwei Augsburger Ballonfahrer und eine große Herausforderung

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    Als einen Logenplatz am Himmel bezeichnen Jan Haßold (rechts) und Martin Haar eine Fahrt mit dem Ballon. Sie engagieren sich im Freiluftballonverein Augsburg. Für Haßold ist das schon eine Familientradition.
    Als einen Logenplatz am Himmel bezeichnen Jan Haßold (rechts) und Martin Haar eine Fahrt mit dem Ballon. Sie engagieren sich im Freiluftballonverein Augsburg. Für Haßold ist das schon eine Familientradition. Foto: Freiluftballonverein/Wolfgang Langner

    Die Zufriedenheit von Jan Haßold ist fast spürbar. Für den schlanken, bärtigen 40-Jährigen ist es ein Tag, den er genießt. Die meiste Zeit verbringt der Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht normalerweise zwischen Schreibtisch und Gerichtssaal. Sein Kontrastprogramm benötigt er wie ein Fisch das Wasser. Haßold ist in seiner Freizeit Ballonfahrer. Schon seit er denken kann, was mit seiner Familie zu tun hat.

    Ihr gehörte die Ballonfabrik in Augsburg – ein Unternehmen, das einst Ballone fertigte. Sein Vater und sein Großvater haben die Welt schon im Bastkorb aus luftiger Höhe betrachtet. Die Liebe zum Ballon wurde ihm praktisch vererbt. Dass er als Ballonfahrer als Exote angesehen wird, lässt sich kaum vermeiden. „Wir Ballonfahrer sind schon ein eingeschworenes Völkchen mit einer großen Portion Abenteuerlust“, sagt Haßold grinsend. Rund 80 Mitglieder hat der Freiballonverein Augsburg, der immer auf Nachwuchssuche ist. 

    Der Freiballonverein Augsburg hat vier Ballone

    Vier Ballone hat der Klub. „In ganz Deutschland gibt es vielleicht noch 50 Gasballone“, so Haßold. Zusammen mit seinem Co-Piloten Martin Haar hat das Duo vor der deutschen Meisterschaft der Ballonfahrer (vom 12. Mai bis 17. Mai) drei Gäste (darunter den Autor dieser Zeilen) zur Testfahrt eingeladen. Mit dabei ist die 15-jährige Tochter von Martin Haar. Katherina macht derzeit den Pilotenschein für Ballone und will Erfahrung sammeln.

    Es wird eng im Korb. Sechs Menschen auf gut einem Quadratmeter, das ist sportlich. „Wir müssen nur ein bisschen zusammenrücken. Da haben wir schon Platz“, sagt Haar, der im wahren Leben als Kraftfahrer für Flüssiggas unterwegs ist. Das er beim Freiluftballonverein (Sitz in Gersthofen) seine Freizeit verbringt, ist dem Zufall geschuldet. „Ich bin bei einem Bekannten mitgefahren. Das war 2017. Das hat mich dann nicht mehr losgelassen. Ein Jahr später habe ich den Pilotenschein gemacht.“ Mittlerweile fährt er auch Gäste, die zu besonderen Anlässen eine Ballonfahrt spendiert bekommen.

    Ein Geschenk für 240 Euro. „Am besten über den Verein buchen“, wirbt Haar. Als Faßold und Haar abheben wollen, gibt es ein Problem. Der Tower des Flugplatzes in Mühlhausen erteilt wegen dichten Nebels keine Starterlaubnis. Haar klärt über sein Funkgerät auf. In Gerstofen ist im Gegensatz zu Mühlhausen keine Spur von Nebel und in Richtung Westen ist klare Sicht. Der Tower gibt nun doch sein Okay. Es geht 1500 Meter aufwärts. Das Tablet mit der Luftfahrkarte, das GPS, das Variometer sind funktionstüchtig. Es ist still und friedlich. „Wir haben einen Logenplatz am Himmel. Ohne Motorengeräusch, einfach die Ruhe genießen“, schwärmt Haßold, während man unten die Umrisse von Gablingen und Lützelburg erkennt. Droben erzählen Haar und Haßold wie sehr sie sich über die anstehende deutsche Meisterschaft (DM) freuen.

    Bei der Deutschen Meisterschaft gilt es, Aufgaben zu lösen

    Am 13. Mai starten rund zehn Ballonteams, so gegen 18 Uhr. Erst am nächsten Abend wird das Duo wieder landen, ehe es tags darauf weitergeht. Nun die Frage: Wie löst man das Problem, wenn da oben einer ein menschliches Bedürfnis hat? Bietet sich an. Haßold grinst verschmitzt: „Dafür gibt es zum Beispiel Eimer.“ Vielleicht will man das gar nicht so sehr wissen. Aber es könnte ja auch sein, das man sich auf diesem engen Raum auf die Nerven geht. „Im Korb muss man harmonieren und sich vertrauen. Sonst funktioniert das nicht. Martin und ich haben da keine Probleme“, ist sich Haßold sicher.

    Das Regelwerk bei der DM für Gasballone ist komplex. Dabei müssen Präzisionsaufgaben erfüllt werden. Zum Beispiel müssen Piloten vorgegebene Ziele ansteuern oder Koordinaten aus der Luft anfliegen. Für alles gibt es Punkte. „Unser Ziel ist es, deutscher Meister zu werden“, gibt sich Martin Haar selbstbewusst. Einer der Mitfahrer will von den beiden wissen, welche Anekdoten es von den Ausflügen gibt. Haßold schüttelt den Kopf: „Da will man keine erleben. Es gibt immer wieder mal verrückte Landungen oder Greifvögel, die meinen, sie müssen uns attackieren. Ich mag lieber von A bis Z durchgeplante Fahrten ohne jeden Zwischenfall und jeder kommt mit einem Grinsen nach Hause.“  

    Wir landen nach zwei Stunden und 22 Minuten sanft auf einer Wiese bei Rettenbach im Landkreis Günzburg. Christoph Kain wartet schon mit seinem Auto und dem Anhänger für den Ballon. In einer guten halben Stunde ist alles verstaut. Dann folgt noch eine nette Überraschung. Drei von den sechs Ballonfahrern hatten ihre Premiere. Mit Sand auf dem Haupt, der vom Sekt ausgewaschen wird, werden sie von Haßold und Haar getauft. Jeder bekommt eine Taufurkunde und wird mit einem besonderen Namen in den Adelsstand erhoben. Der Autor dieser Zeilen ist künftig „Graf Wolfgang von den Donauhängen zu Leipheim“. An den Namen könnte man sich gewöhnen. Ans Ballonfahren aber auch.     

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