Mit 17 Jahren in Begleitung von Mama oder Papa am Steuer sitzen: Das ist mittlerweile seit 15 Jahren bundesweit gesetzlich verankert. Verkehrsexperten bewerten das begleitete Fahren als Erfolgsmodell. Manfred Wirsch, der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, nennt das Konzept „bis heute die erfolgreichste Maßnahme, um junge Fahranfänger zu schützen“. Beim Automobilklub ADAC betont Verkehrsexperte Alexander Kreipl: „Der Führerschein mit 17 war und ist ein Gewinn.“ Jugendliche, die die Begleitphase nutzen, sind deutlich seltener in Verkehrsunfälle verwickelt oder im Straßenverkehr auffällig.
Das belegen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. 2005 wurde der Führerschein mit 17 als Modellversuch in Bayern eingeführt, 2008 war Baden-Württemberg das letzte Bundesland, das die Regelung übernahm. Seit dem 1. Januar 2011 wurden die befristeten Pilotphasen in deutsches Dauerrecht umgewandelt. In den Jahren danach sank die Zahl der Unfälle mit Personenschaden, die von Autofahrern zwischen 18 und 21 Jahren verursacht wurden, um 20 Prozent. Heute sind Fahranfänger für 40 Prozent weniger Verkehrsunfälle verantwortlich, als dies noch vor 15 Jahren der Fall war.
Junge Autofahrer sind nach den Worten von Unfallforscher Siegfried Brockmann die „Hochrisikogruppe“ im Straßenverkehr – weil ihnen zum einen Routine fehle, hinzu komme, bedingt durch das Alter, eine gewisse Sorglosigkeit und Leichtsinn. Viele überschätzten schlicht ihre Fähigkeiten. „Diese beiden Faktoren sind eine unheilvolle Kombination“, sagt Brockmann, der für die Björn-Steiger-Stiftung tätig ist. Wer in Begleitung Auto fahre, sammle wertvolle Fahrpraxis. Habe ein Fahranfänger einen routinierten Beifahrer neben sich sitzen, „schafft das genau diese Erfahrung, für die man sonst mehrere Jahre benötigt“.
Bis man den Führerschein hat, vergeht laut ADAC fast ein Jahr
Tatsächlich nutzen laut Daten des ADAC weniger als die Hälfte der Führerscheinanwärter die Möglichkeit zum begleiteten Fahren ab 17. Zu Beginn waren es fast drei Viertel der Zielgruppe. Machten 2011 noch 329.000 Männer und Frauen unter 18 den Autoführerschein, waren es 2024 nur noch 247.000. Das hängt auch damit zusammen, dass die Fahrausbildung immer länger dauert. Bislang können Jugendliche mit 16,5 Jahren mit dem Theorieunterricht beginnen. „Im schlimmsten Fall braucht man fast ein Jahr, bis man den Führerschein hat“, sagt ADAC-Mann Kreipl. Mit negativen Folgen, wie man beim Verkehrssicherheitsrat betont. „Denn je länger die Jugendlichen begleitet fahren, desto sicherer sind sie unterwegs.“
Die CSU will das ändern und das begleitete Fahren bereits ab 16 ermöglichen. Das hat die CSU-Landesgruppe zuletzt in ihrer Klausur im Kloster Seeon beschlossen. Landesgruppenchef Alexander Hoffmann betonte, der Führerschein sei für viele junge Menschen das Ticket ins Erwachsenenleben. „Gerade im ländlichen Raum bedeutet er Freiheit und Teilhabe - das wollen wir früher ermöglichen.“ Beim ADAC begrüßt man den Vorschlag, dass Jugendliche früher in die Fahrausbildung starten und im Idealfall zwei Jahre Fahrpraxis sammeln. Doch die Chancen für eine Umsetzung des CSU-Plans stehen denkbar schlecht. Für eine Änderung braucht es eine EU-weite Regelung. Deutschland hatte sich bei den Verhandlungen über die neue EU-Führerscheinrichtlinie, die im November in Kraft trat, für ein begleitetes Fahren ab 16 eingesetzt – allerdings gab es dafür keine Mehrheit.
Darüber hinaus will die CSU „in Ausnahmefällen das alleinige Fahren ab 17 Jahren erlauben“, wenn zuvor ein Jahr Fahrpraxis in Begleitung gesammelt wurde. Unfallforscher Brockmann hält das für verantwortungslos – schon, weil bestimmte Fähigkeiten in diesem Alter noch nicht voll ausgeprägt seien. „Das Sicherheitsrisiko ist viel zu hoch.“
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